Ein Mädchen mit Augen so blau und einem Ausschnitt so tief wie das Meer. Mein Kind, sei nicht trrraurig, tut der Abschied auch weh. Tauwerk und Ölzeug für die Reise durch Wellen und Sturm. Auf, Matrrrosen, ohe! Anker, Steuerräder, Fahnen und Seebären: Das alles erwartet man bei einem (Schaufenster-)Bummel am Hafen zu sehen. Was aber macht das Reh zwischen Kiez-Küche, Heimatschmökern und anderen maritimen Hamburgensien?
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Drinnen und draußen
Spaziergang im Park
Noch verhüllt die Brunnen-Schöne im Steingarten nicht nur ihr Antlitz.
Noch liegen die Robben am Planschbecken auf dem Trockenen.
Der Brunnen am Planetarium verspricht schon jetzt den Himmel auf Erden
und der See neben dem Biergarten die beste Rutsche ins Blaue.
Müllcontainer sehen aus wie Kunstwerke,
und den Anhänger vom Fußball-Feriencamp schieben wir notfalls nach Fürth.
Alte Liebe rostet nicht
Und dann habe ich sie mir geschnappt, sagte Herr W. und grinste. Frau W. strich ihrem Mann leicht über den Handrücken. Der Junge aus dem vornehmen Harvestehude. Und das Mädchen aus dem Arbeiterviertel Hammerbrook. Kriegskinder alle beide.
Hand in Hand saßen sie auf der weißen Bank, die Köpfe mit den schwarzen Hüten synchron auf das Gebäude gegenüber gerichtet, den Hackenporsche mit den Einkäufen vor sich im Kies. Ein Bild, so wunderbar aus der Zeit gefallen, dass ich sie einfach ansprechen musste.
Gegenüber, da haben sie gewohnt. Nicht in dem Neubau, sondern in dem kleinen Haus, das früher dort stand. Die erste eigene Bude, unterm Dach juchhe, das Klo auf halber Treppe. Ein Bad hatten sie damals nicht, das gab es erst in der dritten Wohnung, 14 Jahre später.
Ihrem, meinem Stadtteil sind sie treu geblieben. Seit mehr als 55 Jahren.
Silver lining
Jogging in the rain
… mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen:
It rained and rained and rained
The average fall was well maintained
And when the tracks were sloppy bogs
It started raining cats and dogs.
After a drought of half an hour
We had a most refreshing shower
And then, most curious of all
A gentle rain began to fall.
Next day but one was fairly dry
Save for one deluge from the sky
Which wetted the party to the skin
And then at last – the rain set in.
Das „Regenlied“ fand ich vor Jahren im Gästebuch eines neuseeländischen backpackers. Wir hatten gerade eine mehrtägige Wanderung auf halber Strecke abgebrochen, nachdem eine Sintflut von oben die Wege in sloppy bogs verwandelt hatte. In diesen feuchten Maitagen denke ich oft an unsere Rutschpartie am anderen Ende der Welt und daran, wie der Regenwald immer näher rückte, während wir auf der überdachten Veranda der Herberge hockten und Tag um Tag vergeblich auf Sonne warteten. Sehr viel anders sieht es auch nicht aus, wenn ich heute von meinem Balkon in die tropfnassen Bäume blicke: ein Gefühl wie Hundert Jahre Einsamkeit.
Schlagkräftig
An der Wasserstelle
Auf Löwenzahn gebettet
Christian Morgenstern: Philanthropisch
Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
wäre besser ohne sie daran;
darum seh’ er, wie er ohne diese
(meistens mindstens) leben kann.
Kaum dass er gelegt sich auf die Gräser,
naht der Ameis, Heuschreck, Mück und Wurm,
naht der Tausendfuß und Ohrenbläser,
und der Hummel ruft zum Sturm.
Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
tut drum besser, wieder aufzustehn
und dafür in andre Paradiese
(beispielshalber: weg) zu gehn.
Ausreis(s)er und Häfen
„Dascha gediegen!“ würde der Hamburger sagen. (Für Nicht-Norddeutsche und Menschen, die das Ohnsorg-Theater nicht mal aus dem Fernsehen kennen: Das bedeutet soviel wie „Sachen gibt’s!“) REIS(S) AUS! fordert eine Agentur für neue Reiseerfahrungen Spaziergänger an der Außenalster auf. Nur zwei Autolängen weiter parkt der Heimat-Hafen-Hamburg. Bloß nicht übermütig werden!
Zwischen den Polen ein Kommen und Gehen: Das leuchtend-grüne Geschoss, das neulich direkt hinter dem Ausreis(s)er-Bus Stellung bezog, war zur abschüssigen Straße hin mit sicher nicht wenig Aufwand aufgebockt worden, als beabsichtigten seine Besitzer, in Hamburg zu übersommern.
Doch weit gefehlt! Anderntags war es bereits wieder dem Ruf in irgendeine Ferne gefolgt. Dafür erfreute auf der gegenüberliegenden Alsterseite die rollende Villa Pusteblume das Auge der Passanten.
Auch sie ist längst wieder fort… Zeit für eine Solidaritätsadresse, mag man sich im Hafen gedacht haben. ZUHAUSE in Hamburg liest dort wie eine mahnende Erinnerung, wer von den Landungsbrücken aus über die Elbe schaut. Fernweh braucht man an einem Fluss Richtung Meer ja nicht extra zu wecken.














