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Am Wasser zuhause

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Weihnachtsbesuch in der Kleinstadt. In dem backsteinernen Gebäude an der Stirnseite habe ich vor Urzeiten mein journalistisches Volontariat absolviert. Gleich dahinter lag meine erste eigene „Bude“, ein möbliertes Zimmer über einer Wäscherei. So fühlte sich damals Heimat an. Ohne die weihnachtliche Deko natürlich.

Und heute? Stellt sich dieses Gefühl von Zuhause am verlässlichsten ein, wenn ich mit der Bahn aus Richtung Süden kommend zwischen Außenalster und Binnenalster hindurchfahre. Der Hamburger Hauptbahnhopf liegt hinter mir, gleich werde ich am Dammtor aussteigen. Und vorher das immer gleiche Ritual: ein langer weiter Blick nach rechts über die Außenalster, dann noch ein schneller nach links, bevor das Rathaus nicht mehr zu sehen ist, Sachen zusammenraffen und raus.

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Neulich erzählte ich jemandem von diesem spezifischen Kennedy-und-Lombardsbrücken-Gefühl. Ja, sagte der nur. Und eine ganze Weile später: Er hätte sich auch schon gefragt, ob diejenigen, die am Hauptbahnhof aussteigen, wohl überhaupt in Hamburg ankommen…

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Morgenstern zum Fest

Morgenstern zum Fest

„Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.

Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.

Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.

Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag.
Das ist genug für einen Tag.“

Christian Morgenstern

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Seine? Alster!

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Ich bin keine Freundin exzessiver digitaler Bildbearbeitung. Vielleicht, weil ich in analogen Zeiten groß geworden bin. Speziell die Unsitte, jeder noch so banalen Szene mit HDR (Pseudo-) Dramatik zu verleihen, hat mir die Kontrastschmiede insgesamt einigermaßen verleidet. Sepia-Effekte empfinde ich zumeist als übertrieben nostalgisch. Ich denke irgendwie immer, dass der Film nicht ausreichend fixiert wurde. Und hatte zu meiner Überraschung plötzlich Lust, genau damit herumzuspielen und  dem Dezember-frühabendlichen Alsterkanal ein wenig Seine-Romantik zu verpassen. „Schuld“, so vermute ich, ist ein Beitrag auf dem englischsprachigen Blog bluebrightly. Als ich die Vorher-Nachher-Beispiele dort sah und Lynns kluge Gedanken zum Thema Bildbearbeitung las, kam mir ein Satz aus Markus Zusaks „Bücherdiebin“ in den Sinn: „Das Schöne an Fiktion ist, dass man eine Lüge erzählen kann, um die Wahrheit zu sagen.“ Que pensez-vous? What’s your opinion?

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Sturmgeflutet

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Heute Nachmittag im Hamburger Hafen.  In den Wasserlachen auf dem Dach des Ausflugsboots „Klein Erna“ an den Landungsbrücken spiegelt sich die Sonne, die für einen Moment durch dichte Regen- und Schneewolken bricht. Das U-Boot am St. Pauli Fischmarkt scheint an diesem Freitag besonders tief im Fluss zu liegen.

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Orkan Xaver hat sich mittlerweile deutlich beruhigt, nicht aber die Elbe. Weil der Wind konstant aus Nordwest weht, kann das Wasser bei Ebbe nicht ordentlich abfließen. So wird die Stadt am frühen Abend von der dritten Sturmflutwelle in Folge getroffen. Sie fällt zum Glück schwächer aus als befürchtet. Noch am Morgen waren knapp vier Meter über dem Mittleren Hochwasser (gut sechs Meter über Normalnull) gemessen worden. Das ist ähnlich hoch wie bei der verheerenden Flut im Februar 1962. Damals waren die Deiche allerdings noch deutlich niedriger und weniger stabil als heute.

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Rund um die Fischauktionshalle stehen noch die letzten Pfützen, der Elbschlamm auf dem Pflaster ist noch feucht, als der Fluss  erneut Besitz vom Fischmarkt und der Großen Elbstraße ergreift. Unglaublich, wie schnell das geht: Wo man eben noch trockenen Fußes entlangspazieren konnte, steht das Wasser nur Augenblicke später bereits knöchelhoch.

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Ein paar Sehleute patschen durch die Fluten. Meter um Meter weichen sie zurück.

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To sit or not to sit

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Sitzen oder Nichtsitzen, das ist an Hamburgs Außenalster selten die Frage. Zwar sind inzwischen die meisten öffentlichen Bänke um den städtischen „Teich“ herum verwaist, aber vom Besuch eines Freiluft-Kaffeeausschanks lässt sich ein echtes Nordlicht auch im Winterhalbjahr allenfalls bei  strömendem Regen oder Schneetreiben abhalten. Gegen die heraufziehende Kälte schützen Wolldecken, Heizstrahler und Glühwein, und ein Teebeutel oder Zuckerstreuer lässt sich auch mit Handschuhen prima händeln.

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Zum Davonlaufen

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Das Bild ist kürzlich in einem Fotokurs entstanden. Auf einem Streifzug durch die Innenstadt sollten wir dem „Rhythmus der Stadt“ nachspüren, Bewegung und Ruhe im Bild festhalten, mit langen Belichtungszeiten und verwischten Strukturen arbeiten, mal mit Stativ, mal aus der Hand und gern auch „aus der Hüfte“ fotografieren. – Was es zu diesem Bild zu sagen gibt? Mir wurde einmal mehr die Bedeutung des richtigen Moments bewusst. Und dass eine Viertelsekunde verdammt lang sein kann, wenn man sie in der Hand hält… Ich mag das Bild, unperfekt wie es ist. Schon wegen des Turbo. Mit dem kann man dem ollen Grau, das den bisher recht goldenen November abgelöst hat, richtig gut davonlaufen.

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Erinnerungen an Hoi An

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An der Japanischen Brücke, einer der wenigen noch erhaltenen überdachten Brücken im Land, halten ein paar Jungs ihre Angeln ins Wasser.

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Eine Frau baut eine mobile Garküche auf, eine andere bietet vom Boot aus Ingwer und Räucherstäbchen zum Verkauf an.

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Nur eine schmale Straße trennt die Altstadt vom Fluss. Hölzerne Fischerboote ankern unmittelbar vor den gelben Häusern, an deren Fassaden regelmäßige Überschwemmungen deutliche Schimmelspuren hinterlassen haben.

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Wir schauen uns in dem nur ein paar Meter breiten, dafür aber um so tieferen „Pfandleiherhaus“ um. Zweimal im Jahr, wenn der Thu Bon River über die Ufer tritt und den Markt und die angrenzenden Straßen meterhoch unter Wasser setzt, tragen seine Bewohner stoisch die schweren alten Holzmöbel in den ersten Stock hinauf.

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Als wir das Gebäude auf der Flussseite verlassen, registriere ich, dass ein Teil der Straße, über die wir noch am Vorabend gebummelt sind, auch jetzt überflutet ist.

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Eine Radfahrerin mit rosa Mundschutz zieht unbeirrt ihre Bahn durch das Nass…

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Nein, Überschwemmungen sind  nichts Ungewöhnliches in der vietnamesischen Hafenstadt Hoi An, die ich vor ein paar Jahren kennen lernte. Aber so schlimm wie in den vergangenen Tagen war es lange nicht mehr. Die Pegel der Flüsse in Zentralvietnam stiegen in Folge sintflutartiger Regenfälle auf ungeahnte Höhen. Mehr als zwei Dutzend Menschen kamen ums Leben, Zehntausende wurden evakuiert, 100.000 Häuser stehen unter Wasser. Ich bin sehr froh, dass das Hochwasser mittlerweile zurückgeht, wenn auch langsam.