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Stille

P1020823Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen – :

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.

Rainer Maria Rilke

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Catching Bubbles

P1030335„Väter“, die oftmals eher wie Söhne wirken und sich vor allem durch die Ausgestaltung des Bollerwagens ihrer Bezugsgruppe und die Marke der mitgeführten Bierflaschen unterscheiden? Oder lieber schillernde Seifenblasen vor glücklichen Kindergesichtern? Die Fotografin fackelt nicht lange und entscheidet sich für die Himmelfahrt der besonderen Art. Ein paar Bubbles sind ganz sicher ungeköpft und unzerklatscht übergekommen.

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Wüsten(ver)führer

Otl Aicher: Gehen in der Wüste. Frankfurt 2005 (TB)

Jürgen Werner: Wüstenwandern. Unterwegs am Rande der Unendlichkeit. Stuttgart 2005

Das ohnehin schon gefährlich spannende Blog Sätze&Schätze ist für mich jüngst noch um einiges gefährlicher geworden. Seit es seiner Betreiberin Birgit gefiel, die neue Kategorie Reiseliteratur ins Leben zu rufen, um genau zu sein. Und nun schickt sie ihre Leser auch noch in die Wüste. Ausgerechnet. Wie soll man denn da ruhig am Schreibtisch sitzen bleiben? Aber wer weiß, vielleicht soll man das ja gar nicht.

P1030322Zumindest in Gedanken nehme ich mir jetzt einfach eine Auszeit und blättere in zwei großformatigen Wüsten(ver)führern, auf die ich hier schon längst einmal hinweisen wollte. Vom Gehen in der Wüste erzählen beide, in wunderbar klugen Texten und mit Bildern, die einem die Tränen in die Augen steigen lassen, so schön sind sie. Ach, ich könnte schwärmen ohne Ende. Und Zitat an Zitat reihen:

P1030302„die wüste ist eine denklandschaft. man geht nicht nur zwischen dünen, man geht auch in seinem eigenen denken umher, man macht gedankengänge. im gehen verändert sich die landschaft von bild zu bild. es verändert sich auch der gedankenhorizont. das auge zieht es mal hier, mal dort hin, auch die gedanken wildern umher. man wirft sie hinaus, als entwürfe. so ist ein nicht eigentlich geschriebenes buch entstanden. es hat keinen anfang, kein ende, keinen roten faden. man mag deshalb auch nachsichtig sein einer typographie gegenüber, die verschlungen ist wie ein gang durch dünen.“

 

P1030314Der das schrieb, war Grafiker durch und durch: Otl Aicher (1922-1991), Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung in Ulm und einer der bedeutendsten Kommunikationsdesigner des 20. Jahrhunderts. Den Wüstengänger Aicher zog es wiederholt in die Sahara, allein oder in Begleitung seines jüngsten Sohnes und eines befreundeten Architekten. Was von diesen Reisen blieb, ist nicht mehr und nicht weniger als ein grafisches Gesamtkunstwerk, das in der Tat dazu einlädt, es mäandernd zu genießen. Zu blättern, spontan dem Sog eines Bildes nachzugeben, ein paar Zeilen oder auch Seiten zu lesen, erneut und mit noch mehr Tiefe in die Bilder einzutauchen oder auch mal in eigene Gedanken und Erinnerungen, irgendwann weiterzublättern, um an anderer Stelle erneut zu verweilen.

P1030305Dem Sprach- und Kulturwissenschaftler Jürgen Werner folgt man am besten chronologisch durch sein ebenso praktisches wie spirituell-philosophisches Wüstenwanderbuch. Werner hat immer wieder Zeit mit und bei den Beduinen auf dem Sinai und im Süden Jordaniens verbracht, in deren Kultur ich selbst erst vor wenigen Monaten allererste zarte Einblicke gewann. Ein paar Bilder genügen, und sofort ist es zurück, dieses Gefühl von Stille und unendlicher Weite. Ah… bittersüßes Fernweh!

P1030295„Keine Wüste lädt uns zum Verweilen ein. Sie ist ein atemberaubend schöner, aber auch ein unwirtlicher Ort. Kein Platz, an dem man heimisch werden und sich niederlassen kann. Die Wüste ist ein Ort, den man durchquert. … In der Wüste sein heißt unterwegs sein, nicht nur in einer räumlichen, sondern auch einer seelischen Dimension. Wanderer in der Wüste sein heißt auch Wanderer zu sich selbst sein, das eigene Seelengepäck auf dem Rücken.“ Jürgen Werner empfiehlt Wüstenreisenden, sich eine Frage mitzunehmen, die beantwortet, ein Problem, das gelöst, eine Entscheidung, die getroffen werden will. Er weiß: „Entscheidungen, die du auf einem Wüstenweg triffst, können nicht falsch sein, denn sie kommen aus deinem tiefsten Inneren. Du musst nichts anderes tun, als die Empfehlungen der Wüste zu befolgen.“

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Red Poppy Art

P1030223-1In meiner Tage Morgen,
Da lag auch ich einmal,
Von Blumen ganz verborgen,
In einem schönen Tal.
Sie dufteten so milde!
Da ward, ich fühlt es kaum,
Das Leben mir zum Bilde,
Das Wirkliche zum Traum.

Aus: Ludwig Uhland „Der Mohn“

P1030227Und das – so möchte ich hinzufügen – kann wunderbar erholsam sein, selbst wenn das Liegen eher ein Gehen und Verweilen und das schöne Tal in Wahrheit ein städtischer Park war.

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Noch mehr Schaufenster

P1030146Ein Mädchen mit Augen so blau und einem Ausschnitt so tief wie das Meer. Mein Kind, sei nicht trrraurig, tut der Abschied auch weh. Tauwerk und Ölzeug für die Reise durch Wellen und Sturm. Auf, Matrrrosen, ohe! Anker, Steuerräder, Fahnen und Seebären: Das alles erwartet man bei einem (Schaufenster-)Bummel am Hafen zu sehen. Was aber macht das Reh zwischen Kiez-Küche, Heimatschmökern und anderen maritimen Hamburgensien?

P1030119

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Spaziergang im Park

P1030022Noch verhüllt die Brunnen-Schöne im Steingarten nicht nur ihr Antlitz.

P1020991Noch liegen die Robben am Planschbecken auf dem Trockenen.

P1020967Der Brunnen am Planetarium verspricht schon jetzt den Himmel auf Erden

P1020997und der See neben dem Biergarten die beste Rutsche ins Blaue.

P1020992Müllcontainer sehen aus wie Kunstwerke,

P1020995und den Anhänger vom Fußball-Feriencamp schieben wir notfalls nach Fürth.

P1030015In der Natur, da beißt sich nichts.

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Alte Liebe rostet nicht

P1020948 (2)Und dann habe ich sie mir geschnappt, sagte Herr W. und grinste. Frau W. strich ihrem Mann leicht über den Handrücken. Der Junge aus dem vornehmen Harvestehude. Und das Mädchen aus dem Arbeiterviertel Hammerbrook. Kriegskinder alle beide.

Hand in Hand saßen sie auf der weißen Bank, die Köpfe mit den schwarzen Hüten synchron auf das Gebäude gegenüber gerichtet, den Hackenporsche mit den Einkäufen vor sich im Kies. Ein Bild, so wunderbar aus der Zeit gefallen, dass ich sie einfach ansprechen musste.

Gegenüber, da haben sie gewohnt. Nicht in dem Neubau, sondern in dem kleinen Haus, das früher dort stand. Die erste eigene Bude, unterm Dach juchhe, das Klo auf halber Treppe. Ein Bad hatten sie damals nicht, das gab es erst in der dritten Wohnung, 14 Jahre später.

Ihrem, meinem Stadtteil sind sie treu geblieben. Seit mehr als 55 Jahren.

P1020946

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Jogging in the rain

P1000638… mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen:

It rained and rained and rained
The average fall was well maintained
And when the tracks were sloppy bogs
It started raining cats and dogs.
After a drought of half an hour
We had a most refreshing shower
And then, most curious of all
A gentle rain began to fall.
Next day but one was fairly dry
Save for one deluge from the sky
Which wetted the party to the skin
And then at last – the rain set in.

P1000641 (2)

Das „Regenlied“ fand ich vor Jahren im Gästebuch eines neuseeländischen backpackers. Wir hatten gerade eine mehrtägige Wanderung auf halber Strecke abgebrochen, nachdem eine Sintflut von oben die Wege in sloppy bogs verwandelt hatte. In diesen feuchten Maitagen denke ich oft an unsere Rutschpartie am anderen Ende der Welt und daran, wie der Regenwald immer näher rückte, während wir auf der überdachten Veranda der Herberge hockten und Tag um Tag vergeblich auf Sonne warteten. Sehr viel anders sieht es auch nicht aus, wenn ich heute von meinem Balkon in die tropfnassen Bäume blicke: ein Gefühl wie Hundert Jahre Einsamkeit.