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Have a break

P1010617Heute mal keine Besichtigung. Und auch keine Wanderung. Einfach irgendwo sitzen und Tee trinken. Schwarz, stark und süß, mit einem Stängel Minze darin oder vielleicht ein paar Blättern Salbei. Oder doch lieber Kaffee? Süß ist der auch, schon wegen der vielen Gewürze, Kardamom vor allem, und immer etwas schlammig. Irgendwann meldet sich der Magen. Fladenbrot wäre jetzt gut. Am besten frisch im Ofen oder auf dem offenen Feuer gebacken. Auf zwei Dinge muss man dabei achten: dass der Teig keine Löcher bekommt und dass er nicht verbrennt. Mmmmh! Wie das duftet!

P1000849Und dazu Mezze, diese wunderbar reiche Auswahl an Vorspeisen, die ich schon aus syrischen und libanesischen Restaurants kannte und die mich auf meiner Reise durch Jordanien jeden Tag aufs Neue begeisterte. Salate, Gemüsepürees und Fleischstücke werden in der Mitte des Tisches in Schälchen serviert, aus denen sich jeder bedient. Wer mag, benutzt das Fladenbrot wie einen Löffel oder rollt die Speisen darin zu einer Teigtasche (vor dem Rollen unbedingt eines der Enden einschlagen, sonst kleckert beim Essen alles raus!).

P1000852Zu meinen Top Ten gehören Falafel: frittierte Kichererbsen-Bällchen, mit Koriander, Kumin und Zimt gewürzt. Besonders lecker mit Tahina, einer Paste aus fein gemahlenen Sesamkörnern und Hülsenfrüchten mit Knoblauch, Zitrone, Salz und Pfeffer. Dazu eine Portion Tabouleh: Salat aus Tomaten, Zwiebeln, klein gehackter Petersilie und frischer Minze. Humus natürlich: Kichererbsenpüree mit Olivenöl, Sesampaste, Knoblauch und Zitronensaft. Beim Auberginenmus heißt es aufpassen, davon gibt es zwei Varianten: das etwas gröbere Baba Ghanoush, das aus gegrillten Auberginen zubereitet wird und ein bisschen so schmeckt wie Lagerfeuer riecht, und Moutabbal, eine feine Auberginen-Joghurt-Creme mit hohem Suchtfaktor. Was noch? Warmes Tomatenmus mit gerösteten Pinienkernen und Knoblauch. Passt wunderbar zu den mit Käse (oder Fleisch) gefüllten Blätterteigtäschchen, deren Namen ich ebenfalls vergessen habe. Dazu vielleicht noch eine Spur Zatar – eine Gewürzmischung aus wildem Thymian, gerösteten Sesamsamen, Sumach und Salz –, ein paar eingelegte Oliven, Rote Beete, Gurken, Blumenkohl, Auberginen, Rettich und Chilis und etwas frischer Salat mit geriebenem Schafskäse, und der Schlemmer-Himmel ist ganz nah.

P1010131Auf den Hauptgang verzichte ich wieder einmal – mangels Fassungsvermögen und weil er aus Vegetarier-Sicht ohnehin nicht mit den Vorspeisen mithalten kann. Mansaf zum Beispiel, das traditionelle jordanische Hauptgericht aus der Beduinenküche, besteht hauptsächlich aus Lammfleisch-Stücken auf einem Berg Reis, die auf einem großen Tablett serviert werden, nach dem das Gericht auch benannt ist. Dazu gibt es Joghurtsauce und geröstete Pinienkerne. Eine Alternative auch für nicht-carnivore Zeitgenossen ist Magloube: In einem Topf wird Fleisch, Fisch oder auch nur Gemüse mit Reis in Schichten gekocht und dann kopfüber – das bedeutet der Name auf Arabisch – auf einen großen Teller gestürzt.

P1010120Ich denke lieber an lebende Lämmer, trinke noch ein Glas frisch gepressten Zitronensaft mit fein gehackter Minze und frage mich, ob vielleicht doch noch ein klein wenig Platz ist für eine der kalorienreichen Süßspeisen auf der Basis von Zuckersirup und Honig, die mit Nüssen, Pinienkernen, Mandeln, Pistazien, Sesam, Schokolade und anderen Köstlichkeiten angereichert werden. Spätestens danach ist es auf jeden Fall wieder Zeit für einen starken Kaffee oder Tee. Und dazu vielleicht ein Wasserpfeifchen…

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Sesam, öffne dich!

P1010210P1010176Wow! So muss sich der arme Holzfäller Ali Baba gefühlt haben, als er, verborgen auf einem Baum, Zeuge wurde, wie die Räuber den Berg, in dem sie ihre Schätze versteckt hielten, mit einem Zauberwort dazu brachten sich zu öffnen. Mehr als einen Kilometer sind wir durch den am frühen Morgen noch ziemlich stillen Siq bereits gelaufen, den einzigen direkten Zugang  zu der antiken Felsenstadt Petra auf halbem Weg zwischen dem Toten Meer und dem Golf von Aqaba. Zu beiden Seiten der schmalen Schlucht ragen mächtige Felswände fast senkrecht empor, 70, 80, an einigen Stellen bis zu 100 Meter hoch.

P1010199An der engsten Stelle meint man, den rötlichen Sandstein links und rechts gleichzeitig berühren zu können. Der Siq ist hier kaum mehr als zwei Meter breit, an der weitesten Stelle sind es gerade einmal 16 Meter. Noch ein paar Windungen, und plötzlich öffnet sich die Schlucht und gibt die Sicht frei auf eine direkt in den Fels geschlagene rosarote Fassade:  Al-Khazneh, das „Schatzhaus“ der einstigen Hauptstadt der Nabatäer! Unwillkürlich schließe ich die Augen. Als ich sie wieder öffne, ist der Schatz immer noch da.

P1010317Kinofreunden wird der Anblick womöglich bekannt vorkommen: In der Schlussszene des Films „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ wird der Siq von Petra zur geheimnisvollen „Schlucht des sichelförmigen Mondes“, und das Schatzhaus weist den Weg in die Welt des heiligen Grals. Seinen Namen erhielt das gut 40 Meter hohe und fast 30 Meter breite Bauwerk von Beduinen, die glaubten, den Schatz eines Pharao vor sich zu haben. Tatsächlich wurde es als Grabmal eines nabatäischen Königs errichtet und später wohl auch als Tempel genutzt.

P1010225Vom Schatzhaus führt der Weg weiter und immer weiter durch die Felsenstadt, die so alt ist wie unsere Zeitrechnung: vorbei an prachtvollen Fassaden von Grabkammern nabatäischer Könige und Edelleute zu einem Theater, das 7.000 Zuschauern Platz bot, von dort entlang einer Säulenstraße mit umfangreichen Resten antiker Tempel, mit Souvenirläden und Teestuben bis in das ehemalige Stadtzentrum von Petra.

P1010247P1010381Wir befinden uns inzwischen auf einem weitläufigen Plateau, umgeben von grandiosen Felsformationen, auf denen weitere Sehenswürdigkeiten locken. Ad-Deir zum Beispiel, das „Kloster“, ebenfalls ein Grabmal oder Tempel – schlichter als das Schatzhaus, aber (oder vielleicht auch gerade deswegen) nicht weniger schön. Oder der Große Opferplatz, an dem religiöse Zeremonien zu Ehren nabatäischer Gottheiten abgehalten wurden. Von dort oben eröffnen sich weite Blicke auf das UNESCO-Weltkulturerbe, das seit ein paar Jahren außerdem zu den Neuen Sieben Weltwundern zählt, in einer Reihe mit dem Kolosseum in Rom, Chichen Itza in Mexiko, der Chinesischen Mauer, der Christusstatue in Rio, Machu Picchu in Peru und dem Taj Mahal in Agra.

P10102932014-02-15 11.59.30Doch vor den Ausblick haben die Götter den Schweiß gesetzt. Hunderte von in den Fels geschlagenen Stufen wollen bewältigt werden, zu Fuß oder auf dem Rücken eines Esels. Ein Vergnügen, das ich mir als begeisterte Reiterin nicht entgehen lassen kann: Nach vorne beugen, und ab geht die Post! Für Tempo sorgt von hinten der Eseltreiber. Okay, ich gebe zu, ich habe gelegentlich ein wenig in den Abgrund geschaut – das muntere Tier hatte sehr viel Freude am Überholen, und großartig lenken ließ es sich mangels Zügeln auch nicht -, aber alles in allem sieht so ein Eselritt auf nacktem Stein den Berg hinauf vermutlich abenteuerlicher aus, als er sich anfühlt.

P1010285Drei Tage Laufen, Laufen, Laufen in Petra, um Petra und um Petra herum. Ich kann mich kaum satt sehen am Farbenreichtum des Sandsteins und an der Architektur der Felsen. Die durch tektonische Verschiebungen und gelegentliche Hochwasser im Siq entstandene beeindruckt mich nicht weniger als die von den nabatäischen Steinmetzen geschaffene.

P1010386Gleichzeitig versuche ich, mir das Leben in der Felsenstadt vor 2.000 Jahren vorzustellen. Damals kontrollierten die Nabatäer, eigentlich ein Nomadenvolk von der Arabischen Halbinsel, von Petra aus den gesamten Karawanenhandel zwischen Damaskus und dem heutigen Medina. Die Stadt lag strategisch günstig am Knotenpunkt mehrerer Handelswege, auf denen Weihrauch, Gewürze und Seide transportiert wurden. Inmitten von Felsgebirgen war sie von außen praktisch uneinnehmbar. Und – unbezahlbar in der Region – sie verfügte über eine eigene Quelle. Brauch- und Trinkwasser leiteten die Nabatäer über eine in die Felswand des Siq gehauene Wasserleitung in die Stadt.

P1010441Fels und Wasser so nah beieinander? Das konnte nur eines bedeuten: Petra musste der Ort gewesen sein, an dem Moses beim Auszug des Volkes Israel aus Ägypten mit dem Schlag seines Stabes eine Quelle aus dem Stein hatte sprudeln lassen. Der Legende folgt auch der heutige Name Wadi Musa, Mosestal.

P1010222Rund 100 Jahre nach Christus ging das Reich der Nabatäer in der römischen Provinz Arabia auf. Gerasa, das heutige Jerash nördlich von Amman, lief Petra mehr und mehr den Rang ab. Keine Sorge: Ich mache an dieser Stelle nicht auch noch das Fass der großartigen Relikte aus der Römerzeit auf jordanischem Boden auf! Mir schwirrt selbst der Kopf von so viel Historie auf engstem Raum. Und dazu noch all die biblischen Bezüge… Jedenfalls: Nach Petra krähte ein paar hundert Jahre später kein Hahn mehr – bis Anfang des 19. Jahrhunderts ein Schweizer, angeblich als Scheich verkleidet, die geheimnisvolle Stätte „wiederentdeckte“. Beduinen nutzten die kühlen, schattenspendenden Grabbauten inzwischen als Wohnungen. In den 60er, 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden sie umgesiedelt, um die Felsenstadt besser für den Tourismus nutzen zu können. Irgendwie schade. Heute wohnen die Beduinen in den umliegenden Dörfern, vor allem in Wadi Musa. Ein Großteil von ihnen lebt vom Petra-Tourismus.

P1010128Einige der ehemaligen Felswohnungen sind jetzt Souvenirläden. In einer anderen verbringen wir unseren Picknick-Stopp. Mein Fotoapparat stellt automatisch scharf auf das Porträt von König Abdullah II an der Wand. Gegenüber hängt das Bild seines 1999 verstorbenen Vaters, König Hussein, der bis heute hohes Ansehen im Land genießt. Könige unter sich.

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Datteln in Nahost

P1010516P1010553Von der Geschichte, die uns Ali, unser Reiseleiter, im Beduinencamp am Lagerfeuer erzählte, ist mir vor allem in Erinnerung, dass einem nach dem Verzehr von roten Datteln Hörner wachsen können. Vielleicht muss man dazu aber auch eine Prinzessin sein. Um deren Gunst wirbt in einer endlosen Abfolge von Szenen der schlaue Hassan, bis er die Angebetete durch die Gabe von gelben Datteln schließlich von dem störenden Stirnschmuck befreien und ihr Herz erobern kann. Aber das ist am Ende gar nicht so wichtig. Die Szenen folgen ersichtlich keiner festen Dramaturgie, werden im Lauf der Erzählung immer bunter. Je gebannter die Zuhörer lauschen, je mehr sie über die Abenteuer des schlauen Hassan lachen, desto größer ist auch die Lust des Erzählers: Ali amüsiert sich nicht weniger als wir und schenkt uns Schleife um Schleife. Der Weg ist das Ziel. Ich folge fasziniert der eigenwilligen Spannung der Geschichte.

P1010291So ähnlich erzählt auch Salim Alafenisch, ein deutsch schreibender palästinensischer Autor mit israelischer Staatsbürgerschaft („Die acht Frauen des Großvaters“). Der hat sogar noch ein paar mehr Lebensjahre im schwarzen Ziegenhaarzelt in der Wüste verbracht als Ali, nur eben auf der anderen Seite der Grenze. Und beide hat es irgendwann nach Deutschland verschlagen… Wie nah im Nahen Osten alles beieinander liegt! Als ich am Toten Meer, dem tiefsten Punkt der Erde, 400 Meter unter dem Meeresspiegel fest auf dem Boden des Haschemitischen Königreichs Jordanien stehend, mein Handy einschaltete, erhielt ich die Mitteilung „Willkommen in Israel“. Irre, aber auch wieder nicht. Schließlich ist das Tote Meer, in dem man wegen des hohen Salzgehalts nicht untergehen kann, nur 18 Kilometer breit, und die Grenze verläuft mittendrin. Was das Schwimmgefühl angeht, bevorzuge ich übrigens das Rote Meer ganz im Süden, auf dem man nicht wie ein Korken herumdümpelt, aber immer noch (oder schon wieder) ganz nah an den Nachbarn dran ist. Links Saudi-Arabien, rechts das israelische Elat und dahinter der Sinai.P1000995

Aus Saudi-Arabien kommen auch Alis Vorfahren. Irgendwann war im Zuge irgendwelcher Auseinandersetzungen für den Stamm und seine Mitglieder kein Platz mehr im Nachbarland. Jordanien scheint immer Platz für Flüchtlinge zu haben. Über die Hälfte der rund 6,5 Millionen Einwohner stammen von Palästinensern ab, die als Flüchtlinge und Vertriebene ins Land kamen: nach dem Palästinakrieg 1948/49, nach dem Sechstagekrieg 1967 und in der Folge des Irakkriegs 1990/91. Etwa 350.000 der insgesamt 1,9 Millionen registrierten Flüchtlinge, denen Jordanien als einziges arabisches Land die Staatsbürgerschaft gewährt hat, leben nach wie vor in Flüchtlingslagern, hoffen darauf, eines Tages zurückkehren zu können. Seit 2012 schwemmt der Bürgerkrieg in Syrien einen weiteren Strom von Flüchtlingen ins Land. Ich muss zugeben: Die Zahlen beeindrucken mich zutiefst – und noch mehr, wie es gelingt, inmitten von so viel Instabilität selbst stabil zu bleiben.

Jordanien 371Als ich Freunden von meinen Reiseplänen erzählte, wurde ich mehr als einmal gefragt, ob das nicht zu gefährlich sei. Das hat sicher viel damit zu tun, dass Amman in den Medien vor allem als Stützpunkt für die Krisenberichterstattung aus den Nachbarländern wahrgenommen wird. Meine Antwort lautete und lautet: Nein, ist es nicht. Die Menschen in Jordanien habe ich als extrem freundlich und hilfsbereit erlebt, und auch dem Staat liegt die Sicherheit seiner Besucher offensichtlich am Herzen: An allen touristisch wichtigen Orten patrouilliert unauffällig die Tourist Police, wir hatten sogar die ganze Zeit unseren eigenen Polizisten dabei. Von seinem Revolver brauchte Fayez zum Glück keinen Gebrauch zu machen, aber er stand immer bereit, wenn jemand Hilfe bei steileren Auf- oder Abstiegen oder eine Hand bei der Flussquerung im Canyon brauchte.

Mir wird dieser feine junge Mann vor allem als Beispiel dafür in Erinnerung bleiben, welch hohen Stellenwert die Familie in Jordanien hat. Über die Nachricht, dass seine Schwester das Abitur bestanden hatte, war der große Bruder so glücklich, dass ihm die Tränen kamen. Ihm war das ein bisschen peinlich, wir waren entzückt – und vielleicht auch eine Spur neidisch. Ganz am Ende der Tour verriet mir Fayez noch, dass er eigentlich gern Lehrer geworden wäre, das Studium aber nicht drin sei, weil die Eltern und die sieben jüngeren Geschwister auf sein Gehalt angewiesen seien. In ein, zwei Jahren, sagte er, würde er gern heiraten und selbst eine Familie gründen. Inschallah.

P1010061Der etwas ältere Malik, unser Local Guide auf dem Trail von dem malerisch auf einem Felsplateau gelegenen Dörfchen Dana tief hinab in die gleichnamige grüne Schlucht, hat erklärtermaßen Größeres vor. Am liebsten, behauptete der Biologe, der früher in der Gegend die Schafe und Ziegen seines Vaters gehütet hat und heute Wandergruppen auf Tages- und Mehrtagestouren durch die grandiose Felslandschaft des Biosphärenreservats führt (so groß sind die Unterschiede wahrscheinlich nicht), würde er gleich vier Frauen heiraten. Aha, sagte ich. Du musst dir das wie einen Obstteller vorstellen, meinte Malik und grinste charmant: An einem Tag hast du vielleicht Lust auf einen Apfel, am nächsten eher auf eine Banane… Ja, klar. Wir lachten herzlich.

P1010076Leider hatte ich keine Gelegenheit, das Thema Obstsalat mit Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts im Land zu erörtern. Irgendwann wurde mir klar, dass ich auf dieser Reise überhaupt nur mit Männern Gespräche führte. Die Frauen bleiben im Hintergrund. Selbst in den Hotels sind die Zimmermädchen Boys – oder sie kommen von den Philippinen. Ich glaube, das würde mich reizen: Wiederzukommen und zu schauen, dass ich mehr Kontakt auch zu Frauen kriege. Aber jetzt esse ich erst einmal ein paar Datteln. Gelbe natürlich. You never know. Und demnächst erzähle ich noch ein bisschen über besondere Orte in Jordanien.

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Salam aleikum

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Der Körper ist zurück in Hamburg, die Seele noch unterwegs, irgendwo zwischen dem Toten Meer und dem Wüstenreich des Lawrence von Arabien. Knapp zwei Wochen zu Fuß durch Jordanien – was für ein Fest für die Sinne! Noch immer spüre ich den Geschmack des süßen Minzetees auf der Zunge. In der Nase hält sich der Duft von auf dem offenen Feuer geröstetem Brot. Von fern ruft der Muezzin zum Gebet. Dazu ein Feuerwerk an Farben und Formen: eine rosarote direkt in gewaltige Felswände gemeißelte antike Stadt, der Berg, von dem Moses ins Gelobte Land schaute, gut erhaltene Relikte der Römer und Landschaften, die süchtig machen können. Noch widersetzen sich die Worte. Mögen an ihrer Stelle Bilder sprechen. Vor allem anderen: Gesichter. Und Musik.

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Erinnerungen an Hoi An

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An der Japanischen Brücke, einer der wenigen noch erhaltenen überdachten Brücken im Land, halten ein paar Jungs ihre Angeln ins Wasser.

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Eine Frau baut eine mobile Garküche auf, eine andere bietet vom Boot aus Ingwer und Räucherstäbchen zum Verkauf an.

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Nur eine schmale Straße trennt die Altstadt vom Fluss. Hölzerne Fischerboote ankern unmittelbar vor den gelben Häusern, an deren Fassaden regelmäßige Überschwemmungen deutliche Schimmelspuren hinterlassen haben.

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Wir schauen uns in dem nur ein paar Meter breiten, dafür aber um so tieferen „Pfandleiherhaus“ um. Zweimal im Jahr, wenn der Thu Bon River über die Ufer tritt und den Markt und die angrenzenden Straßen meterhoch unter Wasser setzt, tragen seine Bewohner stoisch die schweren alten Holzmöbel in den ersten Stock hinauf.

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Als wir das Gebäude auf der Flussseite verlassen, registriere ich, dass ein Teil der Straße, über die wir noch am Vorabend gebummelt sind, auch jetzt überflutet ist.

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Eine Radfahrerin mit rosa Mundschutz zieht unbeirrt ihre Bahn durch das Nass…

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Nein, Überschwemmungen sind  nichts Ungewöhnliches in der vietnamesischen Hafenstadt Hoi An, die ich vor ein paar Jahren kennen lernte. Aber so schlimm wie in den vergangenen Tagen war es lange nicht mehr. Die Pegel der Flüsse in Zentralvietnam stiegen in Folge sintflutartiger Regenfälle auf ungeahnte Höhen. Mehr als zwei Dutzend Menschen kamen ums Leben, Zehntausende wurden evakuiert, 100.000 Häuser stehen unter Wasser. Ich bin sehr froh, dass das Hochwasser mittlerweile zurückgeht, wenn auch langsam.

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So schmeckt der Sommer

„Südfrucht vergeht, saure Gurke besteht.“ Ursprünglich soll der flotte Reim einen Gurkenzucht-Kalender geziert haben. Jetzt, mehr als hundert Jahre später, ist er das Motto einer Dauerausstellung zur Spreewaldgurke in begehbaren Fässern im Freilandmuseum des Dörfchens Lehde. Ohne saure Gurke geht im Spreewald gar nichts. Ob auf dem Teller, als Kennzeichen für den gleichnamigen Radweg, als Schlüsselanhänger oder Tannenbaumschmuck. Kein Scherz, sondern ein lustiges Spiel für die ganze Familie: Wer die vor der Bescherung im Baum versteckte Blechgurke als Erster entdeckt, darf sich über ein kleines Extra-Geschenk freuen.

P1060511Also, ich finde, die saure Gurke ist überbewertet. Aber ich bekenne, dass ich bei meinem Aufenthalt im Spreewald nicht nur dessen landschaftlichen Reizen erlag, sondern auch einer neuen kulinarischen Leidenschaft verfiel: Straupitzer Leinöl, frisch aus der letzten produzierenden Dreifachwindmühle Europas mit Mahl-, Öl- und Sägemühle. Ist das lecker! Es schmeckt leicht nussig, wunderbar cremig und milde. Und es riecht wie eine abgemähte Wiese, kurz bevor das trockene Heu abgefahren wird … mmmh! Sehr zu empfehlen zum Beispiel mit Pellkartoffeln und Quark. („Leinöl und Quark macht den Spreewälder stark, Quark alleene macht krumme Beene!“) Und dank seines hohen Anteils an Omega-3-Fettsäuren ist Leinöl auch noch soooo gesund: Es macht jung und schön, klug – und glücklich. Ich bin mir sicher, lange wird es nicht dauern, bis mich keiner mehr wiedererkennt!

P.S. Ein Foto vom Tannenbaumschmuck kann ich leider nicht posten. Ich habe zwar vier gemacht, aber sie sind alle unscharf geworden. Meine Kamera ist manchmal recht eigenwillig, so als wollte sie sagen: Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder? Dafür gibt es ein Bild von der Windmühle in Straupitz. Das ist zwar auch unscharf, aber das soll so. Schließlich haben sich die Flügel bewegt.

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Kahn an Kahn

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„Und dass dem Netze dieser Spreekanäle
nichts von dem Zauber von Venedig fehle,
durchfurcht das endlos lange Flussrevier
mit seinem Kahn der Spreewaldgondolier.“

Theodor Fontane

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Besonders hoch ist die Kahn-Dichte in Lehde, das heute zur Stadt Lübbenau gehört. Das Dorf beherbergt ein Freilandmuseum mit altwendischen Bauernhöfen aus dem gesamten Spreewald und der ältesten Kahnbauerei des Ortes, mutet aber insgesamt ein wenig museal an, so groß ist die Idylle. Jedes Grundstück hat Zugang zu einem der vielen Wasserläufe, die das Dorf wie ein überdimensionales Spinnennetz durchziehen.

P1060377Deshalb sind auf den Fließen und Kanälen auch nicht nur Touristen-Kähne (und Paddler) anzutreffen. Die Einwohner transportieren bis heute Lasten aller Art auf dem Wasserweg – wenn auch nicht immer mit Hilfe des „Rudel“, der aus Eschenholz gefertigten vier Meter langen Stange, mit der der Fährmann seinen (oder die Fährfrau ihren) Kahn durch das zwischen 70 Zentimetern und einem Meter flache Wasser stakt und dabei gleichzeitig lenkt. Auch die Post wird mit dem Postkahn zugestellt, und die örtliche Feuerwehr („Gott zur Ehr und dem Nächsten zur Wehr“) verfügt natürlich über einen Löschkahn.

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Uschi und Fontane

P1060204„Jeder kennt die langgestreckten Laubgänge, die sich unter dem Namen ‚Poetensteige‘ in allen altfranzösischen Parkanlagen vorfinden. Ein solcher Poetensteig ist nun der Kanal, der eben jetzt in seiner ganzen Länge vor uns liegt, und ein niedriges und dicht gewölbtes Laubdach über uns, so gleiten wir im Boot die Straße hinauf, die nach Art einer Tute sich zuspitzend an ihrem äußersten Ausgang ein phantastisch-verkleinertes und nur noch halb erkennbares Pflanzengewirr zeigt. Alles in einem wunderbaren Licht…“

P1060194Besser als mit den Worten Theodor Fontanes lässt sich der Zauber des Spreewalds mit seinen Hunderten von Fließen und Kanälen kaum beschreiben. Besonders zauberhaft, da bin ich mit dem Dichter einig, ist das Wasserlabyrinth im Hochwald zwischen Lübbenau und Straupitz. Fontane bewegte sich im August 1859 im Flachkahn das verwunschene Nordfließ hinauf, ich radele den schmalen Pfad unmittelbar am Ufer entlang und schiebe, wo der Schlamm allzu tief ist. Kaum ein Wanderer, kaum ein Paddler kreuzt meinen Weg, nur das satte Schmatzen fallender Kastanien und Eicheln beim Durchschlagen der Wasseroberfläche unterbricht gelegentlich die Stille.

Wo Nordfließ sich und Groß’ Fließ küssen, war für Fontane damals die Reise zu Ende: Im Gasthaus Eiche tischte die freundliche Wirtin Frau Schenker dem Dichter einen Hecht auf, der offenbar mit allerlei Trinksprüchen zum Schwimmen gebracht wurde: „Die Leber ist von einem Hecht und nicht von einer Schleie, / der Fisch will trinken, gebt ihm was, dass er vor Durst nicht schreie.“

P1060211Die Eiche gibt es heute noch. Meine „Frau Schenker“ heißt Uschi und arbeitet als Aushilfe im zu dem Waldhotel gehörenden Kiosk. Kaffee kochen, Würstchen heiß machen, Paddelboote herausgeben, das sind ihre Aufgaben. Mit einer Festanstellung wird es mit ihren beinahe 60 Jahren wohl nichts mehr werden, meint Uschi. Allzu große Sorgen scheint dies der sympathischen Frau mit dem ansteckenden Lachen nicht zu bereiten. Sie ist es gewohnt zu improvisieren, hat gekellnert, Zeitungen ausgetragen und allerlei Früchte zu Marmelade und Likören verarbeitet. Hat auf der Maschine Pullover gestrickt – wenn es sein musste Tag und Nacht. Das war noch zu DDR-Zeiten. Der Erlös floss in Ersatzteile für den Trabi und was die Familie sonst noch so brauchte.

Der Kaffee ist ausgetrunken. Ich lasse Uschi und Theodor Fontane in der Eiche zurück und mache mich auf die Suche nach weiterem Spreewald-Zauber. Entlang der schmalen Allee zwischen Hauptspree und Leiper Weggraben werde ich noch einmal so richtig fündig:

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Der Himmel so weit

P1060438Knallblauer Himmel, Sonne, Schäfchenwolken. Ein Wetter, um Helden zu zeugen, hätte meine Oma gesagt. Allerdings wohl besser nicht im Freien. Nachts hatte es den ersten Bodenfrost gegeben. Minus drei Grad. Mein Fahrrad hinterließ noch am mittleren Vormittag eine deutliche Spur im Raureif auf den Holzbohlen durch die Spreeaue nördlich von Lübbenau, und ich war dankbar für dicke Jacke und Handschuhe.

P1060451Später auf dem Weg nach Schlepzig, der „Perle des Unterspreewalds“, zwischen Spree und den Teichen der Peitzer Edelfisch Handelsgesellschaft, war es überraschend warm genug für ein Picknick im Freien. Helden zu zeugen wäre auch möglich gewesen, denke ich, ich habe es nicht ausprobiert.

P1060453Bin stattdessen immer weiter geradelt. Bis zur Dorfkirche von Schlepzig, in der der Organist gerade für den nächsten Gottesdienst übte. Ich setzte mich in eine der Bänke und staunte. Da hatte einer genau das an die Decke gemalt, was ich den Tag über gesehen hatte (und auf dem Rückweg noch zu sehen bekam).

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