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Welt-Geschichte

P1040762Die Welt ist ein Dorf. Auf der einen Straßenseite liegt die Kirche, auf der anderen der Kirchspielkrug. Drumherum ein paar Bauernhöfe und Handwerksbetriebe. Hier in Nordfriesland ist die Welt nicht nur morgens um sieben noch in Ordnung und jeder Kicker schon vor dem Anpfiff ein Welt-Meister.

Dabei ist es eigentlich viel wichtiger, ob er gut boßeln kann. Klootschießen heißt das andernorts und war früher vermutlich mal ein probates Mittel, sich lästiger Feinde durch Werfen von Kleie-Klüten zu erwehren, von Klumpen, die aus dem schweren Marschboden geformt wurden. Schon Theodor Storms Schimmelreiter erwarb sich Ende des 19. Jahrhunderts erste gesellschaftliche Anerkennung, als er das Boßeln auf dem nordfriesischen Winterfest gewann.

Ziel des (Mannschafts-) Spiels ist es heute, eine mit Blei gefüllte Kugel aus Hartholz oder Kunststoff mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu werfen. Unvergessen der Jahrhundertwettstreit, als der kleine Eiderbund 2008 überraschend das Team aus dem benachbarten St. Peter-Ording besiegte, einen richtig echten Europameister. Da wurde Welt-Geschichte geschrieben.

Manchmal male ich mir aus, wie es wäre, wenn man einmal alle irren Kämpfer in der großen schrecklich eng gewordenen „weiten“ Welt (nur) mit Kleie-Klüten ausstatten könnte…

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Blauäugig, wetten?

DSC_1935Grüne Augen, Froschnatur,
von der Liebe keine Spur!

Blaue Augen, Himmelssterne,
küssen und posieren gerne.

Braune Augen sind gefährlich,
aber in der Liebe ehrlich.

Graue Augen, Liebesschmerz,
treffen dich sofort ins Herz.

Manchmal ist zuerst der Text da. So wie beim vorigen Beitrag die Zeilen von Ernst Wiechert (1887 – 1950), für die es dann ein Bild zu finden gilt. Dass der Schriftsteller, der in den masurischen Wäldern aufwuchs und am Zürichsee starb, vermutlich nie im Teufelsmoor war – geschenkt. Als ich seine Zeilen las, hatte ich ein bestimmtes Bild vor Augen.

Auf der Suche danach stieß ich auf  die Kokette mit dem roten Hut. Und während ich noch überlegte, was ich zu ihr bloß erzähle, außer dass ich sie ebenfalls in der Künstlerkolonie Worpswede traf, die nun auch schon ihren 125. Geburtstag feiert, fielen mir allerlei Weisheiten aus dem Poesiealbum in die Hände…

Randnotiz: Eigentlich sollte dieser Beitrag Bekenntnisse einer vorzugsweise stromernden Bloggerin heißen. Aber dafür war die Überschriftenzeile zu kurz. Und dann ist da ja auch noch die deutsche Nationalelf, die mit Augen in einer bestimmten Farbe gerade noch einmal davonkam.

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Noch mehr Schaufenster

P1030146Ein Mädchen mit Augen so blau und einem Ausschnitt so tief wie das Meer. Mein Kind, sei nicht trrraurig, tut der Abschied auch weh. Tauwerk und Ölzeug für die Reise durch Wellen und Sturm. Auf, Matrrrosen, ohe! Anker, Steuerräder, Fahnen und Seebären: Das alles erwartet man bei einem (Schaufenster-)Bummel am Hafen zu sehen. Was aber macht das Reh zwischen Kiez-Küche, Heimatschmökern und anderen maritimen Hamburgensien?

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Ausreis(s)er und Häfen

P1020212„Dascha gediegen!“ würde der Hamburger sagen. (Für Nicht-Norddeutsche und Menschen, die das Ohnsorg-Theater nicht mal aus dem Fernsehen kennen: Das bedeutet soviel wie „Sachen gibt’s!“) REIS(S) AUS! fordert eine Agentur für neue Reiseerfahrungen Spaziergänger an der Außenalster auf. Nur zwei Autolängen weiter parkt der Heimat-Hafen-Hamburg. Bloß nicht übermütig werden!

P1020215Zwischen den Polen ein Kommen und Gehen: Das leuchtend-grüne Geschoss, das neulich direkt hinter dem Ausreis(s)er-Bus Stellung bezog, war zur abschüssigen Straße hin mit sicher nicht wenig Aufwand aufgebockt worden, als beabsichtigten seine Besitzer, in Hamburg zu übersommern.

P1020256Doch weit gefehlt! Anderntags war es bereits wieder dem Ruf in irgendeine Ferne gefolgt. Dafür erfreute auf der gegenüberliegenden Alsterseite die rollende Villa Pusteblume das Auge der Passanten.

P1020274Auch sie ist längst wieder fort… Zeit für eine Solidaritätsadresse, mag man sich im Hafen gedacht haben. ZUHAUSE in Hamburg liest dort wie eine mahnende Erinnerung, wer von den Landungsbrücken aus über die Elbe schaut. Fernweh braucht man an einem Fluss Richtung Meer ja nicht extra zu wecken.

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In seiner Ordnung

P1020385Ich habe den alten Mann nie kennengelernt. Er ist auch schon lange tot. Vor ein paar Tagen war ich in dem Haus, das auch sein Haus war und in dem jetzt niemand mehr wohnt. Das Haus ist irgendein 50er-Jahre-Reihenhaus. Bis auf den Keller. Der Keller war das Reich des alten Mannes. Er ist es bis heute.

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Atemübungen

Gespräch unter Frauen neulich an der Alster. Die eine erzählte von ihrem neuen Bekannten. Richtig nett sei der. Total unternehmungslustig. Und unterhalten könne man sich auch prima mit ihm. Wenn er bloß nicht immer so ausgeglichen wäre. Fast ein bisschen unnatürlich. „Er sagt, das kommt vom Yoga“, sagte die Frau. „Also, ich finde, man kann nicht alles wegatmen.“

Während ich noch über das Für und Wider dieser Erkenntnis nachsann, erinnerte ich mich, dass man manchmal nicht mal die Wahl hat. Nachstehenden Hinweis entdeckte ich vor Jahren in einem Meditationszentrum.

Atem holen 001

Zum Glück ist heute Sonntag. Deshalb und vor allem, weil die Leipziger Buchmesse zwar ganz wunderbar aber eben auch anstrengend war, poste ich nur noch schnell mein meditativstes Messefoto – und dann ab aufs Sofa und tief durchatmen!

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