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Im wilden Osten

Galloway- und Highlandrinder ziehen durchs hohe Gras, während sich Neuntöter zwischen Bäumen und Büschen verborgen halten. Oberhalb der sumpfigen Bachtäler steht eine Ansammlung Wigwams. Von ihren Bewohnern keine Spur. Nur wenige Kilometer entfernt stoße ich auf einen Bären und einen einäugigen Banditen. – Impressionen aus Hamburgs wildem Nordosten, wo sich der Höltigbaum und das Stellmoorer und das Ahrensburger Tunneltal zu einem Natur- und Kulturraum ganz eigener Art verbinden.

Geologisch gehören die drei Gebiete zusammen. Sie bilden ein reich gegliedertes Endmoränengebiet der Weichseleiszeit. Seine zentrale Formation, das Tunneltal, erstreckt sich vom südlichen Ahrensburg in Schleswig-Holstein bis nach Hamburg-Rahlstedt. Entstanden ist es, als in der jüngsten Eiszeit Wasser von den Gletschern abtaute und sich unter dem Eis in die Landschaft grub. Die Täler der Wandse und des Stellmoorer Quellflusses sind die Schmelzwasserrinnen von einst.

Um landwirtschaftlich nutzbares Grünland zu schaffen, begradigte man die Flüsschen in den 1930er Jahren und entwässerte die angrenzenden Feuchtgebiete. Viele Tiere und Pflanzen verloren so ihren natürlichen Lebensraum. Erst im Zuge der Renaturierung in den 1980er Jahren siedelten sich wieder Amphibien, Reptilien, Insekten und Vögel in den Uferbereichen und den feuchten Niederungen an. Ähnlich rustikal war man auch mit dem Höltigbaum umgegangen, der ebenfalls lange landwirtschaftlich genutzt wurde, bevor die Wehrmacht dort 1937 einen Exerzierplatz anlegte. Nach dem Krieg hielten die Britischen Besatzungstruppen auf einem Teil des Geländes Schießübungen ab. 1958 übernahm die Bundeswehr. Sie blieb fast vier Jahrzehnte.

Die Nutzung als Truppenübungsplatz hat die Vegetation auf dem Höltigbaum entscheidend geprägt. Die Flächen wurden kaum gedüngt, die Vegetationsdecke immer wieder zerstört. Dadurch konnten sich vor allem kurzlebige Pionierpflanzen etablieren. Auf dem sandigen Boden wachsen bis heute trockene Magerrasen. Besonders typisch sind die savannenartigen Grasfluren mit Rot-Schwingel und Rotem Straußgras. Eingestreut in die Landschaft finden sich Reste von Sand- und Lehmheiden. Auch die alten Panzerstraßen und Markierungen aus Beton sind noch erhalten.

Als Ausgangspunkt für eine Wanderung durch das heutige Naturschutzgebiet bietet sich das Haus der Wilden Weiden am Rahlstedter Eichberg an. Der Name ist Programm: Um das offene Grasland zu erhalten, weiden ganzjährig Galloway- und Highland-Rinder sowie Schafe auf den sogenannten Wilden Weiden des Höltigbaums. Die Tiere verhindern, dass höhere Pflanzen die Oberhand gewinnen und sich die natürliche Vegetation mit Eichen- und Buchenwäldern ausbreiten kann. Über die Entstehung des Gebiets, das Konzept der Beweidung und die Artenvielfalt informiert – zurzeit nur freitags und samstags – eine Ausstellung im Haus der Wilden Weiden.

So idyllisch die Gegend auf den ersten Blick wirkt, so fragil ist sie zugleich. Der Mensch ist ja nie wirklich weit weg. Das wird im Stellmoorer Tunneltal am deutlichsten, das bis unmittelbar an die Bebauung in Rahlstedt reicht und zudem auf ganzer Länge von der Bahnstrecke Hamburg-Lübeck durchzogen wird. Auch im Tunneltal selbst gibt es Siedlungen, die nicht Bestandteil des Naturschutzgebiets sind. Man erreicht sie über die futuristisch anmutende Tunneltalbrücke über die Gleise.

Nur einen Katzensprung entfernt trifft man wieder auf sumpfige Wiesen und Wald – und mit Glück auch auf einen Bären.

Die eingangs erwähnten Wigwams stehen übrigens oberhalb des Wandseteichs, der eigentlich ein Rückhaltebecken ist und das größte Gewässer im Stellmoorer Tunneltal. In den 1950er Jahren legte man einen Damm an, der die unregelmäßigen Wasserfrachten des Flüsschens staut und sie nur langsam an den Unterlauf abgibt. Der führt so länger Wasser als unter natürlichen Bedingungen. Der Nachteil ist, dass das Wasser im Rückhaltebecken sich stark erwärmt, was wiederum das Leben typischer Fließgewässer-Lebewesen im Unterlauf erschwert. Aber schön ist er, der Teich. Ganz besonders im weichen Spätnachmittagslicht, mag der Himmel auch noch so dräuen. Die Bewohner der Wigwams könnten, so vermute ich, zum Stamm der Corona zählen, die in den vergangenen Wochen und Monaten auch andernorts ihre Ast-Zelte aufschlugen – im Hamburger Stadtpark zum Beispiel in großer Zahl.

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Für immer und ewig

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch auf dem alten jüdischen Friedhof in Prag. Bummelig 35 Jahre ist das jetzt her. Wir waren natürlich mit Visum angereist. Das vorab gebuchte Hotel am Wenzelsplatz und der Zwangsumtausch rissen tiefe Löcher in den studentischen Haushalt. Dafür waren damals kaum Touristen unterwegs. Wir hatten die Sehenswürdigkeiten der Altstadt praktisch für uns: die Karlsbrücke, den Hradschin und – best of all – den Friedhof im früheren Prager Ghetto. Ich weiß nicht, wie viele Stunden wir auf dem nur einen Hektar kleinen verwinkelten Gelände herumgestreift sind, auf dem seit dem 15. Jahrhundert unfassbare 100.000 Tote die ewige Ruhe fanden. Da der jüdische Glaube eine Auflösung von Gräbern verbietet, es andererseits aber kaum Möglichkeiten gab, den Friedhof zu erweitern, begrub man die Verstorbenen im Laufe der Jahrhunderte in mehreren Schichten übereinander. Immer wieder wurde neue Erde aufgehäuft. Grabsteine und -platten versanken oder kamen kreuz und quer übereinander zu liegen. Ein bizarrer und gleichzeitig wunderschöner Anblick. Wir haben wohl fast jeden der mehr als 12.000 erhaltenen steinernen Zeitzeugen studiert, sind mit den Fingern verwitterten Inschriften und Symbolen gefolgt, die so viel von den Menschen erzählen, die einst in dem Viertel lebten. So wie wir damals kann man den Friedhof schon sehr lange nicht mehr besuchen. Nur ein schmaler Weg rings um das Areal ist noch für die Öffentlichkeit zugänglich. Das war und ist angesichts der Besucherströme sicher notwendig. Umso dankbarer bin ich, dass ich diesem besonderen Ort in einer anderen Zeit einmal so nahe kommen durfte.

Der jüdische Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf, von dem die Fotos in diesem Beitrag stammen, ist längst nicht so alt. Er ist um ein Vielfaches größer und auch viel grüner als der alte Friedhof in Prag. Aber dieser Atem des Ewigen, den ich in der tschechischen Hauptstadt verspürte – er weht ganz sacht auch zwischen den Gräbern an der Hamburger Ilandkoppel, zwischen den älteren jedenfalls. „Geliebt und unvergessen…“

Die vorherrschende Farbe an diesem Ort ist moosgrün. Steine und Stämme verbinden sich zu einem vielgestaltigen Wald. Grabplatten scheinen aus uralten Bäumen zu wachsen. Holz häutet sich. Steine verwittern. Auf manch einem findet der Finger die Inschrift leichter als das Auge. Hebräisch auf der einen, Deutsch auf der anderen Seite. „… Ach, sie haben / Einen guten Mann begraben / Und mir war er mehr“.

Spinnen weben zarte Fäden in den Ecken. Efeu bildet Rankendecken. Schmiedeeiserne Gitter rosten, geraten in Schieflage. Schief wie die alten Steine. In endlosen Reihen verharren sie wie eine stille Armee in der regenschweren Luft. Verziert mit Ranken und Weinreben, mit Kronen und den segnenden Händen der Priester.

Der jüdische Friedhof Ohlsdorf wurde 1883 als separater Teil des großen Hamburger Zentralfriedhofs nebenan eröffnet. Er nahm auch etliche Gräber der in den 1930er Jahren zwangsgeräumten jüdischen Friedhöfe am Neuen Steinweg, am Grindel und in Ottensen auf. Gegenüber der Trauerhalle erinnert ein Gedenkstein an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Davor steht eine Urne mit Asche von Toten aus dem Konzentrationslager Auschwitz. Der Friedhof an der Ilandkoppel ist der einzige in Hamburg, auf dem bis heute nach jüdischem Ritus bestattet wird. Er ist täglich außer samstags bis 16 Uhr geöffnet.

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Neulich am Main

Steinerne Geschöpfe / mit und ohne Köpfe / nur eine(r) pro Nische / dass sich nichts mische.

Droben in der Mauer / mit deutlich mehr Power / finden Segler ihr Loch / ohne Abstand – noch.

Still stehen die Statuen, lautlos gleiten die Vögel ums Historische Museum am Frankfurter Mainufer. Ein paar Schritte weiter ruht ein Plakat der Demo vom Vortag. „Listen & Learn“ – gibt es eine schönere Botschaft?

Was sagst du? Die Liebe, sagst du? Na, dann schau mal am Niederräder Ufer auf der anderen Flussseite vorbei. Im alten Schleusenbecken vor der kleinen Insel findest du sie, ein bisschen versteckt. Eine heimliche Liebe halt. Ganz früher war sie mal eine Möwe. Damals, als sie noch als Personenfähre zwischen Düsseldorf und Zons über den Rhein schipperte. Ist lange her. Inzwischen bemühen sich MS Heimliche Liebe und die Besatzung „diskret und unauffällig, mit dem umliegenden Biotop zu verwachsen“, wie es auf der Website des Naturschiffs heißt. Ziemlich erfolgreich, würde ich sagen.

Grüner Baum. Ufersaum. / Entenflaum. Schiffbar kaum. / Lebensraum. Schön anzuschaun.

Wenn du es nicht eilig hast, lass mal die Möwe-Liebe rechts liegen und geh noch ein paar Schritte weiter auf die kleine Insel. Die hat auch schon ein paar Jahre auf dem platten Buckel. Entstanden ist sie Ende des 19. Jahrhunderts, als man die ersten Schleusen am Main baute, damit Frankfurt vom Rhein aus auch mit großen Schiffen zu erreichen war. 1900 wurde auf der Insel ein Flussschwimmbad eröffnet, das noch bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts genutzt wurde. Dann war die Wasserqualität des Mains so schlecht, dass das Baden verboten wurde. Aus dem Flussschwimmbad wurde ein Licht- und Luftbad, kurz: das LiLu. Geliebt wird die kleine Oase offenbar bis heute.

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Von Wegen und Wörtern

„Die früheste Form des Weges ist der Trampelpfad. Ein Pfad ist seinem Wesen nach nicht planvoll angelegt, sondern das Resultat regelmäßiger Verwendung: Wege zeichnen also einerseits mögliche Routen vor – und andererseits verdanken sie ihre Existenz der Tatsache, dass sie beschritten und instand gehalten werden. Darin ähneln sie der Sprache, die ebenfalls gangbare Äußerungs- und Denkmöglichkeiten vorzeichnet, dabei aber auf kontinuierlichen Gebrauch angewiesen ist. Wege wie Wörter sind ständigem Wandel unterworfen: Ihre Zielrichtung kann sich ändern, sie können sich verengen oder verbreitern – und wenn sie nicht mehr verwendet werden, verschwinden sie allmählich und geraten schließlich in Vergessenheit.“

Aus: Florian Werner „Auf Wanderschaft. Ein Streifzug durch Natur und Sprache“, Berlin 2019

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Im Erlengrund

Wo hier aus den felsichten Grüften
Das silberne Bächelchen rinnt,
Umflattert von scherzenden Lüften
Des Maies die Reize gewinnt,

Um welche mein Mädchen es liebt
Das Mädchen so rosicht und froh
Und oft mir ihr Herzchen hier gibt,
Wenn städtisches Wimmeln sie floh;

Da wachsen auch Erlen, sie schatten
Uns beide in seliger Ruh,
Wenn wir von der Hitze ermatten
Und sehen uns Fröhlichen zu.

Aus ihren belaubeten Zweigen
Ertönet der Vögel Gesang
Wir sehen die Vögelchen steigen
Und flattern am Bache entlang.

O Erlen, o wachset und blühet
Mit unserer Liebe doch nur
Ich wette, in kurzer Zeit siehet
Man euch als die Höchsten der Flur.

Und kommet ein anderes Pärchen,
Das herzlich sich liebet wie wir
Ich und mein goldlockiges Klärchen,
So schatte ihm Ruhe auch hier.

Novalis (1772 – 1801): Die Erlen

Kein Mai mehr, keine „felsichten Grüfte“, aber die Erlen „am silbernen Bächelchen“, sie „schatten“ wohl auch im Sommer…

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Awesome Blogger Award

Es gibt für alles ein erstes Mal. Als ich noch relativ neu war in der Blogosphäre, hatten Blog Awards gerade Hochkonjunktur. Sogenannte „Stöckchen“ flogen von Blog zu Blog. Wer eines auffing, beantwortete auf dem eigenen Blog eine Reihe Fragen und warf sodann ein „Stöckchen“ mit neuen Fragen in Richtung anderer von ihm geschätzter Blogs. In Maßen fand und finde ich das anregend, man erfährt mehr über Blogger, denen man bereits folgt, und entdeckt u.U. neue spannende Blogs, auf die man von allein nie gestoßen wäre. Selbst an dem Spiel beteiligt habe ich mich bisher allerdings nicht. Ich fand immer, in meinen Blogbeiträgen kommt schon genug von mir rüber. Jetzt nominierte mich Stephanie (https://klunkerdesalltags.blog/) für den „Awesome Blogger Award“. Und was soll ich sagen: Ich fand ihre Fragen so anregend, dass ich anfing, sie zu bentworten. Bei näherer Betrachtung wundert mich das nicht, denn die Fragen sind ein bisschen wie Stephanies Alltagsklunker selbst: kurz und knapp, aber sie haben es in sich. Da schaut eine genau hin, denkt ihre eigenen Gedanken, auch mal tastend, „vorläufig“. Gefällt mir, gefällt mir sehr, jetzt schon einige Jahre lang. Also: Danke – und los!

Kein Spiel ohne Regeln:

– Danke der Person, die dich nominiert hat.
– Kennzeichne den Beitrag mit #awesomebloggeraward.
– Beantworte die Fragen, die dir gestellt wurden.
– Nominiere mindestens 5 Blogger und informiere diese über ihre Nominierung.
– Gib ihnen 10 neue Fragen zur Beantwortung.

Stephanies Fragen und meine Antworten:

  1. Ein Leben ohne Blog: Vorstellbar? Beziehungsweise, was würde dir fehlen?

Vorstellbar? Unbedingt!, denke ich spontan. Es gibt schließlich immer wieder (auch längere) Phasen, in denen das Bloggen für mich keine Bedeutung hat. Aber am Ende habe ich doch immer weitergemacht. Das hat sicher auch mit den Anfängen zu tun: Mit dem Bloggen begonnen habe ich vor mehr als sieben Jahren, um dem sterbenskranken besten Freund „von Orten und Menschen“ zu erzählen. Das mochte er sehr, auch dann, wenn ihm Besuche oder Telefonate zu viel waren. Noch heute frage ich mich, bevor ich einen Beitrag veröffentliche, manchmal: Würde ihn das interessieren? Freuen? Zum Lachen bringen? Ich schätze diesen fortbestehenden Maßstab, die Verbindung über den Tod hinaus. Außerdem schärft das Bloggen meinen Blick, vergrößert mein Wissen, festigt Erinnerungen – und es schenkt mir Resonanz. Wahrscheinlich ist ein Leben ohne Blog für mich also doch nur schwer vorstellbar. Nicht nichts, aber doch weniger – um es in Anlehnung an ein wunderbares Gedicht von Erich Fried zu sagen.

  1. Wie unterscheidet sich dein Zuhause von dem deiner Freund/innen?

Bei mir ist es ziemlich aufgeräumt. Ich mag Klarheit, das sieht man auch meinen Räumen an. Spontan hätte ich gesagt, dass es in den Wohnungen und Häusern meiner Freund/innen mehr Stehrümchen gibt. Aber ich glaube, das stimmt gar nicht: Bei den wichtigsten Menschen ist es bei allen Unterschieden in den Einrichtungsstilen ähnlich übersichtlich wie bei mir.

  1. Hast du während des Lockdowns neue Seiten an dir entdeckt?

Ich wusste vorher nicht, dass ich über einen längeren Zeitraum ganz in der Gegenwart sein kann – und wie sehr ich das genieße.

  1. Was würdest du sofort lernen, wenn du genug Zeit oder Geld hättest?

Da fällt mir tatsächlich nichts ein. Sehr gern würde ich richtig gut singen können. Leider fehlt mir dazu jedes Talent. Da nützen weder Zeit noch Geld.

  1. Welcher Mensch hat dich am meisten geprägt – oder waren es mehrere?

Mein Vater. Auch durch Reibung entsteht Prägung. Ich verdanke ihm viel.

  1. Was siehst du als erstes, wenn du zu Hause aus dem Fenster schaust?

Die grünen Kronen der Platane und der Linde vor dem Haus.

  1. Hast du oft Fernweh? Und wenn ja, wohin?

Immer mal wieder reizen mich entferntere Ecken dieser Welt, Landschaften zumeist: eine Wüste, ein Gebirge, die zu Fuß durchmessen werden wollen, oder doch ein Stück weit. Begegnungen mit den Menschen, die dort leben, Einblicke in andere Kulturen. Im Februar hatte ich durch das Rifgebirge im Norden Marokkos wandern wollen, die Reise kam leider nicht zustande. „Fernweh“ habe ich gelegentlich aber auch nach bestimmten Momenten oder Zeiten, nach Menschen, die ich kenne oder kannte.

  1. Worauf freust du dich im Sommer?

Vor allem anderen: auf das viele Licht.

  1. Wofür gibst du gerne Geld aus?

Für Bücher. Reisen. Geschenke. (Soziale) Projekte, die mich überzeugen. Aber auch für Lebensmittel, Pflanzen, all die herrlichen Dinge, die man in Baumärkten und Outdoorläden findet…

  1. Hättest du gerne (noch) ein Kunstwerk in deiner Wohnung oder in deinem Garten? Und wenn ja, welches?

Ein Selbstbildnis der Hamburger Künstlerin Anita Rée (1885 – 1933) würde mich begeistern. Ich liebe viele ihrer Arbeiten, vor allem auch ihre Selbstbildnisse. Besonders angetan hat es mir eine Arbeit in Kohle und Aquarell, entstanden um 1913. Das Bild hat etwas beinahe Skizzenhaftes. Nur die Augen sind komplett ausgearbeitet, sie blicken einem direkt ins Herz.

Die von mir Nominierten:

Ich habe fünf ziemlich unterschiedliche Blogs ausgewählt. Was sie alle verbindet: Ihre Betreiberinnen können schreiben.

Sonja führt das Blog https://drittgedanke.wordpress.com/ mit Texten von bemerkenswerter Qualität über… ja, worüber eigentlich nicht? Klug, eigen, gewöhnlich sehr lang – und unbedingt lohnend. Als Einstieg bietet es sich vielleicht an, an einigen ihrer alphabetisch geordneten „Roten Fäden“ zu ziehen.

Natascha (https://kraulquappe.com/) ist leidenschaftliche Schwimmerin und Mutter eines entzückenden Dackelfräuleins. Mit verlockenden Impressionen aus den Alpen nährt sie regelmäßig mein Fernweh nach den Bergen. Auch ihre autobiografischen Texte berühren mich sehr.

Stefanie ist mit dem Reiseblog https://www.indernaehebleiben.de/ ihrer (unserer) Zeit um Jahre voraus. Sie macht mit Vorliebe Urlaub „vor der Haustür“. Charmant, kenntnisreich und mit tollen Fotos erzählen Stefanie und ihr Partner von Urlaubsgefühlen in Hamburg und kleinen Fluchten an die Nord- und Ostsee.

Margaretes Blog https://www.graugans.org/ trägt den Untertitel „Notizen zwischen Himmel und Erde“. Ich assoziiere mit ihren Texten: erdig, aus einem reifen vollen Leben schöpfend. Immer mal wieder veranstaltet Margarete auch spannende Gemeinschaftsaktionen – „Mutmaßungen über das Fremde“ zum Beispiel.

Annas Blog https://eulenschwinge.wordpress.com/ schließlich ist wie ein Kurzurlaub für die Seele. Auf leisen Schwingen nähern sich Bilder und Worte – Momentaufnahmen, mal einfach schön, mal zum Nachdenken anregend. Manchmal verbinden sie sich zu kleinen Kunstwerken.

Meine Fragen an die Nominierten:

  1. Was bedeutet dir das Bloggen?
  2. Wenn dein bisheriges Leben ein Buch wäre, welchen Titel hätte es?
  3. An welchen Ort würdest du gern noch einmal zurückkehren?
  4. Wann hast du zum letzten Mal etwas Neues über dich erfahren? Was war das?
  5. Gibt es etwas, das du immer tun wolltest, aber bisher nie getan hast?

Ich erlaube mir, nur fünf Fragen zu stellen. Blog Award Regeln sind schließlich nicht in Stein gemeißelt. Natürlich muss auch keine der Nominierten (auf alle Fragen) antworten, aber freuen tät`s mich schon sehr…

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Dornröschen an Prinz

Dass Dornröschen in Baden-Württemberg lebt, ist natürlich ein Märchen. Das haben sich ein paar überambitionierte Filmemacher so ausgedacht. In Wahrheit – und wenn es nicht gestorben ist – wohnt das schöne Kind in Hamburg, in einem Schloss direkt an der Elbe. Nein, nicht in dem Zaubergarten am Blankeneser Strandweg. Der wird zwar so oft fotografiert, als erwarteten die Leute, dass jeden Moment die Brüder Grimm selbst durch das Rosenspalier treten, aber Dornröschen findest du dort nicht. Die ist ein Stück stromaufwärts zuhause, ungefähr gegenüber vom Mühlenberger Loch. Du musst genau hinschauen, das Schloss ist leicht zu übersehen. Nur die Spitze des Schornsteins und die Fernsehantenne ragen noch aus der Hecke heraus.

Du glaubst mir nicht? Na, dann geh mal zum Tor…

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Noch Baum? Schon Stein?

Anfassen leider verboten, aber auch so ahne ich, dass den Fingern hart erschiene, was die Augen doch so gerne weichzeichnen möchten.

Bummelig 27 bis 30 Millionen Jahre alt ist das verkieselte Stück Stamm einer Sumpfzypresse, das man im Botanischen Garten in Hamburg bestaunen kann. Un-fassbar, im Wortsinn. Was ist schon eine Million mehr oder weniger? Für einen Augenblick wehen mich die Erinnerungen und der Atem der Ewigkeit in einen versteinerten Wald im Südwesten Afrikas, in dem der Prozess des Steinwerdens bereits vor 250 Millionen Jahren begonnen haben soll.

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Ich sehe Farben

Ich denke an nichts, wenn ich male, ich sehe Farben.

Paul Cézanne (1839 – 1906), französischer Maler

Ich möchte das Rauschende, Volle, Erregende der Farbe geben, das Mächtige.

Paula Modersohn-Becker (1876 – 1907), deutsche Malerin

Ich habe nichts dagegen, wenn man die Farbe sogar zu fühlen glaubt;
ihr eigenes Eigenschaftliche würde nur dadurch noch mehr betätigt.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), deutscher Dichter

Impressionen aus dem Botanischen Garten in Hamburg

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Töne aus der Ferne

Töne aus der Ferne.
Ein Freund früh am Morgen
hinter dem Berg,
Hörnerklang,
Smaragden.

Es ruft mich Gedankengruß,
Kuss sich ahnender Seelen verheißend.

Es verband uns ein Stern,
sein Auge fand uns:
Zwei Ich als Gehalt,
mehr denn als Gefäß.

Heilige Steine gestern,
heute rätsellos,
heute Sinn!:

„Ein Freund früh am Morgen
hinter dem Berg.“

Paul Klee: Töne aus der Ferne (1914)