Ein Boot gleitet sacht
durch sternfunkelndes Wasser.
Leuchtender Mai.
Schlagwort-Archive: Hamburg
Osterspaziergang
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück…
Aus: Johann Wolfgang von Goethe „Faust, Der Tragödie erster Teil“, Szene „Vor dem Tor“
Auf meinem Osterspaziergang an der Alster war ich für einen Augenblick wieder das Schulmädchen, das das ganze Ausmaß der Tragödie um Dr. Heinrich Faust sicher noch nicht erfasste. An den Spaß, den wir hatten, als wir den „Osterspaziergang“ vertonten, erinnere ich mich allerdings lebhaft. Leider ist die Cassette mit unserem Machwerk verloren gegangen.
Eingewandert
Eine richtig lange hanseatische Familientradition könne er nicht vorweisen, sagte Herr M. bei unserem ersten biografischen Gespräch. Die Mutter des Kaufmanns stammt aus Lettland, ihre Vorfahren sind Letten und Litauer. Die Familie des Vaters kommt ursprünglich aus dem Mecklenburgischen.
1862 legte der damals 28-jährige Urgroßvater in Hamburg den Bürgereid ab:
„Ich gelobe und schwöre zu Gott, dem Allmächtigen, daß ich der Freien und Hansestadt Hamburg und dem Senat treu und hold seyn, das Beste der Stadt suchen und Schaden von ihr abwenden will, soviel ich vermag; daß ich die Verfassung und die Gesetze gewissenhaft beobachten, alle Steuern und Abgaben, wie sie jetzt bestehen und künftig zwischen dem Senat und der Bürgerschaft vereinbart werden, redlich und unweigerlich entrichten, und dabei, als ein rechtschaffener Mann, niemals meinen Vortheil zum Schaden der Stadt suchen will. So wahr mir Gott helfe!“
In der „Vorschrift für diejenigen die das Bürgerrecht nachsuchen“, einem drei Seiten langen Formular, wurde er unter anderem gefragt, „warum er seinen Geburtsort verlassen“. Handschriftlich trug der Urgroßvater ein: „Weil ich dachte mein Glück hier zu machen.“
So still, so silent
Glück ist …
Heute ein König
Heute will ich fröhlich fröhlich sein,
Keine Weis und keine Sitte hören;
Will mich wälzen und für Freude schrein,
Und der König soll mir das nicht wehren;
Denn e r kommt mit seiner Freuden Schar
Heute aus der Morgenröte Hallen,
Einen Blumenkranz um Brust und Haar,
Und auf seiner Schulter Nachtigallen;
Und sein Antlitz ist ihm rot und weiß,
Und er träuft von Tau und Duft und Segen –
Ha! Mein Thyrsus sei ein Knospenreis,
Und so tauml’ ich meinem Freund entgegen.
Matthias Claudius: Der Frühling. Am ersten Maimorgen
Kalendarisch ist es zwar noch ein bisschen hin, vom viel zu oft viel zu grauen Himmel gar nicht zu reden, aber zwischendurch auch immer mal wieder so königlich sonnig in der Stadt, dass ich voll Wonne den ersten Vor-Maimorgen ausrufe.
Wooden Beauty
Himmel grau
Himmel grau und wochentäglich!
Auch die Stadt ist noch dieselbe!
Und noch immer blöd und kläglich
Spiegelt sie sich in der Elbe.
Lange Nasen, noch langweilig
Werden sie wie sonst geschneuzet,
Und das duckt sich noch scheinheilig,
Oder bläht sich, stolz gespreizet.
Schöner Süden! wie verehr ich
Deinen Himmel, deine Götter,
Seit ich diesen Menschenkehricht
Wiederseh, und dieses Wetter!
Heinrich Heine
Es könnte ein Tag wie dieser gewesen sein, als sich der junge Heinrich („Harry“) Heine vor bald 200 Jahren seinen Frust von der Seele schrieb – über das freudlose Grau am Himmel, aber vielleicht auch über seine Lebensumstände. Ich zitiere aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia:
„1816 wechselte er ins Bankhaus seines wohlhabenden Onkels Salomon Heine in Hamburg. Salomon, der im Gegensatz zu seinem Bruder Samson geschäftlich höchst erfolgreich und mehrfacher Millionär war, nahm sich des Neffen an. Bis zu seinem eigenen Tod im Jahr 1844 unterstützte er ihn finanziell, obwohl er wenig Verständnis für dessen literarische Interessen hatte. Überliefert ist Salomons Ausspruch: ‚Hätt’ er gelernt was Rechtes, müsst er nicht schreiben Bücher.‘ Schon während seiner Schulzeit auf dem Lyzeum hatte Harry Heine erste lyrische Versuche unternommen. Seit 1815 schrieb er regelmäßig, und in der Zeitschrift Hamburgs Wächter wurden 1817 erstmals Gedichte von ihm veröffentlicht. Da Heine weder Neigung noch Talent für Geldgeschäfte mitbrachte, richtete sein Onkel ihm schließlich ein Tuchgeschäft ein. Aber ‚Harry Heine & Comp.‘ musste bereits 1819 Konkurs anmelden. Der Inhaber hatte sich schon damals lieber der Dichtkunst gewidmet. Dem Familienfrieden abträglich war auch Harrys unglückliche Liebe zu seiner Cousine Amalie. Die unerwiderte Zuneigung verarbeitete er später in den romantischen Liebesgedichten im Buch der Lieder. Die bedrückende Atmosphäre im Haus des Onkels, in dem er sich zunehmend unwillkommen fühlte, beschrieb er in dem Gedicht Affrontenburg.“
Auf dem Foto ist – „Himmel grau und wochentäglich!“ – nicht die Elbe, sondern einer der Alsterkanäle zu sehen.
Balance ist Bewegung
Hanseatin, kunstbeflissen II
Na bitte, geht doch! Ein Top in lebhaftem Moosgrün zur mausgrauen Röhre…
… ein Schal in verträumtem Bordeaux…
… Totenköpfe und Raubtiermuster, unter denen keck ein farbiger Gürtel hervorblitzt.
Und das sind nur einige Beispiele von vielen. Nach umfangreichen Studien am Wochenende stelle ich richtig: Es trifft nicht zu, wie kürzlich insinuiert, dass die kunstbeflissene Hanseatin durchweg Schwarz in Schwarz gewandet durch Ausstellungen spaziert.
Wie bitte? Wie ich selbst aussah, wollen Sie wissen? Also, mein Halstuch war beinahe schon regenbogenfarben.












