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Auf Augenhöhe

P1030642So heiß, dass man sich unbedingt abkühlen müsste, ist es zurzeit nicht. Wahrscheinlich trainiert da zwischen Alster-Seglern gerade einer für den Hamburg Triathlon nächsten Monat. Austragungsort der Schwimmwettkämpfe – und nur dieser – wird, wie schon seit Jahren, die (Binnen-)Alster sein. Daran sei in diesen Fußball-bewegten Tagen noch einmal ausdrücklich erinnert. Wie sagte Berti Vogts, einst Bundestrainer und heute WM-Advisor von US-Coach und Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann, so schön: „Wenn ich übers Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker: Nicht mal schwimmen kann er.“ Hoffentlich weiß Joachim Löw morgen, wo die Steine liegen!

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Er gehört zu mir

Nach Adler, Fledermäusen und Fischen heute zur Abwechslung mal Schwäne. Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Dieses Blog ist entgegen dem äußeren Anschein nicht auf dem Entwicklungsweg zu „Hamburgs Tierleben“. Am Ende sind auch Tiere oft nur Menschen.

P1030628In der ersten Szene erblicken wir Mensch und Menschin (das Knäuel im Mittelfeld) in herzlicher Umarmung auf den frühsommerlichen Alsterwiesen, während Schwan und Schwanin selbige in fröhlicher Koexistenz zusammen mit dem Nachwuchs abgrasen.

P1030637Des Grasens überdrüssig machen sich Schwan und Schwanin schon bald auf den Weg zu Mensch und Menschin. Menschin geht das zu nahe. Sie ergreift die Flucht.

P1030639Schwan – oder ist es Schwanin? – ist auch irgendwie abhanden gekommen. Und ich kriege den alten Marianne-Rosenberg-Song nicht mehr aus den Ohren…

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Von Herzen und Fischen

Seit Jahren verschandeln auch in Hamburg Massen von Vorhängeschlössern ganze Brücken in dem untauglichen Bemühen, der Liebe Dauer zu verleihen, indem man sie in Ketten legt. In Paris brach unter der Last der „Liebesschlösser“ (was für ein Wort!) jüngst sogar ein Teil des Geländers auf der Fußgängerbrücke Pont des Arts zusammen. Wie leicht nimmt sich dagegen das Geländer der Brücke über den Isebekkanal am Eppendorfer Baum aus. Fische schweben zwischen schmiedeeisernen Wellenlinien, dass man meint, sie könnten fliegen. Geschaffen hat sie um 1927 herum der Maler und Bildhauer Richard Haizmann.

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Im Auftrag des Hamburger Senats fertigte Haizmann später auch noch eine Brunnenfigur für den Kinderspielplatz an der Humboldtstraße: einen großen bronzenen Wasserspeier, nicht Mensch, nicht Tier, ein sprühendes Fabelwesen, das die Kinder begeisterte, aber die Gemüter nicht nur einiger Stadtväter von Anfang an erregte. 1937 wurde der Wasserspeier schließlich wieder abmontiert, in der NS-Wanderausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt und danach vermutlich eingeschmolzen. Seit 1994 steht eine Rekonstruktion des Werks am Rande des Kinderplanschbeckens im Stadtpark. In diesen Tagen ist es umgeben von Sandbergen und Beton: Der Stadtpark macht sich hübsch für seinen 100. Geburtstag Anfang Juli.

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Die Fische an der Eppendorfer Brücke wurden übrigens vor ein paar Jahren von Hamburger Schulkindern bemalt. Auch wenn der Lack inzwischen schon ein bisschen ab ist: Mir gefällt’s, gerade auch eingedenk der Geschichte von Haizmanns Wasserspeier.

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Aug in Auge mit dem Adler

P1030456Flugschau in den Schwarzen Bergen in Hamburgs wildem Süden: Eben noch auf Augenhöhe mit dem Seeadler, und jetzt besser ganz schnell den Kopf einziehen.

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Was es sonst noch zu berichten gibt: Die Nichten bestanden darauf, dem Fledermaushaus einen Besuch abzustatten. Eines der Flattertiere pieselte der Tante auf die Schulter. Die Nichten wollten sich kaputt lachen, und die Tante freute sich, dass es zu dunkel war zum Fotografieren. Deshalb gibt es hier nur Bilder vom Seeadler.

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Stille

P1020823Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen – :

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.

Rainer Maria Rilke

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Catching Bubbles

P1030335„Väter“, die oftmals eher wie Söhne wirken und sich vor allem durch die Ausgestaltung des Bollerwagens ihrer Bezugsgruppe und die Marke der mitgeführten Bierflaschen unterscheiden? Oder lieber schillernde Seifenblasen vor glücklichen Kindergesichtern? Die Fotografin fackelt nicht lange und entscheidet sich für die Himmelfahrt der besonderen Art. Ein paar Bubbles sind ganz sicher ungeköpft und unzerklatscht übergekommen.

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Wüsten(ver)führer

Otl Aicher: Gehen in der Wüste. Frankfurt 2005 (TB)

Jürgen Werner: Wüstenwandern. Unterwegs am Rande der Unendlichkeit. Stuttgart 2005

Das ohnehin schon gefährlich spannende Blog Sätze&Schätze ist für mich jüngst noch um einiges gefährlicher geworden. Seit es seiner Betreiberin Birgit gefiel, die neue Kategorie Reiseliteratur ins Leben zu rufen, um genau zu sein. Und nun schickt sie ihre Leser auch noch in die Wüste. Ausgerechnet. Wie soll man denn da ruhig am Schreibtisch sitzen bleiben? Aber wer weiß, vielleicht soll man das ja gar nicht.

P1030322Zumindest in Gedanken nehme ich mir jetzt einfach eine Auszeit und blättere in zwei großformatigen Wüsten(ver)führern, auf die ich hier schon längst einmal hinweisen wollte. Vom Gehen in der Wüste erzählen beide, in wunderbar klugen Texten und mit Bildern, die einem die Tränen in die Augen steigen lassen, so schön sind sie. Ach, ich könnte schwärmen ohne Ende. Und Zitat an Zitat reihen:

P1030302„die wüste ist eine denklandschaft. man geht nicht nur zwischen dünen, man geht auch in seinem eigenen denken umher, man macht gedankengänge. im gehen verändert sich die landschaft von bild zu bild. es verändert sich auch der gedankenhorizont. das auge zieht es mal hier, mal dort hin, auch die gedanken wildern umher. man wirft sie hinaus, als entwürfe. so ist ein nicht eigentlich geschriebenes buch entstanden. es hat keinen anfang, kein ende, keinen roten faden. man mag deshalb auch nachsichtig sein einer typographie gegenüber, die verschlungen ist wie ein gang durch dünen.“

 

P1030314Der das schrieb, war Grafiker durch und durch: Otl Aicher (1922-1991), Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung in Ulm und einer der bedeutendsten Kommunikationsdesigner des 20. Jahrhunderts. Den Wüstengänger Aicher zog es wiederholt in die Sahara, allein oder in Begleitung seines jüngsten Sohnes und eines befreundeten Architekten. Was von diesen Reisen blieb, ist nicht mehr und nicht weniger als ein grafisches Gesamtkunstwerk, das in der Tat dazu einlädt, es mäandernd zu genießen. Zu blättern, spontan dem Sog eines Bildes nachzugeben, ein paar Zeilen oder auch Seiten zu lesen, erneut und mit noch mehr Tiefe in die Bilder einzutauchen oder auch mal in eigene Gedanken und Erinnerungen, irgendwann weiterzublättern, um an anderer Stelle erneut zu verweilen.

P1030305Dem Sprach- und Kulturwissenschaftler Jürgen Werner folgt man am besten chronologisch durch sein ebenso praktisches wie spirituell-philosophisches Wüstenwanderbuch. Werner hat immer wieder Zeit mit und bei den Beduinen auf dem Sinai und im Süden Jordaniens verbracht, in deren Kultur ich selbst erst vor wenigen Monaten allererste zarte Einblicke gewann. Ein paar Bilder genügen, und sofort ist es zurück, dieses Gefühl von Stille und unendlicher Weite. Ah… bittersüßes Fernweh!

P1030295„Keine Wüste lädt uns zum Verweilen ein. Sie ist ein atemberaubend schöner, aber auch ein unwirtlicher Ort. Kein Platz, an dem man heimisch werden und sich niederlassen kann. Die Wüste ist ein Ort, den man durchquert. … In der Wüste sein heißt unterwegs sein, nicht nur in einer räumlichen, sondern auch einer seelischen Dimension. Wanderer in der Wüste sein heißt auch Wanderer zu sich selbst sein, das eigene Seelengepäck auf dem Rücken.“ Jürgen Werner empfiehlt Wüstenreisenden, sich eine Frage mitzunehmen, die beantwortet, ein Problem, das gelöst, eine Entscheidung, die getroffen werden will. Er weiß: „Entscheidungen, die du auf einem Wüstenweg triffst, können nicht falsch sein, denn sie kommen aus deinem tiefsten Inneren. Du musst nichts anderes tun, als die Empfehlungen der Wüste zu befolgen.“

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Red Poppy Art

P1030223-1In meiner Tage Morgen,
Da lag auch ich einmal,
Von Blumen ganz verborgen,
In einem schönen Tal.
Sie dufteten so milde!
Da ward, ich fühlt es kaum,
Das Leben mir zum Bilde,
Das Wirkliche zum Traum.

Aus: Ludwig Uhland „Der Mohn“

P1030227Und das – so möchte ich hinzufügen – kann wunderbar erholsam sein, selbst wenn das Liegen eher ein Gehen und Verweilen und das schöne Tal in Wahrheit ein städtischer Park war.