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Der Weg zum Schloss

Mecklenburg-Vorpommern ist neben Brandenburg das alleenreichste Bundesland.  Irgendwer hat mal ausgerechnet, dass die Baumreihen hintereinander gepflanzt von Lissabon bis Moskau reichen würden. Was für eine fantastische Reise das wäre!

Eine ganz besondere Allee schmiegt sich am Rand der Kleinstadt Klütz zwischen Wismar und Lübeck in die Feldmark. Sie verbindet das barocke Schloss Bothmer mit dem Nachbarort Hofzumfelde auf der anderen Hügelseite. Von weitem meint man, zweiköpfige Weiden zu erkennen. Tatsächlich handelt es sich um eine Reihe holländischer Linden, deren Stämme einst gespalten worden waren, so dass sich daraus jeweils zwei Kronen entwickelten.

Die seitlich sprießenden Äste und Zweige wurden so geschnitten, dass es aussieht, als würden sich die Bäume gegenseitig an den Händen fassen. Oder wie eine lange Girlande. So kam es zu dem Namen Festonallee.

Die Allee wird zeitgleich mit dem Bau des Schlosses angepflanzt worden sein. 72 Bäume waren es ursprünglich, inzwischen fehlen ein paar. Bewusst wurde der Weg durch den Hügel südlich des Schlosses geschnitten und so als Hauptzufahrt inszeniert. Kommt man von Hofzumfelde, ist zunächst nur das Giebeldreieck über dem Hauptgebäude des Schlosses sichtbar. Im weiteren Verlauf des Hohlwegs ist das Hauptgebäude immer mehr und schließlich in voller Höhe zu erkennen. Erst am Ende gibt die Allee den Blick auf den Ehrenhof der Schlossanlage frei.

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So lebendig, so vergänglich

Wolle die Wandlung. O sei für die Flamme begeistert,
drin sich ein Ding dir entzieht, das mit Verwandlungen prunkt;
jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert,
liebt in dem Schwung der Figur nichts wie den wendenden Punkt.

Was sich ins Bleiben verschließt, schon ists das Erstarrte;
wähnt es sich sicher im Schutz des unscheinbaren Grau’s?
Warte, ein Härtestes warnt aus der Ferne das Harte.
Wehe -: abwesender Hammer holt aus!


Wer sich als Quelle ergießt, den erkennt die Erkennung;
und sie führt ihn entzückt durch das heiter Geschaffne,
das mit Anfang oft schließt und mit Ende beginnt.


Jeder glückliche Raum ist Kind oder Enkel von Trennung,
den sie staunend durchgehn. Und die verwandelte Daphne
will, seit sie lorbeern fühlt, daß du dich wandelst in Wind.

Rainer Maria Rilke, 12. Sonett aus dem Zweiten Teil der Sonette an Orpheus

Rilkes Sonett über die Vergänglichkeit kam mir in den Sinn, als ich kürzlich auf dem herrlichen Skulpturenpfad hinter dem WaldHaus an der Wonnhalde in Freiburg im Breisgau herumspazierte. So viel Leben hat der Holzkünstler Thomas Rees seinen aus alten Bäumen gefertigten „WaldMenschen“ eingehaucht, es ist eine Pracht! Schau dir nur mal die geblähten Nüstern des Pferdes des vierten apokalyptischen Reiters auf dem Bild oben an. Du meinst glatt, es schnauben zu hören. Der riesige Drache, Schneewittchen mit den sieben Zwergen, die an der holden Maid zu kleben scheinen, die Tanzenden, die Alten, all die knorpseligen, mal mehr, mal weniger menschenähnlichen Wesen und Gestalten stecken voller Leben. Und sind zugleich wunderbar vergänglich. Den Langnasen ist ihr hölzernes Riechorgan längst abhanden gekommen. Moos bedeckt viele der Skulpturen, die so allmählich mit der grünen Umgebung verwachsen. Aber Vorsicht: Dieser Wald hat Augen…

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Ganz in Grün

Ein neonfarbener Wandertag.

Abends fangfrischer Edersee-Zander auf Blattspinat.

Und dazu Mareike Fallwickls faszinierender Erstling „Dunkelgrün fast schwarz.“

„Die Wohnzimmertür ist angelehnt, er drückt sie vorsichtig auf, steckt den Kopf hinein. Und jetzt, ohne das Licht, kann er deutlich sehen, was er vorhin schon vermutet hat. Das Grün ist dunkler geworden, viel dunkler, tief und massiv, fast schwarz. Es füllt den Raum, bis an die Decke strahlt es. Einst war Raffael knospengrün, raupengrün, wie Zuckererbsen in ihrer frisch geöffneten Schote, an manchen Tagen limonenhell. Schwarze Flecken hat das Grün bekommen, wie Schimmel. Moritz steht da und schaut und kann doch, was er sieht, nicht verstehen. Etwas ist passiert. Er weiß, dass Raffael nicht schläft. Er erkennt es an den aufleuchtenden Spritzern, die durch das Grün schießen. Keiner sagt ein Wort.“

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Buddhas Bauch

„Happy Buddha! Happy Buddha!“ Die kleinen zarten Dao-Frauen im nordvietnamesischen Hochland wollten sich schier ausschütten vor Lachen. Feixend machten sie einander auf den großen Mann im roten T-Shirt aufmerksam. Der kramte gelassen weiter in seinem Rucksack. Als erfahrener Asien-Reisender war er es gewohnt, mit seiner Statur Aufmerksamkeit zu erregen. Nur über den Bauch streichen lassen wollte er sich partout nicht. Dabei kommt es genau darauf an…

Im alten China, vor mehr als tausend Jahren, war der „Laughing Buddha“ ein berühmter Mönch. Mit einem Lächeln auf den Lippen reiste er durchs Land und rief bei allen, denen er begegnete, Freude und Glück hervor. Schon seit Jahrhunderten ist es Brauch, einer Happy-Buddha-Figur über den Bauch zu streichen. Das bringt Glück und Erfolg. Probier es nur aus! Für das Prachtexemplar auf dem Foto unten musst du nicht einmal nach Asien reisen. Du findest es im Künstlerdorf Worpswede bei Bremen.

Komm gut ins neue Jahr!