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Wanderlust

Lust for comfort
suffocates the soul
This relentless restlessness
liberates me

I feel at home
whenever the unknown surrounds me
I receive its embrace
aboard my floating house

Mit einem Auszug aus Björks „Wanderlust“ und Mai-Bildern aus der Lüneburger Heide verabschiede ich mich noch einmal für ein paar Tage, um das Unbekannte zu umarmen.

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Hamburg gibt alles

Verteilt Wasser, bis die eigene Zunge heraushängt.

Massiert unermüdlich müde Waden, auf Wunsch auch vertikal.

Und während die Letzten noch laufen, räumen die Ersten schon wieder auf.

Aber das Beste von allem: Hamburg lässt sich auch von vier Regenschauern pro Stunde nicht davon abhalten, jeden einzelnen Marathoni zu feiern und anzufeuern.

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Vagabundenleben

„Und ich war alleingelassen, am lauen Nachmittag, unbekümmert um meine Kleidung und zufrieden in meiner Haut, unvollkommen und ohne Aussicht auf Vervollkommnung. Da schien mir, Lucille würde sich ewig weiter berufen fühlen, mich zu schubsen, schieben, überreden, als könnte sie mir den mangelnden Willen ersetzen, mich in eine geziemende Form zu pressen und durch die weiten Grenzgebiete in jene andere Welt zu gelangen, von der ich den Eindruck hatte, sie könnte niemals mein Ziel sein. Denn mir schien, dass dort nichts von dem zu finden war, was ich verloren hatte oder verlieren könnte…“

Aus: Marilynne Robinson, Haus ohne Halt

Wie Spitzwegs „Armer Poet“ hockte der Mann unter seinem Schirm am Elbufer. Die bloßen Füße im frühlingskalten Sand, brachte er mit ruhigen Bewegungen Wasser in einer Thermoskanne zum Kochen. In meinem Rucksack trug ich Marilynne Robinsons frühen Roman, im Herzen die verstörend-schöne Stimme der jugendlichen Erzählerin Ruthie. Es gibt so Zufälle…

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Momente des Innehaltens

„Schönheit ist ja nicht das, worauf sich alle einigen können. Sondern der Moment, in dem jemand nicht anders kann, als innezuhalten.“

Auf diese wunderbaren Sätze der Korrespondentin Andrea Böhm stieß ich in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT. Böhm und ihre Kollegin Alice Bota, die normalerweise über die Kriege dieser Welt schreiben, tauschen sich in einem Briefwechsel über die Schönheit aus. Sie sind sich einig, dass Menschen auch in größter Not nicht auf Schönheit verzichten können, ja, dass sie Schönheit brauchen, um zu überleben. Ein sehr berührender Gedankenaustausch, wie ich finde. Die zitierten Sätze habe ich mir angestrichen – und mich an einige meiner Momente des Innehaltens erinnert.

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Hanseaten, frühlingskess

Frühling in Hamburg ist, wenn es Mensch und Menschin zum Sonnenbaden und Kuscheln ans Wasser zieht, mag auch die eine noch Pelzstiefel tragen, während der andere schon die Zehen ins Gras streckt.

… wenn Kostüme und Mäntel in Hanseatisch-Blau leuchtenden Farben und Mustern weichen – immer noch fein abgestimmt natürlich.

… wenn lässig neue maritime Sportarten kreiert werden. Paddeln im Stehen war in der vorigen Saison, jetzt sitzt Mann wieder.

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Aufruf zum Müßiggang

Der verständige Müßiggänger lehnt es ab, sich mit Betriebsamkeit zu betäuben, da er es durchaus bei sich selbst aushält. Pascals Bemerkung, daß „alle Leiden des Menschen daher kommen, daß er nicht ruhig in seinem Zimmer sitzen kann“, trifft auf ihn nicht zu. Er kann lange ruhig sitzen, und er kann staunen. Und vielleicht ist dies das überzeugende Geschenk des Müßiggangs: die Gelegenheit zum Staunen, die uns gewährt wird. Wer aber staunt, wer sich selbst aus bescheidenem Anlaß wundert, der beginnt unweigerlich zu fragen, und wer Fragen stellt, wird zu Schlußfolgerungen gelangen: Der Müßiggang wird zu einem aufregenden Zustand. … Der zerstreuungssüchtige Konsument, der Abnehmer von Kurzweil, wird bei allem verbissenen Fleiß nie in der Lage sein, Kultur hervorzubringen, da ihm das sublime Nichtstun unbekannt ist. Kultur entsteht immer nur im produktiven Müßiggang, in großen Augenblicken schöpferischer Faulheit. 

Aus: Siegfried Lenz „Müßiggang oder das aktive Nichtstun“

Siegfried Lenz‘ Ode an den Müßiggang, die zuerst in der ZEIT vom 30. März 1962 veröffentlicht wurde, flatterte mir in diesen Tagen zufällig auf den Bildschirm. Not really new stuff but too good to withhold. Der vollständige Artikel ist auf ZEIT ONLINE nachzulesen.

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Äcker voller Gold

Ich erinnere mich noch gut an das Vergnügen, das es mir als Kind bereitete, Kartoffeln frisch vom Acker zu ernten. Die Pflanze beim grünen Schopf zu packen, zu drehen und gleichzeitig zu ziehen, feste zu schütteln. Und das Beste von allem: all die „Nuggets“ einzusammeln, behutsam von der Erde zu befreien, mit den Händen nach tiefer liegenden Schätzen zu graben… Wie staunte ich, als ich gestern zwischen einem Besuch und dem nächsten in der alten Heimat die Chaussee entlangfuhr und entdeckte, dass auf den Feldern inzwischen gigantische Goldbarren wachsen. Oft werden die Wunder kleiner, wenn man älter wird. Manchmal nicht.