Avatar von Unbekannt

Gekränktes Schaf

P1100112Sagt mir jetzt nicht: „Ich wohn doch in der Stadt,
wo soll ich da um Himmels Willen Schafe kränken?“
Ich gebe zu, dass das was für sich hat,
doch bitte ich euch trotzdem zu bedenken:

Ein gutes Wort ist nie verschenkt,
nicht nur bei Schafen, sondern überall.
Auch trefft ihr Schafe öfter als man denkt.
Nicht nur auf Wiesen. Und nicht nur im Stall.

Aus: Robert Gernhardt „Gesetzt den Fall, ihr habt ein Schaf gekränkt“

Vor Monaten wurde ich zufällig Zeugin, wie zwei Frauen im Hamburger Stadtpark ein Schaf aussetzten. Sie hatten lange und gern mit dem Tier zusammengelebt, erzählten sie mir. Nun aber sei es an der Zeit, es in andere Hände abzugeben. Am liebsten in Kinderhände, auf jeden Fall in aufmerksame. Wohl deshalb setzten sie das Schaf auf einen Ast, auf dass es nicht jedem Dahergelaufenen sogleich ins Auge springe. Seither schaue ich ab und an mal, ob es inzwischen ein neues Zuhause gefunden hat. Bei meinem letzten Besuch wollte das Schaf nicht mal mein Leckerli annehmen, so traurig war es, dass niemand aus der Großfamilie, die direkt unter ihm ein Grillfest feierte, auch nur einmal nach oben gesehen hatte. Wo ihr das Schaf trefft? Gleich neben der uralten Rotbuche in der Nähe vom Rosengarten…

Avatar von Unbekannt

Gullivers Siesta

P1070210In dem Roman von Jonathan Swift rettete sich der schiffbrüchige Gulliver an einen Strand, wo er erschöpft einschlief. Beim Aufwachen musste er feststellen, dass er von winzigen Menschen umgeben war, die ihn an Armen, Beinen und Haaren gefesselt hatten. Ob der moderne Gulliver in der Auslage dieses Fast-Food-Restaurants wohl ermessen kann, welches Glück er hat?

Avatar von Unbekannt

Aschermittwoch

P1060867Vorhin in der Buchhandlung um die Ecke. „Wollen Sie Bilder vom Karneval sehen?“ fragt mich der Buchhändler. „Muss nicht“, antworte ich und lächle verbindlich. „Ach, kommen Sie, sagen Sie ja!“ Und schon flimmern phantasievoll bemalte Gesichter über den Monitor, auf dem sonst nur die Maske für die Buchbestellungen zu sehen ist. Der Buchhändler ging als Geisha – soviel sei verraten. Die knallroten Pumps standen noch unter dem Ladentisch. Da behaupte noch mal einer, wir Norddeutschen hätten keinen Sinn für Humor…

Avatar von Unbekannt

Aus einer anderen Zeit

P1060141So hübsch hatten sich die Mädels gemacht. Gebannt studierten sie die Liste der ankommenden Schiffe in den Aushang-Kästen. Bestimmt war der Herzallerliebste an Bord. A. grinste über die Söckchen der Damen zur Linken. C. meinte sich zu erinnern, dass seine Mutter damals kürzere Kleider getragen hatte. Schuhe wie die der Frau ganz rechts verband er ohnehin eher mit der Großmutter. Mir waren die Schuhe noch nicht einmal aufgefallen. Fasziniert starrte ich auf die Naht und die hochgezogene Ferse in den Seidenstrümpfen darüber…

Die Aufnahme ist eine meiner liebsten in der Ausstellung „Das photographische Werk“ von Franz Hubmann. Noch bis zum 7. Februar 2015 sind die Fotografien des österreichischen Bildjournalisten in der Flo Peters Gallery im Hamburger Chilehaus zu sehen. Die Schwarzweiß-Bilder aus den 1950er Jahren zeigen zum Großteil Szenen aus dem Hamburger Hafen.

P1060142Nach dem Besuch der Ausstellung gingen wir essen, was hier weiter nichts zur Sache tut. Anders als die Schaufenster, die uns unterwegs begegneten. Die hätten auch aus den Fünfzigern sein können, wären die angebotenen Waren in D-Mark statt in Euro ausgezeichnet gewesen. Wer malt heute noch solche Preisschilder! freute sich C. Unterstreichungen mit dem Lineal, die nur bedingt zur Linie der Schrift darüber passen, signalrote Ecken, ebenfalls mit dem Lineal gezogen und von Hand ausgemalt. Jede Ecke ein Unikat. Und dazu diese entzückende Weihnachtsdeko…

P1060145

Avatar von Unbekannt

Looking for Fred

Ich neige nicht dazu, überall Erdmännchen zu sehen. Jedenfalls war das bisher so. Aber nachdem mir am Wochenende im Volkspark ein nur unzureichend als Hund getarnter Vertreter dieser Spezies über den Weg gelaufen war, begegnete mir nun auch noch Fred. Das heißt, eigentlich begegnete er mir gerade nicht, denn Fred ist verschollen. Verhaftet, wie ich seinem Logbuch-Eintrag vom  11. Oktober entnahm. Zuletzt wurde Fred vor ein paar Tagen im Seemannsclub Duckdalben im Hamburger Hafen gesehen. Seither ist er verschwunden. Wer Fred ist? Na, was wohl? Allerdings ist Fred kein gewöhnliches Erdmännchen, sondern eines, das zur See fährt, und das schon seit Jahren: Fred around the world. Eigentlich wollte A., die früher auch zur See gefahren ist und jetzt Wirtschaftswissen hinaus in die Welt trägt, Fred zu ihrem nächsten Einsatz nach Indonesien mitnehmen, weil sie findet, dass er zwischendurch auch mal Landurlaub braucht. Aber nun ist Fred nicht da und A. schon ganz traurig. Für sachdienliche Hinweise zu Freds Aufenthaltsort bereits an dieser Stelle herzlichen Dank!

Update am 17. Oktober:

Wie ich gerade erfahre, ist Fred wohlauf, hat aber bereits wieder auf einem Schiff angeheuert. Näheres dazu in A.(nja)s heutigem Kommentar. Aus dem Landurlaub in Indonesien wird also erstmal nichts. Auch Erdmännchen leben anscheinend im Hamsterrad… Noch einmal vielen Dank fürs Augen-offen-Halten!

Avatar von Unbekannt

Mach dich niedlich

P1050248Was einem so begegnet an einem mildsonnigen Oktobernachmittag im Hamburger Volkspark… Most curious of all: ein Hundemädchen, das sich offensichtlich für ein Erdmännchen hält. Das war im Biergarten der „Milchhalle“ an der großen Spielwiese. Während des Ersten Weltkriegs wurden hier mangelernährte Kinder kostenlos mit Milch versorgt. Heute schenkt man auch Höherpromilliges aus, aber nur an Erwachsene. Auch Hundemädchen bekommen nur Wasser zu trinken – und wenn sie noch so sehr posieren. Großes Indianerehrenwort!