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Swinging birches

P1040969When I see birches bend to left and right
Across the lines of straighter darker trees,
I like to think some boy’s been swinging them.
But swinging doesn’t bend them down to stay.

P1040980I’d like to get away from earth a while
And then come back to it and begin over.
May no fate willfully misunderstand me
And half grant what I wish and snatch me away
Not to return. Earth’s the right place for love:
I don’t know where it’s likely to go better.
I’d like to go by climbing a birch tree,
And climb black branches up a snow-white trunk
Toward heaven, till the tree could bear no more,
But dipped its top and set me down again.
That would be good both going and coming back.
One could do worse than be a swinger of birches.

Aus: Robert Frost „Birches“

P1050145Das Wittmoor nördlich von Hamburg lohnt zu jeder Jahreszeit einen Besuch. Die Bilder entstanden auf einem Spaziergang Anfang Oktober. Gerade fiel mir das passende Gedicht in die Hände: „Birken“ von Robert Frost. One could do worse than be a swinger of birches. Definitely.

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Als der Himmel brannte

P1040892Mi hats dawischt, der Himmel brennt, i hab mi ganz in die verrennt…

aus: Konstantin Wecker „Der Himmel brennt“

P1050212

Gespräch hat sich im Schilf entsponnen,
Seit sich die Wellen nicht mehr sonnen,
Seit neuen Stoff der Wind gebracht
Von der Herankunft trauter Nacht.

aus: Karl Mayer „Auf einer schwäbischen Fußreise“

P1060136Es sieht so aus, als müssten wir das Feuer jetzt wieder eher im Herzen tragen. Die Fotos mögen beim Entfachen helfen. Einen guten Start in die neue Woche wünsche ich!

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Into the blue

P1030948…aber Abende gab es, die gingen in den Farben
des Allvaters, lockeren, weitwallenden,
unumstößlich in ihrem Schweigen
geströmten Blaus,
Farbe der Introvertierten,
da sammelte man sich
die Hände auf das Knie gestützt
bäuerlich, einfach
und stillem Trunk ergeben
bei den Harmonikas der Knechte –

Aus: Gottfried Benn „Fragmente“

Von Orten und Menschen verabschiedet sich in die Sommerpause – mit guten Grüßen und den besten Wünschen an alle LeserInnen und GuckerInnen!

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Sehleute

P1030915

Chor der Seeleute:

Wir Fahrensleute
Lieben die See.
Die Seemannsbräute
Gelten für heute,
Sind nur für to-day.

Die Mädchen, die weinen,
Sind schwach auf den Beinen.
Was schert uns ihr Weh!
Das Weh, ach das legt sich.
Unsre Heimat bewegt sich
Und trägt uns in See,
Far-away.

Chor der Mädchen:

Wir, die Bräute
Der Fahrensleute,
Lieben und küssen,
Doch wissen, sie müssen
Zur Seefahrt zurück.

Und wenn sie ertrinken,
Dann – wissen wir – winken
Uns andre zum Glück.

Joachim Ringelnatz: Abschied der Seeleute

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Sommerabendlich(t)

P1030802An dem Bache zirpt die Grille,
Und es regt sich in dem Wasser,
Und der Wandrer hört ein Plätschern
Und ein Atmen in der Stille.

P1030806Dorten an dem Bach alleine,
Badet sich die schöne Elfe;
Arm und Nacken, weiß und lieblich,
Schimmern in dem Mondenscheine.

Aus: Heinrich Heine „Dämmernd liegt der Sommerabend“

P1030812Bis zum Mondenscheine war es noch ein Weilchen hin, als ich den Alsterwanderweg entlang radelte, aber schöne Elfen und sogar ein elfengleicher Hund zeigten sich auch schon zur blauen Stunde.

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Licht und Schatten

P1030689Wenn sich der Äther erhebt in hoher heiliger Klarheit,
wenn sich ein fließendes Gold über die Erde ergießt,
und vor dem strahlenden Gott die Schatten leise zerrinnen,
freu’t sich der blendende Glanz und das allmächtige Licht.
Aber bezaubernder, Freund, erscheint dir die liebliche Gegend –
denn dich freut der Contrast und der gemäßigte Glanz –
wenn die Wolke sich hebt und wechselnd auf Thäler und Dörfchen,
Tannenwälder und Seen dunkle Schattirungen streut,
oder der silberne Mond am Berge freundlich hervorsteigt,
und der Schatten des Berg’s tief in die Thäler sich senkt.

P1030696O, wie die Höhen sich dann in heiligem Schimmer verklären;
wie das freundliche Licht heller den Schatten besäumt! –
Und doch klagtest du jüngst, dein trauriges Schicksal beweinend,
wie des Lebens Gefild‘ oft, ach! so dunkel dir sey;
wie auf der Stellen geliebtester dämmernd ein Schatten sich lagre,
oft, nach dem lieblichsten Tag, schwarz dich umgebe die Nacht.
Wechsel vergnügt dein Gemüth; es freuet der Wechsel uns alle:
freue dich, Glücklicher, doch, daß du nicht glücklicher bist.

Sophie Mereau (1770-1806)

P1030695Ich hatte noch nie von Sophie Mereau gehört, als ich zufällig ihr Gedicht Licht und Schatten in die Hände bekam. Jetzt weiß ich ein bisschen mehr: Über ihren Ehemann, den  Jenaer Juraprofessor Friedrich Ernst Carl Mereau, lernte Sophie Friedrich Schiller kennen. Schiller erkannte ihr Talent, lobte es altväterlich-gönnerhaft („Ich muß mich doch wirklich darüber wundern, wie unsere Weiber jetzt, auf bloß dilettantischem Wege, eine gewisse Schreibgeschicklichkeit sich zu verschaffen wissen, die der Kunst nahe kommt.“) und veröffentlichte ihre Gedichte. Privat war Sophie Mereau weniger glücklich. Sie hatte mehrere Affären, ließ sich schließlich scheiden und heiratete den Schriftsteller Clemens Brentano, mit dem sie zuvor eine Affäre gehabt hatte. Mit 36 Jahren starb sie bei der Geburt des dritten Kindes.