Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.
Aus: Erich Kästner „Die Wälder schweigen“
Nein, nicht Love sondern WENN, und zwar genau so: kapital, mächtig, schwer zu überwinden. WENN ich nicht mitten in einem Biografieprojekt stecken würde… WENN es nicht gerade so viele Verpflichtungen gäbe… WENN ich nicht ausgerechnet an genau dem Wochenende zum Wandern verabredet wäre… Vor allem aber: WENN ich nicht vorher umfangreich auf- und umräumen und Berge von allzu persönlichem Kram und das ganze Bürogeraffel ausquartieren müsste… DANN, ja dann würde ich in den nächsten Tagen im Hotel Hamburg einchecken. Ganz bestimmt. Oder?
Was ich im Hamburger Abendblatt über das Hotel las, hört sich unglaublich spannend an: Die Lobby befindet sich in einem Ladenlokal in der Grindelallee. Dort geben die Gäste den eigenen Wohnungs- oder Haustürschlüssel ab und erhalten im Gegenzug den eines anderen Gastes und damit Zugang zu einer fremden Wohnung irgendwo in der Stadt. Mit dem Projekt Hotel Hamburg – eine Stadt besucht sich selbst lädt der Hamburger Künstler Jan Holtmann vom 3. bis 20. Juli zum großen Wohnungstausch. Bis zu zwei Nächte können Besucher in einer Wohnung bleiben. Danach gehen sie zur Rezeption, checken entweder aus oder bekommen einen neuen Schlüssel. Wow!
Vor dem Einchecken stellt man sich natürlich ein paar Fragen, das weiß auch Holtmann: „Gefällt mir das, dass jemand in meiner Wohnung lebt? Reizt mich das, in einer anderen Wohnung zu sein? Wer anfängt, so zu überlegen, der hat schon die große Zehe in die Drehtür am Eingang des ‚Hotel Hamburg‘ geschoben. Es besitzt aber noch mal eine andere Qualität, wenn man dann tatsächlich anfängt, seine Wohnung zu präparieren. Was soll der Betrachter sehen? Was schließe ich lieber in den Keller? Man erstellt ein Selbstporträt. Das Hotel fängt bei einem selber an.“
Tja, und genau an der Stelle stecke ich fest: zwischen Neugier und allerlei WENNs und ABERs (siehe oben). Und so stoßseufze ich analog Kurt Tucholskys verzweifeltem Ruf in Kreuzworträtsel mit Gewalt („Man erzähle mir nichts – warum soll unter den vielen, vielen europäischen Hauptstädten nicht eine dabei sein, die ‚LEBSCH‘ heißt?“) in die Blogosphäre: Es wird unter den vielen vielen LeserInnen dieses Blogs doch wohl eine mutige Hamburgerin oder einen mutigen Hamburger geben, die bereit sind, sich auf das Hotelabenteuer einzulassen und hinterher davon zu erzählen! Nähere Informationen zu dem Projekt finden Interessierte hier.
So heiß, dass man sich unbedingt abkühlen müsste, ist es zurzeit nicht. Wahrscheinlich trainiert da zwischen Alster-Seglern gerade einer für den Hamburg Triathlon nächsten Monat. Austragungsort der Schwimmwettkämpfe – und nur dieser – wird, wie schon seit Jahren, die (Binnen-)Alster sein. Daran sei in diesen Fußball-bewegten Tagen noch einmal ausdrücklich erinnert. Wie sagte Berti Vogts, einst Bundestrainer und heute WM-Advisor von US-Coach und Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann, so schön: „Wenn ich übers Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker: Nicht mal schwimmen kann er.“ Hoffentlich weiß Joachim Löw morgen, wo die Steine liegen!
Nach Adler, Fledermäusen und Fischen heute zur Abwechslung mal Schwäne. Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Dieses Blog ist entgegen dem äußeren Anschein nicht auf dem Entwicklungsweg zu „Hamburgs Tierleben“. Am Ende sind auch Tiere oft nur Menschen.
In der ersten Szene erblicken wir Mensch und Menschin (das Knäuel im Mittelfeld) in herzlicher Umarmung auf den frühsommerlichen Alsterwiesen, während Schwan und Schwanin selbige in fröhlicher Koexistenz zusammen mit dem Nachwuchs abgrasen.
Des Grasens überdrüssig machen sich Schwan und Schwanin schon bald auf den Weg zu Mensch und Menschin. Menschin geht das zu nahe. Sie ergreift die Flucht.
Schwan – oder ist es Schwanin? – ist auch irgendwie abhanden gekommen. Und ich kriege den alten Marianne-Rosenberg-Song nicht mehr aus den Ohren…
Seit Jahren verschandeln auch in Hamburg Massen von Vorhängeschlössern ganze Brücken in dem untauglichen Bemühen, der Liebe Dauer zu verleihen, indem man sie in Ketten legt. In Paris brach unter der Last der „Liebesschlösser“ (was für ein Wort!) jüngst sogar ein Teil des Geländers auf der Fußgängerbrücke Pont des Arts zusammen. Wie leicht nimmt sich dagegen das Geländer der Brücke über den Isebekkanal am Eppendorfer Baum aus. Fische schweben zwischen schmiedeeisernen Wellenlinien, dass man meint, sie könnten fliegen. Geschaffen hat sie um 1927 herum der Maler und Bildhauer Richard Haizmann.
Im Auftrag des Hamburger Senats fertigte Haizmann später auch noch eine Brunnenfigur für den Kinderspielplatz an der Humboldtstraße: einen großen bronzenen Wasserspeier, nicht Mensch, nicht Tier, ein sprühendes Fabelwesen, das die Kinder begeisterte, aber die Gemüter nicht nur einiger Stadtväter von Anfang an erregte. 1937 wurde der Wasserspeier schließlich wieder abmontiert, in der NS-Wanderausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt und danach vermutlich eingeschmolzen. Seit 1994 steht eine Rekonstruktion des Werks am Rande des Kinderplanschbeckens im Stadtpark. In diesen Tagen ist es umgeben von Sandbergen und Beton: Der Stadtpark macht sich hübsch für seinen 100. Geburtstag Anfang Juli.
Die Fische an der Eppendorfer Brücke wurden übrigens vor ein paar Jahren von Hamburger Schulkindern bemalt. Auch wenn der Lack inzwischen schon ein bisschen ab ist: Mir gefällt’s, gerade auch eingedenk der Geschichte von Haizmanns Wasserspeier.
Flugschau in den Schwarzen Bergen in Hamburgs wildem Süden: Eben noch auf Augenhöhe mit dem Seeadler, und jetzt besser ganz schnell den Kopf einziehen.
Was es sonst noch zu berichten gibt: Die Nichten bestanden darauf, dem Fledermaushaus einen Besuch abzustatten. Eines der Flattertiere pieselte der Tante auf die Schulter. Die Nichten wollten sich kaputt lachen, und die Tante freute sich, dass es zu dunkel war zum Fotografieren. Deshalb gibt es hier nur Bilder vom Seeadler.
„Väter“, die oftmals eher wie Söhne wirken und sich vor allem durch die Ausgestaltung des Bollerwagens ihrer Bezugsgruppe und die Marke der mitgeführten Bierflaschen unterscheiden? Oder lieber schillernde Seifenblasen vor glücklichen Kindergesichtern? Die Fotografin fackelt nicht lange und entscheidet sich für die Himmelfahrt der besonderen Art. Ein paar Bubbles sind ganz sicher ungeköpft und unzerklatscht übergekommen.
In meiner Tage Morgen,
Da lag auch ich einmal,
Von Blumen ganz verborgen,
In einem schönen Tal.
Sie dufteten so milde!
Da ward, ich fühlt es kaum,
Das Leben mir zum Bilde,
Das Wirkliche zum Traum.
Aus: Ludwig Uhland „Der Mohn“
Und das – so möchte ich hinzufügen – kann wunderbar erholsam sein, selbst wenn das Liegen eher ein Gehen und Verweilen und das schöne Tal in Wahrheit ein städtischer Park war.