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Morgenstern zum Fest

Morgenstern zum Fest

„Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.

Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.

Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.

Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag.
Das ist genug für einen Tag.“

Christian Morgenstern

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Seine? Alster!

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Ich bin keine Freundin exzessiver digitaler Bildbearbeitung. Vielleicht, weil ich in analogen Zeiten groß geworden bin. Speziell die Unsitte, jeder noch so banalen Szene mit HDR (Pseudo-) Dramatik zu verleihen, hat mir die Kontrastschmiede insgesamt einigermaßen verleidet. Sepia-Effekte empfinde ich zumeist als übertrieben nostalgisch. Ich denke irgendwie immer, dass der Film nicht ausreichend fixiert wurde. Und hatte zu meiner Überraschung plötzlich Lust, genau damit herumzuspielen und  dem Dezember-frühabendlichen Alsterkanal ein wenig Seine-Romantik zu verpassen. „Schuld“, so vermute ich, ist ein Beitrag auf dem englischsprachigen Blog bluebrightly. Als ich die Vorher-Nachher-Beispiele dort sah und Lynns kluge Gedanken zum Thema Bildbearbeitung las, kam mir ein Satz aus Markus Zusaks „Bücherdiebin“ in den Sinn: „Das Schöne an Fiktion ist, dass man eine Lüge erzählen kann, um die Wahrheit zu sagen.“ Que pensez-vous? What’s your opinion?

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Sturmgeflutet

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Heute Nachmittag im Hamburger Hafen.  In den Wasserlachen auf dem Dach des Ausflugsboots „Klein Erna“ an den Landungsbrücken spiegelt sich die Sonne, die für einen Moment durch dichte Regen- und Schneewolken bricht. Das U-Boot am St. Pauli Fischmarkt scheint an diesem Freitag besonders tief im Fluss zu liegen.

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Orkan Xaver hat sich mittlerweile deutlich beruhigt, nicht aber die Elbe. Weil der Wind konstant aus Nordwest weht, kann das Wasser bei Ebbe nicht ordentlich abfließen. So wird die Stadt am frühen Abend von der dritten Sturmflutwelle in Folge getroffen. Sie fällt zum Glück schwächer aus als befürchtet. Noch am Morgen waren knapp vier Meter über dem Mittleren Hochwasser (gut sechs Meter über Normalnull) gemessen worden. Das ist ähnlich hoch wie bei der verheerenden Flut im Februar 1962. Damals waren die Deiche allerdings noch deutlich niedriger und weniger stabil als heute.

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Rund um die Fischauktionshalle stehen noch die letzten Pfützen, der Elbschlamm auf dem Pflaster ist noch feucht, als der Fluss  erneut Besitz vom Fischmarkt und der Großen Elbstraße ergreift. Unglaublich, wie schnell das geht: Wo man eben noch trockenen Fußes entlangspazieren konnte, steht das Wasser nur Augenblicke später bereits knöchelhoch.

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Ein paar Sehleute patschen durch die Fluten. Meter um Meter weichen sie zurück.

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To sit or not to sit

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Sitzen oder Nichtsitzen, das ist an Hamburgs Außenalster selten die Frage. Zwar sind inzwischen die meisten öffentlichen Bänke um den städtischen „Teich“ herum verwaist, aber vom Besuch eines Freiluft-Kaffeeausschanks lässt sich ein echtes Nordlicht auch im Winterhalbjahr allenfalls bei  strömendem Regen oder Schneetreiben abhalten. Gegen die heraufziehende Kälte schützen Wolldecken, Heizstrahler und Glühwein, und ein Teebeutel oder Zuckerstreuer lässt sich auch mit Handschuhen prima händeln.

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Zum Davonlaufen

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Das Bild ist kürzlich in einem Fotokurs entstanden. Auf einem Streifzug durch die Innenstadt sollten wir dem „Rhythmus der Stadt“ nachspüren, Bewegung und Ruhe im Bild festhalten, mit langen Belichtungszeiten und verwischten Strukturen arbeiten, mal mit Stativ, mal aus der Hand und gern auch „aus der Hüfte“ fotografieren. – Was es zu diesem Bild zu sagen gibt? Mir wurde einmal mehr die Bedeutung des richtigen Moments bewusst. Und dass eine Viertelsekunde verdammt lang sein kann, wenn man sie in der Hand hält… Ich mag das Bild, unperfekt wie es ist. Schon wegen des Turbo. Mit dem kann man dem ollen Grau, das den bisher recht goldenen November abgelöst hat, richtig gut davonlaufen.

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Perspektivwechsel

Um es gleich zu sagen: Auf Jahrmärkte zieht mich schon eine Weile nichts mehr. Dabei war der ländliche Herbstmarkt meiner Kindheit richtig toll. Für ein „Prost Jahrmarkt!“ gab es von Mutter und Vater, Oma und Opa und allerlei Tanten und Onkel, mit denen man nicht unbedingt verwandt sein musste, einen Marktgroschen, der anschließend sofort in einen Ritt auf dem Karussellpferd oder eine Fahrt mit der Schiffsschaukel umgesetzt wurde, in Zuckerwatte, rot-gelb-weiße Lutschstangen und Liebesäpfel, die außen schrecklich süß und innen viel zu sauer waren. Oh, wie mich der „billige Jakob“ faszinierte! Und erst die Pferdehändler, deren Hände im Verlauf des Tages immer roter wurden von all dem Abklatschen, das das Feilschen mit den Käufern begleitete…

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Den Hamburger Dom, der ja keine Kirche sondern ein „Vergnügungspark“ ist, habe ich  nicht mehr besucht, seit mein Patenkind alt genug ist, um mit einem „Marktgroschen“ und ihren Freundinnen allein hinzugehen. Ich mag es einfach nicht (mehr), wenn mir alle paar Meter ein anderer Schlager in den Ohren dröhnt, wenn eine monotone Stimme säuselt „Ja, das ist toll! Ja, das macht Freude!“ und der Geruch von Frittierfett denjenigen von frisch gebrannten Mandeln unter sich begräbt. Die „Karussells“ sind mir zu hoch oder zu schnell, meistens beides. Und so richtig vergnügt sehen auch die wenigsten Besucher aus, finde ich, von den Budenbesitzern und Fahrgeschäftebetreibern ganz zu schweigen.

P1070390Vor ein paar Tagen war ich dann doch mal wieder da. Jemand, der die Welt vorzugsweise durch die Objektive seiner vielen Kameras betrachtet, hatte mir empfohlen, auf den Dom zu gehen, wenn noch alles geschlossen ist, am besten an einem richtig sonnigen Tag… Was soll ich sagen: Ein Jahrmarkt-Fan wird aus mir nicht mehr werden, aber ich habe festgestellt, dass es zwischen den verklärten Bildern meiner Kindheit und der pauschalen Laut-grell-und-irgendwie-billig-Ablehnung meines Erwachsenen-Ich vielleicht noch andere Perspektiven gibt. Interessante Verbindungen auf Zeit mit Hamburgs Architektur zum Beispiel: Da reihen sich Schwingschaukeln und Freifalltürme ganz selbstverständlich zu einer Skyline mit dem Fernsehturm. Der Michel verschmilzt mit Riesenrad und Karussells zu einer Szene wie aus dem Modellbaukasten. Und die „Sünde“ ist vor der Kulisse des riesigen alten Luftschutzbunkers an der Feldstraße womöglich doppelt süß…

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