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Als der Himmel brannte

P1040892Mi hats dawischt, der Himmel brennt, i hab mi ganz in die verrennt…

aus: Konstantin Wecker „Der Himmel brennt“

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Gespräch hat sich im Schilf entsponnen,
Seit sich die Wellen nicht mehr sonnen,
Seit neuen Stoff der Wind gebracht
Von der Herankunft trauter Nacht.

aus: Karl Mayer „Auf einer schwäbischen Fußreise“

P1060136Es sieht so aus, als müssten wir das Feuer jetzt wieder eher im Herzen tragen. Die Fotos mögen beim Entfachen helfen. Einen guten Start in die neue Woche wünsche ich!

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Mach dich niedlich

P1050248Was einem so begegnet an einem mildsonnigen Oktobernachmittag im Hamburger Volkspark… Most curious of all: ein Hundemädchen, das sich offensichtlich für ein Erdmännchen hält. Das war im Biergarten der „Milchhalle“ an der großen Spielwiese. Während des Ersten Weltkriegs wurden hier mangelernährte Kinder kostenlos mit Milch versorgt. Heute schenkt man auch Höherpromilliges aus, aber nur an Erwachsene. Auch Hundemädchen bekommen nur Wasser zu trinken – und wenn sie noch so sehr posieren. Großes Indianerehrenwort!

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Welt-Geschichte

P1040762Die Welt ist ein Dorf. Auf der einen Straßenseite liegt die Kirche, auf der anderen der Kirchspielkrug. Drumherum ein paar Bauernhöfe und Handwerksbetriebe. Hier in Nordfriesland ist die Welt nicht nur morgens um sieben noch in Ordnung und jeder Kicker schon vor dem Anpfiff ein Welt-Meister.

Dabei ist es eigentlich viel wichtiger, ob er gut boßeln kann. Klootschießen heißt das andernorts und war früher vermutlich mal ein probates Mittel, sich lästiger Feinde durch Werfen von Kleie-Klüten zu erwehren, von Klumpen, die aus dem schweren Marschboden geformt wurden. Schon Theodor Storms Schimmelreiter erwarb sich Ende des 19. Jahrhunderts erste gesellschaftliche Anerkennung, als er das Boßeln auf dem nordfriesischen Winterfest gewann.

Ziel des (Mannschafts-) Spiels ist es heute, eine mit Blei gefüllte Kugel aus Hartholz oder Kunststoff mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu werfen. Unvergessen der Jahrhundertwettstreit, als der kleine Eiderbund 2008 überraschend das Team aus dem benachbarten St. Peter-Ording besiegte, einen richtig echten Europameister. Da wurde Welt-Geschichte geschrieben.

Manchmal male ich mir aus, wie es wäre, wenn man einmal alle irren Kämpfer in der großen schrecklich eng gewordenen „weiten“ Welt (nur) mit Kleie-Klüten ausstatten könnte…

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In sets of two

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In letzter Zeit neige ich dazu, doppelt zu sehen. Menschen und Stühle zum Beispiel. Naja, vielleicht kein Wunder auf der Liebesinsel im Hamburger Stadtparksee… Aber während  ich gerade überlegte, mit welcher Überschrift ich die kleine Szene oben versehen könnte – „Zu zweit“ gefiel mir spontan – poppten auf einer meiner geliebten Alsterrunden gleich zwei Zwillingskinderwagen wie aus dem Nichts!

P1040875 Nein, nein, ich hatte nicht zu tief ins (Wein-)Glas geschaut… Das waren andere, ebenfalls an der Alster.

P1050209P.S. Diesen Beitrag widme ich N., die gerade stark den Wunsch nach Zweisamkeit verspürt.

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Rehe sind auch toll

P1050032Wer diesem Blog in den vergangenen Wochen gefolgt ist, weiß, dass ich mich neuerdings für Rothirsche interessiere. Ich habe hier und hier davon erzählt. Leider ist das Interesse bisher ganz einseitig. Die Geweihträger röhrten zwar mächtig, hielten sich ansonsten aber bedeckt. Umso größer war meine Freude, als ich jüngst – noch ganz in Gedanken und vollkommen absichtslos (ich vermute, darin besteht das Geheimnis) – das anmutige Reh am Waldrand erblickte. So still stand es, dass ich mich fragte, ob es wohl der Feder von Joachim Ringelnatz entsprungen sei:

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
Still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
Morgens wieder vorbei
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise – ich atmete kaum –
Gegen den Wind an den Baum,
Und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.

P1050033Noch bevor ich schleichen und stipsen konnte, überkam das ganz kleine Reh ein ganz reales Bedürfnis. Doch nicht aus Gips…

P1050007Ich vermute, die meisten von euch (Ihnen) kennen die Zeichnung, in der ein Betrachter spontan und ganz sicher eine alte Frau und ein anderer Betrachter ebenso spontan und sicher eine junge Frau erkennt. So erging es mir, kurz nachdem ich das ganz kleine Reh seinen Geschäften überlassen hatte. Ich erblickte ein Schaf-Pferd, mitten im Wald. Ganz sicher. Ich machte ein Foto, betrachtete es später auf dem Computer-Bildschirm – und erkannte, dass man das auch anders sehen kann. Womöglich ist das intensive Hirsche-Spotten doch nicht ohne Auswirkungen geblieben…

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Was für ein Sound!

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Am Rande des Professormoors im Duvenstedter Brook bin ich schon vor ein paar Wochen herumgestreift – Zwischen Brut und Brunft. Jetzt beherrschen röhrende Hirsche weite Teile des Reviers, sobald es dämmert. Schon von weitem ist der eigenwillige Chor zu hören: P1040926brüllend, bellend, heulend, lockend. Erst auf der linken Seite, dann auch von rechts, aus dem Wald weiter hinten. Das geht jetzt wochenlang so. Wie mag sich der Förster am Ende der Saison fühlen? Auf dem Weg zu den Wild-Beobachtungsständen passieren wir sein Haus. Das Röhren wird fordernder jetzt und unsere Schritte schneller. Großes scheint sich irgendwo da vorn zu ereignen. Immer mehr Beobachter strömen zu den hölzernen Ständen. Tele-Equipment wird in Position gebracht, dann heißt es warten. Schauen und warten. Weiches Spätnachmittagslicht, das eben noch die große Wiese flutete, verliert sich mählich in der Dämmerung.

P1040928– Da, da bewegt sich was!

Fernglas vors Auge.

– Wo denn? Ich seh nichts.

– Doch, da hinten, guck mal, da, wo der Wald anfängt, da steht ein Baum…

Na, toll! Ich seh den Wald vor lauter Bäumen nicht. Schauen und Warten. Und Röhren.

– Da, da ist einer!

– Wo denn? Ich seh nichts.

– Doch, da hinten…

– Schon klar, aber geht das vielleicht etwas genauer?

– Siehst du die drei Büsche ziemlich dicht zusammen: Erst kommt so ein schmaler kahler, dann ein kleiner, etwas weiter hinten, dann der dicke puschelige, und wenn du von da leicht schräg nach hinten links guckst, da in das Rote, siehst du einen Baum…

Fernglas vors Auge. Unglaublich, wie sehr sich schon die Perspektiven von zwei unmittelbar nebeneinander stehenden Menschen unterscheiden! Schmaler kahler Busch, kleiner Busch, dicker puscheliger Busch… Mist, wo ist jetzt das Rote? Ob sie die rosa Wiesengräser gemeint hat? Und der Baum? Ah, da bewegt sich was…! Jetzt seh ich’s auch: Miniklein und ziemlich verschwommen, aber unverkennbar – da schubbert ein Hirsch sein Geweih an einem Baum. Zum Glück ist es einer mit einem dunklen Stamm, eine Erle vielleicht, das erleichtert das Wiederfinden zwischen all den weiß-flirrenden Birken drumherum.

P1040930Während Freundin C. unermüdlich durch das mit der Entfernung etwas überforderte Fernglas schaut – sie besitzt aus verschiedenen Afrika-Aufenthalten Erfahrung im Spotten wild lebender Tiere – verlegt sich W. mehr und mehr darauf, die Hirsche an ihrem Röhren zu unterscheiden. Besonders hat es ihr „der Lachende“ angetan. Der braucht nicht mehr zu kämpfen, sagt sie, der hat schon gewonnen.

P1040936Ich selbst habe ohnehin keine Probleme damit, „einfach nur so“ in eine schöne Landschaft zu blicken. Die Wiesen, „der weiße Nebel wunderbar“ und dazu das Röhren in Dolby Surround  – großartig! Der Förster ist womöglich gar nicht zu bedauern sondern sehr zu beneiden.

P1040939Hörprobe gefällig?

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