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In the light of recent events

IMG_5872aWeltanschauung ist nicht selten Mangel an Anschauung.

Ludwig Marcuse

oder – fast noch pointierter:

Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.

Alexander von Humboldt

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wünschte ich mir, dass die Neugier der Menschen auf die „Welt“ außerhalb und innerhalb der eigenen (Landes-)Grenzen blüht und gedeiht wie ein trockener Acker nach dem Regen. Es gibt so viel anzuschauen!

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Das 18. Kamel

P1080864Ein Scheich hatte drei Söhne und 17 Kamele. Er verfügte, dass nach seinem Tod der älteste Sohn die Hälfte, der mittlere Sohn ein Drittel und der jüngste Sohn ein Neuntel seines Besitzes, also der Kamele, erhalten sollte. Nach dem Tod des Scheichs begannen die Söhne, um die Kamele zu streiten, ohne jedoch eine Lösung zu finden. Ein zweiter Scheich ritt auf seinem Kamel vorbei und bot seine Hilfe an, die die drei Brüder gerne annahmen. Der Scheich fügte sein eigenes Kamel zu den 17 Kamelen des Verstorbenen hinzu. Anschließend übergab er dem ältesten Bruder neun Kamele, dem mittleren sechs und dem jüngsten zwei und ritt sodann auf seinem Kamel davon.

Es kann hilfreich sein, ein System für Impulse von außen zu öffnen. Plötzlich entsteht Bewegung. Neue Lösungen scheinen möglich. Ich weiß nicht, von wem die Geschichte mit den Kamelen ursprünglich stammt. Der österreichische Psychotherapeut Paul Watzlawick („Anleitung zum Unglücklichsein“) soll sie gern erzählt haben um zu verdeutlichen, was in einer Therapie passiert. Mir ist das Gleichnis vor Jahren im Rahmen meiner Ausbildung zur Mediatorin zum ersten Mal begegnet und jetzt wieder beim Aufräumen. Ein Königreich für ein Kamel!

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So schön norddeutsch

P1100210Radeln bis zum Horizont und dann immer weiter.

P1100231Mit den Wolken um die Wette tauchen.

P1100260Die nassen Flügel im warmen Wind trocknen lassen.

P1100384Endlos durch flaches Wasser waten.

P1100430Fischernetze auseinander tüdeln.

P1100391Sabbernden Kühen beim Wiederkäuen zusehen.

P1100436Vom Zweitwohnsitz in kommodigen Häuschen am Meer träumen.

P1100395Mysteriösen Spuren im Kornfeld folgen.

P1100423Morgens, mittags und abends „Moin!“ sagen, leicht zweisilbig, leicht singend: „Mo-oin!“. Klartext reden. Wenn auf ist, ist auf. Wenn nicht, dann nicht. Kein Gedöns.

P1100355P.S. Liebe Stefanie, hast du’s erkannt? Ich bin auf deinen Spuren u.a. durch die Geltinger Birk spaziert. So schön dort! Danke für diesen und andere wunderbare Kurzreisetipps hier bei uns im Norden.

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Keep going II

P1100437Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeute. Er wusste nichts und hatte nichts gehört. Beim Tore hielt er mich auf und fragte: „Wohin reitest du, Herr?“ „Ich weiß es nicht“, sagte ich, „nur weg von hier. Immerfort weg von hier, nur so kann ich mein Ziel erreichen.“ „Du kennst also dein Ziel?“ fragte er. „Ja“, antwortete ich, „ich sagte es doch: ‚Weg-von-hier’, das ist mein Ziel.“ „Du hast keinen Essvorrat mit“, sagte er. „Ich brauche keinen“, sagte ich, „die Reise ist so lang, dass ich verhungern muss, wenn ich auf dem Weg nichts bekomme. Kein Essvorrat kann mich retten. Es ist ja zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise.“

Franz Kafka: Der Aufbruch (1922)

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Die Farbe der Gnade

P1100118Immer sind es Bäume
die mich verzaubern

Aus ihrem Wurzelwerk schöpfe ich
die Kraft für mein Lied

P1100128Ihr Laub flüstert mir
grüne Geschichten

Jeder Baum ein Gebet
das den Himmel beschwört

P1100162Grün die Farbe der Gnade
Grün die Farbe des Glücks

Rose Ausländer: Die Bäume

P1100166Manchmal fällt es mir schwer, zur Ruhe zu kommen. Manchmal schnappe ich mir dann mein Fahrrad und trete fest in die Pedale. Manchmal lese ich Gedichte und spüre dem Geschmack von Worten nach. Manchmal treffen sich Lieblingsorte und Lieblingsdichter.

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Gekränktes Schaf

P1100112Sagt mir jetzt nicht: „Ich wohn doch in der Stadt,
wo soll ich da um Himmels Willen Schafe kränken?“
Ich gebe zu, dass das was für sich hat,
doch bitte ich euch trotzdem zu bedenken:

Ein gutes Wort ist nie verschenkt,
nicht nur bei Schafen, sondern überall.
Auch trefft ihr Schafe öfter als man denkt.
Nicht nur auf Wiesen. Und nicht nur im Stall.

Aus: Robert Gernhardt „Gesetzt den Fall, ihr habt ein Schaf gekränkt“

Vor Monaten wurde ich zufällig Zeugin, wie zwei Frauen im Hamburger Stadtpark ein Schaf aussetzten. Sie hatten lange und gern mit dem Tier zusammengelebt, erzählten sie mir. Nun aber sei es an der Zeit, es in andere Hände abzugeben. Am liebsten in Kinderhände, auf jeden Fall in aufmerksame. Wohl deshalb setzten sie das Schaf auf einen Ast, auf dass es nicht jedem Dahergelaufenen sogleich ins Auge springe. Seither schaue ich ab und an mal, ob es inzwischen ein neues Zuhause gefunden hat. Bei meinem letzten Besuch wollte das Schaf nicht mal mein Leckerli annehmen, so traurig war es, dass niemand aus der Großfamilie, die direkt unter ihm ein Grillfest feierte, auch nur einmal nach oben gesehen hatte. Wo ihr das Schaf trefft? Gleich neben der uralten Rotbuche in der Nähe vom Rosengarten…