
Die Welt hat kein Gesicht von greifbarer Gestalt.
Vor einem Kind malt sie sich stolz und wie ein Held,
Vor einem Greise ohne Durst, wie tausendjährig Holz so alt,
Den Dummen quält die Welt stets kopfgestellt.
Dem Kühlen und dem Stummen ist sie kalt versteint,
Die Schwachen fühlen sie als Tränensack, der greint.
Dem Trotzigen ist sie voll Mühlen, gegen die er ficht,
Dem Gütigen stets wohlgemeint voll Schwergewicht,
Dem Richter ist sie ewiges Weltgericht.
Ein unwirklich und tief Gedicht ist sie dem Dichter,
Verliebten lieblos oder voller Liebe;
Der Welt Gesicht sind aller Welt Gesichter.
Max Dauthendey: Der Welt Gesicht sind aller Welt Gesichter

Was für ein wunderschöner Text 🙂
Schön, dass er dir auch gefällt.
Aus welchem Buch stammt er? Bin neugierig auf noch mehr Gedichte von dem Dichter…
Das Gedicht habe ich aus dem Internet gefischt, ich fand es in der „Deutschen Gedichtebibliothek“ (https://gedichte.xbib.de/).
Vielen Dank für die Info 🙂
Gern.
Mir spricht das Gedicht auch aus der Seele, unfassbar ist die Welt, oh ja.
Und deine Fotos dazu passen sehr gut.
Einen lieben Gruss zum Wochenbeginn,
Brigitte
Danke, Brigitte, und herzliche Grüße zurück!