Wow! Ich habe ja schon manch ein Grab gesehen, aber so viel Prunk wohl noch nie. Gleich fünf goldene Kronen glänzen auf dem baldachinartigen Dach der letzten Ruhestätte von Trojano K., eine große in der Mitte und in jeder Ecke eine kleinere. Der Dachhimmel beschirmt eine riesige Granitplatte in der Form eines aufgeschlagenen Buchs. Die tonnenschwere Platte ist über und über mit Blumengestecken und Grablichtern bedeckt.
Wer die Inschrift liest, ahnt: Hier liegt einer begraben, der königlich geliebt worden sein muss. Und wahrscheinlich immer noch wird. Auf der Bank gleich neben dem Pavillon jedenfalls sitzen oft Angehörige, erzählt mir eine Anwohnerin, die gerade mit ihrem Hund vorbei spaziert. Da werde dann auch mal ein Schnaps getrunken, und auch dem Toten stelle man ein Gläschen auf die Grabplatte. Besonders an Weihnachten und Ostern werde ordentlich gefeiert.
Um Hamburgs vielleicht ungewöhnlichste Gräber zu sehen, muss man den Friedhof Diebsteich vom Haupteingang im Süden aus einmal komplett überqueren. Ganz im Norden, in dem Dreieck zwischen Bahngleisen und Holstenkamp, liegen die Grabstätten der Katholiken. Seit 1958 werden hier auch katholische Roma und Sinti bestattet, die eine ganz eigene Begräbniskultur pflegen.
Die Grabstätten sind zum Teil mehr als zwanzig Quadratmeter groß und bieten Raum für bis zu drei Meter tiefe gemauerte Gruften, in denen Särge in zwei bis drei Lagen übereinander Platz finden. Die Deckplatten bestehen, ebenso wie Säulen und steinerne Umfriedungen, meist aus poliertem Granit. Bäume und Büsche, aber auch Medaillons mit den Porträts der Verstorbenen spiegeln sich darin auf das Schönste.
Viel Gold, viele Rosen sind zu sehen. Vereinzelt geben Abbildungen von Geigen, Gitarren oder Pferden Hinweise darauf, womit sich die Verstorbenen zu Lebzeiten beschäftigt haben.
Dass nicht nur Trojano K. regelmäßig Besuch bekommt, zeigt der üppige Schmuck auch auf anderen Gräbern. Auffällig sind die vielen Grablichter, aber auch Kreuze und bemalte Ostereier baumeln an Zweigen und Engelstatuetten.

Das ist ja fast unglaublich! Nein, solche Grabstätten habe ich noch nie gesehen in dieser bombastischen Üppigkeit. Danke fürs Zeigen und die diesbezügliche Horizonterweiterung.
Einen lieben Gruss zum Wochenbeginn,
Brigitte
Es ist mir ein Vergnügen, Brigitte! Ich freue mich immer sehr, wenn ich mit meinen Streifzügen nicht nur eigene sondern gleich auch noch fremde Wissenslücken verkleinern kann.
Ostereier? Faszinierend, als Fruchtbarkeitssymbol auf einem Grab ?
Ich vermute, dass es schon eher um Auferstehung als um Fruchtbarkeit geht und die Ostereier (du siehst sie auf dem untersten Bild an dem Strauch ganz links) einfach ein dekoratives Mitbringsel sind. An Weihnachten sollen auf den Gräbern sogar bunte Teller mit Gebäck und Schokolade zu sehen sein.
Da leben die Toten mit. Wie in Mexico. Spannend wo diese Traditionen herkommen
Sehr spannend, ja. Mir gefällt gut, dass der Tod in manchen Kulturen weniger tabuisiert wird. Die Toten behalten ihren Raum, und das Leben geht weiter.
Diese Grabstätten würde ich gerne besuchen.
Dann nichts wie los!
Ich wollte schon immer mal nach Hamburg!
ganz besonders. Gefällt mir sehr.
Wie schön, Gerda. Ich selbst habe eine Weile gebraucht, um durch den Glanz und Bombast die Geschichten zu sehen und zu hören, die diese Gräber erzählen.