Wo hier aus den felsichten Grüften
Das silberne Bächelchen rinnt,
Umflattert von scherzenden Lüften
Des Maies die Reize gewinnt,
Um welche mein Mädchen es liebt
Das Mädchen so rosicht und froh
Und oft mir ihr Herzchen hier gibt,
Wenn städtisches Wimmeln sie floh;
Da wachsen auch Erlen, sie schatten
Uns beide in seliger Ruh,
Wenn wir von der Hitze ermatten
Und sehen uns Fröhlichen zu.
Aus ihren belaubeten Zweigen
Ertönet der Vögel Gesang
Wir sehen die Vögelchen steigen
Und flattern am Bache entlang.
O Erlen, o wachset und blühet
Mit unserer Liebe doch nur
Ich wette, in kurzer Zeit siehet
Man euch als die Höchsten der Flur.
Und kommet ein anderes Pärchen,
Das herzlich sich liebet wie wir
Ich und mein goldlockiges Klärchen,
So schatte ihm Ruhe auch hier.
Novalis (1772 – 1801): Die Erlen
Kein Mai mehr, keine „felsichten Grüfte“, aber die Erlen „am silbernen Bächelchen“, sie „schatten“ wohl auch im Sommer…

Das Brückenbild müsste in S/W auch super rüber kommen.
Stimmt, ich habe es gerade mal ausprobiert. Fast noch besser gefällt mir, das Foto nicht ganz zu „entfärben“ sondern einen kleinen (blassen) Rest von dem Grün zu erhalten. Danke für den Besuch.
Das höre ich doch gerne. Stellst du es online? Würde mich interessieren, es zu sehen.
Gern bei nächster Gelegenheit. Die kleine Episode vom Erlengrund ist ja jetzt „auserzählt“.
Dann warte ich mal auf deine Nachricht 🙂
Ein wunderbarer Ort. Man spürt „die selie Ruh“ bis hierher.
Schönen Gruss,
Brigitte
Wie schön, dass sich die Ruhe auch virtuell überträgt, Brigitte! Es ist tatsächlich ein besonderer Ort: gar nicht sehr groß, aber sobald man ihn betritt, ist man in einer anderen Welt.
Es sollte natürlich „selige Ruh“ heissen, sorry.
Ja, der Ort muss sehr, sehr schön sein. Er mutet fast magisch an.