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Tanz der Buchstaben

Art and Alphabet“: Der Titel ist etwas nüchtern, aber selten kam ich so inspiriert aus einer Ausstellung. Am liebsten hätte ich sofort zu Papier und Tusche gegriffen, um Buchstaben zu erfinden, die Tänzern ähneln oder auch Herzrhythmusstörungen.

Was gab es nicht alles zu sehen und zu hören: Ein Küchenalphabet, das in Mord und Totschlag endet. Ein Gewürzalphabet, das leider nicht duftet, es sei denn, die Begleiterin kaut gerade Kaugummi. Ein Baum-Alphabet mit Paten so schön wie ein Gedicht: Tree of Heaven, Umbrella Tree…

Buchstaben, die sich im offenen Raum auflösen und andere, die Berge und Treppen formen. Meterlange Briefe an „Frau Stoffers, liebe Mutti“ mit Notizen, die in einem engen Geflecht aus Zeilen, Notenlinien gleich, Begrenzung und Ruhe finden.

„K, K, K…“, tönt es in einer endlosen Schleife hinter der nächsten Ecke. Eigentlich eher „käi, käi, käi…“. Egal. Da versucht einer, mit seiner Zimmerpflanze zu kommunizieren. Ein paar Räume weiter schwimme ich durch ein Meer aus armenischen Worten. Mit jedem Schritt formen sich neue Wellen.

Sprechende Blumensträuße begegneten mir und ganz am Ende auch Aleph, mit dem alles beginnt.

„Art and Alphabet“: Eine Ausstellung, die ganz viel Spaß macht. Noch bis zum 29. Oktober 2017 in der Hamburger Kunsthalle.

18 Kommentare zu “Tanz der Buchstaben

    • Oje, liebe Gerda, nichts liegt mir ferner, als meine LeserInnen traurig zu stimmen!
      Gerade tauche ich etwas tiefer ein in das Werk einer der Künstlerinnen bei „Art and Alphabet“ – und verspreche schon mal, demnächst ein bisschen darüber zu schreiben.

  1. Ihr habt immer so schöne Ausstellungen in Hamburg, liebe Maren. Diese klingt mal wieder ganz nach meinem Geschmack, zumal mir gestern ein Bekannter empfohlen hat, wenn ich Arabisch lernen will, einen Kurs in Kalligraphie zu belegen, weil man in diesen viel mehr über die Kultur lernt als in den reinen Konversationskursen. Ich habe ja eine echte Schwäche für Kalligraphie, obwohl meine eigene Handschrift sehr zu wünschen übrig lässt und garantiert nicht als Kunst durchgeht. Liebe Grüße, Peggy

    • Eine ausgezeichnete Idee, liebe Peggy! Tatsächlich glaube ich, dass man gar nicht um Kalligraphie herumkommt, wenn man Arabisch lernen will. Das arabische Alphabet (und auch die Zahlen) sind ja ein großer ästhetischer Genuss. Dass sie ganz viel von der Kultur erzählen, glaube ich sofort. Ich habe mich vor Jahren selbst ein bisschen mit Kalligraphie beschäftigt und fand das „schöne Schreiben“ sehr erfüllend, aber auch ziemlich zeitaufwendig. So blieben Tusche und Feder irgendwann liegen. Durch den Besuch der Ausstellung habe ich Lust zu einem Neuanfang bekommen. Auch, weil die Schönheit der dort zu sehenden Hand-Schriften weniger in ihrer Perfektion als in ihrem lebendigen Ausdruck zu liegen schien. Also: Nur keine Hemmungen, was deine Handschrift angeht!

  2. Sehr gefällig präsentiert, man schreitet mit!
    Solche Schriftrollen wie die, die sich über den Boden weiter rollt, habe ich von der einen oder anderen Ausstellung in Erinnerung – leider weiß ich im Einzelfall, nicht woher.

  3. liebe Maren, vielen dank für diesen inspirierenden bericht! vielleicht schaffe ich es sogar, da hinzufahren, bis ende Oktober ist ja doch noch etwas zeit… danke…

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