Daß da abends plötzlich / ein Gewitterregen runterkommt / daß ich / nach draußen lauschend / am Küchenfenster steh / und den letzten Schluck / aus der Flasche trinke / daß du hereinkommst / weil du dich fürchtest / vor Donner und Blitz / daß du mir die Hand / auf die Schulter legst / und sagst: / „Du säufst dich nochmal tot!“
– das alles: / der Platzregen / vor dem wir geschützt sind / der Korkengeschmack im Mund / der Wein im Blut / deine Hand / und deine Stimme
das alles / könnte mich / dazu verlocken / einen Augenblick lang / meine Angst / mit dir zu teilen
Paul Kersten: Gewitter
(Aus: Die Verwechslung der Jahreszeiten. 1983)
Hervorragend, Maren! Das Foto ist ein Hingucker, habe lange kein so ein toll komponiertes Foto gesehen und das Gedicht ist die Krönung. Spitze! 🙂
Wie ich mich über deine Worte freue, Dina!!! Ich möchte keines von ihnen relativieren, aber die Komposition war ziemlich spontan – die kleine Kompakte, die zum Glück auch lichtstark und schnell ist, habe ich praktisch immer griffbereit. Hier war es übrigens so, dass mir zuerst das Gedicht (wieder) in die Hände gefallen war und ich dann das Bild dazu gesucht habe. Es ist von März 2016.
liebe maren, dies ist ein wundersames foto. so filigran und zart die bäume. der weite himmel. so schön! DANKE. lieben gruß zum sonntagabend, pega –
Schön, wie du das Bild beschreibst, Pega. Dann passt es wirklich zu dem Gedicht. Lieben Gruß zum Wochenauftakt!
Wunderschön, diese sand-karamelfarbenen Wolken und das vorsichtige Gedicht. Eine echte Maren-Komposition ….
Mmmmh, bei so viel Lob werde ich richtig verlegen… 🙂
🙂
Wundervolles Bild ich mag besonders das Licht.
Freut mich, Robert.
ergreifendes poem und ein ganz tolles foto. (ich freue mich mal wieder, dass du den fotoapparat dabei hattest. 🙂 einen guten start in die woche wünsche ich dir.
Der Autor läuft mir seit der Lektüre seines Erstlings „Der alltägliche Tod meines Vaters“ immer mal wieder „über den Weg“. Er schreibt viel über den Tod, über Abschiede und Vergänglichkeit, sehr genau, oft atmosphärisch dicht wie in dem hier zitierten Gedicht, gelegentlich fast unangenehm sezierend. Auch dir eine gute Woche!
Das Poem geht wirklich durch und durch, bis zum Schluß.
Ich kenne ziemlich viele Lyriker, aber ihn kannte ich noch nicht. Ich freue mich, ihn hier durch Dich kennen gelernt zu haben. Danke fürs Vorstellen. Vielleicht finde ich ja mal irgendwo einen Gedichtband von ihm. Liebe Grüße und komm gut durch die Woche.
Habe mir gerade das „Der alltägliche Tod meines Vater“, sowie einen Gedichtband bestellt, beide gut gebraucht und gute Hände abzugeben, meine. 🙂
An den guten Händen habe ich keinen Zweifel. Da brauche ich dir nur noch eine gute Lektüre zu wünschen – und ebenfalls eine gute Woche natürlich!
ich danke dir, liebe maren. 🙂
Ich lese gerade den alltäglichen Tod meines Vaters (den Gedichtband hab ich zuerst gelesen, es ist genau der, aus dem Du das Gedicht zitiert hast).
Schönen Sonntag Dir, liebe Grüße von hier nach da.
Wie gefällt dir denn das Gelesene?
Tatsächlich bin ich überraschenderweise mehr von der Prosa, als von der Lyrik angetan. Du hast hier das, wie ich finde, berührendste und schönste Gedicht zitiert (vielleicht werde ich alle noch mal nach dem alltäglichen Tod lesen). Die Prosa ist sehr berührend, er geht sehr in die Tiefe und es gefällt mir sehr. Danke noch mal an Dich für den Tipp. 🙂 Wie ist denn dazu Deine Leseerfahrung, wenn ich fragen darf? Liebe Grüße und gute Woche Dir.
Und wie du fragen darfst! Es ist allerdings Jahrzehnte her, dass ich den „alltäglichen Tod“ las – im Anschluss an eine Lesung des Autors, die ich als junge Zeitungsvolontärin besuchte (besuchen musste), nachdem ich am selben Tag den VW Käfer des Verlags geschrottet und am eigenen Leib erfahren hatte, wie schnell ein Leben am seidenen Faden hängen kann. Ich kann mich nicht mehr an jedes Detail erinnern, aber ich weiß noch, dass der Text mich, vielleicht auch aufgrund der Begleitumstände, damals sehr erreicht hat. Durch das Buch habe ich wohl zum ersten Mal gefühlt, dass eine Beziehung, die zu Lebzeiten eines Menschen nicht da war, nach dessen Tod nicht mehr hergestellt werden kann. Auch dir eine gute Woche!
Danke! Wow. Ja, solche Erfahrungen verändern etwas im Innern. Danke fürs Teilen Deiner (Lese-)Erfahrung, liebe Maren. Dein Fazit finde ich wesentlich.
Stimmungsvoll. Ich würde es als Poetische Fotografie umschreiben. Eine feine Melange aus Wort und Bild die angenehm nachklingt. Und natürlich das zarte, blässliche Licht…
Danke dir, Stefan – besonders für die „Poetische Fotografie“, für die du ja auch ein Faible hast. Hier im Blog hatte ich mich wegen des angestrebten Gleichgewichts zwischen Bild und Text für die Rubrik „Fotografie und Poesie“ entschieden. Schöner ist natürlich dein Titel.
Tolle Integration von Text und Bild!
Freut mich, Lu.
☺
wow, Foto und Text sind toll! 🙂
Schön, dass sie dir gefallen, Annette.
Liebe Maren,
„Poetische Fotografie“ – da schließe ich mich an. Du hast wirklich den besonderen Blick, um immer wieder ganz besondere Perspektiven einzufangen.
Viele Grüße, Claudia
Das höre (lese) ich wirklich gern, Claudia. Danke und schöne Montagsgrüße!
Da fehlen mir die Worte … sehr berührend finde ich das Gedicht. Au mann!
Ich weiß… auch ohne Worte.
Ein ganz, ganz tolles Foto!
Danke, Eva.
Wehmütig stimmt mich der Text, freudig das Bild …
Herzensgrüsse sende ich dir
Ulli
Ach ja, die Wehmut, Schwester der Sehnsucht. Erinnert uns an das, was wir kannten und liebten. Ein Glück! Die Erinnerung selbst und was wir aus ihr machen. Aber jetzt erstmal ganz unphilosophisch viel Freude und gutes Gelingen beim Handwerkern, liebe Ulli! Bei mir ist auch seit Wochen Baustelle und ich genieße die Arbeit (meistens) und die wachsende Schönheit (immer).
Liebe Maren, die wachsende Schönheit geniesse ich auch und die ist es, die mich trägt, wenn ich wieder einmal mit der Schrubbbürste unterwegs bin. Auch ich wünsche dir gutes Gelingen und uns beiden danach ein Wohlfühlheim. Herzlichst
Ulli
Was für ein Foto, liebe Maren! Es kann mich / dazu verlocken / einen Augenblick lang … man kann diesem Punkt sehr nah kommen, wie in dem Gedicht, aber da bleibt es Blaue Blume, was ein Schrittchen weiter, fast das selbe ist und doch ganz anders … / … mein Vertrauen mit dir zu teilen.
Da ist nur das „könnte“ mutiert.
Ich kann’s halt nicht lassen, bitte um Nachsicht,
und dir ein wunderschönes Wochenende,
Michael von anbei
Du hast Recht, Michael, dieses „könnte“, zumal im Zusammenspiel mit dem weiter begrenzenden „einen Augenblick“ lang, lässt die Szene wie bloße Sehnsucht klingen. Dennoch vermute ich, dass damit vor allem die Größe der Angst ausgedrückt werden soll. Was mich nach der Lektüre deines Kommentars beschäftigt: Braucht es denn auch Mut, sein Vetrauen zu teilen?
Und, bitte, spiel auch in Zukunft alle Blog-Bälle zurück, die du auffängst! Ich freu mich sehr darüber. Sonnige Grüße zum Wochenende!
Warum wird die Angst groß? Weil wir sie nicht teilen. Und wenn wir sie wirklich teilen, teilen wir doch eigentlich unser Vertrauen und eben nicht die Angst! Angst ist Nichtteilen. Also meine Antwort wäre: Ja, Vertrauen teilen braucht den Mut, über die Angst hinauszugehen.
Danke für deine Freude, das freut nun mich wiederum sehr! Dieselbe Sonne wünsch‘ ich dir auch! 🙂
Lieber Michael, ich hake ein bisschen an dem Wort „teilen“ fest, in dem, so wie ich es verstehe, schon die (positive) Resonanz des Gegenüber steckt, während es ja recht eigentlich erst einmal darum geht, dass sich einer zeigt, mit seiner Angst zum Beispiel, und so zulässt, „durchschaut“, aber eben auch „erkannt“ zu werden. Ach, es ist nichts an den Worten gelegen, die Essenz, so scheint mir, unterscheidet sich gar nicht sehr: Der Angst geht die Puste aus. Wenn es nur nicht so viel Mut dafür bräuchte. 😉
Und an der Stelle geht ja auch den Worten selbst „die Puste aus“ , wie wohltuend, und dann ist gleich-gültig geworden, wie wir das genannt haben, wo wie jetzt einfach für einen Moment gemeinsam sind: jenseits der Angst. Athmend statt pustend.
Das fühlt sich gut an.
Total schöööön!
Foto und Text….perfekt.
Kurz. Knackig. Herzerfrischend.
Danke!
😉