Neulich im Innenhof des Hamburger Rathauses. Ich habe ein bisschen mit Doppelbelichtungen gespielt – und gestaunt, wie leicht man dem Neorenaissance-Bau sogar mittelalterliches Flair verleihen kann.
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Perspektivwechsel
Um es gleich zu sagen: Auf Jahrmärkte zieht mich schon eine Weile nichts mehr. Dabei war der ländliche Herbstmarkt meiner Kindheit richtig toll. Für ein „Prost Jahrmarkt!“ gab es von Mutter und Vater, Oma und Opa und allerlei Tanten und Onkel, mit denen man nicht unbedingt verwandt sein musste, einen Marktgroschen, der anschließend sofort in einen Ritt auf dem Karussellpferd oder eine Fahrt mit der Schiffsschaukel umgesetzt wurde, in Zuckerwatte, rot-gelb-weiße Lutschstangen und Liebesäpfel, die außen schrecklich süß und innen viel zu sauer waren. Oh, wie mich der „billige Jakob“ faszinierte! Und erst die Pferdehändler, deren Hände im Verlauf des Tages immer roter wurden von all dem Abklatschen, das das Feilschen mit den Käufern begleitete…
Den Hamburger Dom, der ja keine Kirche sondern ein „Vergnügungspark“ ist, habe ich nicht mehr besucht, seit mein Patenkind alt genug ist, um mit einem „Marktgroschen“ und ihren Freundinnen allein hinzugehen. Ich mag es einfach nicht (mehr), wenn mir alle paar Meter ein anderer Schlager in den Ohren dröhnt, wenn eine monotone Stimme säuselt „Ja, das ist toll! Ja, das macht Freude!“ und der Geruch von Frittierfett denjenigen von frisch gebrannten Mandeln unter sich begräbt. Die „Karussells“ sind mir zu hoch oder zu schnell, meistens beides. Und so richtig vergnügt sehen auch die wenigsten Besucher aus, finde ich, von den Budenbesitzern und Fahrgeschäftebetreibern ganz zu schweigen.
Vor ein paar Tagen war ich dann doch mal wieder da. Jemand, der die Welt vorzugsweise durch die Objektive seiner vielen Kameras betrachtet, hatte mir empfohlen, auf den Dom zu gehen, wenn noch alles geschlossen ist, am besten an einem richtig sonnigen Tag… Was soll ich sagen: Ein Jahrmarkt-Fan wird aus mir nicht mehr werden, aber ich habe festgestellt, dass es zwischen den verklärten Bildern meiner Kindheit und der pauschalen Laut-grell-und-irgendwie-billig-Ablehnung meines Erwachsenen-Ich vielleicht noch andere Perspektiven gibt. Interessante Verbindungen auf Zeit mit Hamburgs Architektur zum Beispiel: Da reihen sich Schwingschaukeln und Freifalltürme ganz selbstverständlich zu einer Skyline mit dem Fernsehturm. Der Michel verschmilzt mit Riesenrad und Karussells zu einer Szene wie aus dem Modellbaukasten. Und die „Sünde“ ist vor der Kulisse des riesigen alten Luftschutzbunkers an der Feldstraße womöglich doppelt süß…
Die Blätter fallen…
Schreibtisch im Wald
So ganz hat es mit dem Herbeiwünschen restsommerlicher Temperaturen ja leider nicht geklappt. Aber dafür ließ es der Himmel über Hamburg gestern ordentlich krachen. Dräuende Wolken, Licht- und Schattenspiele und ein Sonnenuntergang vom Feinsten. Ich nehme an, in dem Bürogebäude an der Alster wird zurzeit vor allem in den oberen Etagen gearbeitet. Und ein paar Häuser weiter stehen genau die in Flammen. – Sooo beklagenswert sind auch die Temperaturen übrigens gar nicht: Gerade habe ich bei strahlendem Sonnenschein und Windschatten einen Kaffee auf dem Balkon genossen. Und jetzt wärme ich mich am Schreibtisch wieder auf…
Noch einmal…
Noch ungestürmt
Erst wenige Tage ist es her, da war die Luft so „still, als atmete man kaum“, wie der Dramatiker und Lyriker Friedrich Hebbel in seinem schönen Gedicht „Herbstbild“ schrieb. Die Früchte fielen „raschelnd fern und nah“, einfach weil sie reif waren. Da wurde nichts aufgehalten, nichts beschleunigt. Jetzt zerren die ersten Herbststürme an den Bäumen, dass man sich freut, wenn zumindest keine dicken Äste herunterkrachen. Auch das Apfelbäumchen im Garten meiner Freundin W. wird mittlerweile deutlich kahler aussehen, dafür aber auf einem leuchtenden Teppich stehen. Derart rotwangig sind seine Früchte, dass wohl selbst der Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland schwach würde. Spätestens bei W.s Apfelkuchen, denn der ist einfach unvergleichlich. – Weiß doch jeder, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen soll…
Von der Sonne geküsst II
Von der Sonne geküsst
In ihrer Ordnung
Der Sommer war sehr groß
„Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.“
Der Sommer ist zu Ende. Unverkennbar. Eine letzte Beschwörung will ich noch wagen – mit Bildern von warmen Tagen und ein paar Zeilen aus Rilkes „Herbsttag“.






















