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Aschermittwoch

P1060867Vorhin in der Buchhandlung um die Ecke. „Wollen Sie Bilder vom Karneval sehen?“ fragt mich der Buchhändler. „Muss nicht“, antworte ich und lächle verbindlich. „Ach, kommen Sie, sagen Sie ja!“ Und schon flimmern phantasievoll bemalte Gesichter über den Monitor, auf dem sonst nur die Maske für die Buchbestellungen zu sehen ist. Der Buchhändler ging als Geisha – soviel sei verraten. Die knallroten Pumps standen noch unter dem Ladentisch. Da behaupte noch mal einer, wir Norddeutschen hätten keinen Sinn für Humor…

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Nicht nur für Fischköppe

Peter Schössow: Baby Dronte. München 2008

23321164zHimmel, jetzt ist es schon wieder Wochen her, dass ich Selma und Josef Schaf ausgegraben habe. Bevor sie und die anderen sutsche (norddeutsch für: langsam, gemächlich, ruhig) wieder zustauben, will ich wenigstens noch von Baby Dronte erzählen, einem meiner allerallerliebsten Bilderbücher, und das bestimmt nicht nur, weil die Geschichte im Hamburger Hafen spielt.

Jahrelang hatten Käpt’n Horatio Lüttich und seine Crew, bestehend aus Paul Zausenke, dem Smutje, und Hans-Ulrich Krittel, dem Maschinisten, „dem keiner das Schmieröl reichen  konnte“, mit der Krautsand (benannt nach der gleichnamigen Elbinsel) die großen Pötte in den Hafen gezogen, als ihr Schlepper eines Tages in einem Sturm leck schlug. 50.000 Mark soll die Reparatur kosten (das Buch wurde im vergangenen Jahrtausend zum ersten Mal aufgelegt), das gibt wenig Anlass zu Hoffnungen.

Während Käpt’n Lüttich noch über die Zukunft des Kahns und der Jungs grübelt, findet er im feuchten Elbsand ein gesprenkeltes Ei. Mitten in der Nacht schlüpft daraus ein Küken, pliert den Käpt’n an (die Duden-Definition des norddeutschen  Anplierens ist einfach genial: „jemanden mit verschleiertem Blick, blinzelnd und etwas dümmlich ansehen“) und krächzt: „Mama“.

Das Küken erweist sich als Angehöriger der seit dreihundert Jahren ausgestorben geglaubten Dronten, einem flugunfähigen Vogel aus dem Indischen Ozean. Käpt’n Lüttich, der von dem „Mama“-Gekrächze ohnehin ziemlich genervt ist, verkauft die ornithologische Rarität und lässt von dem Erlös seinen Schlepper reparieren. Aber natürlich haben er und die Jungs auch ein Herz. Schon bald vermissen sie ihr „Baby“, befreien es aus dem Zoo und nehmen auf der Krautsand Kurs Richtung Mauritius…

So ungefähr geht die Geschichte – witzig, handfest, voller Gefühl, aber kein bisschen kitschig. Und die Bilder dazu – die Krautsand im Sturm zum Beispiel und später auf der Flucht vor der Wasserschutzpolizei – sowas von klasse! Ich kann nur warnen: Wer einmal anfängt mit dem Lesen und Gucken, kommt nicht mehr von dem Buch los, egal ob Fischkopp oder nicht. Und auch egal, wie alt er oder sie ist. Ich habe mit diesem wunderbaren Buch Vierjährige ebenso erreicht wie demente alte Menschen. Irgendwie scheint sich jeder genau das daraus zu nehmen, was für ihn passt.

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Reading Wondratschek

Sie war nicht mehr jung genug
für falsche Entscheidungen.

P1060248Ich war immer schon die, die sich jetzt tötet.

Ich habe aufgehört, etwas zu wollen,
krank vom Gekreisch der Kraft.

P1060253Du hörst einen Menschen weinen; das bist du.
Du hörst deinem eigenen Weinen bald ohne Tränen zu.

P1060481Als die Farben von der Liebe fielen,
war sie zum Berühren viel zu schwer.

Aus: Wolf Wondratschek: „Mein Tod. Requiem in memoriam Jane S.“

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Winter, ganz zart

P1060721Gefroren hat es heuer
noch gar kein festes Eis;

P1060711das Büblein steht am Weiher
und spricht so zu sich leis:

P1060714Ich will es einmal wagen,
das Eis, es muss doch tragen.-
Wer weiß?

Aus: Friedrich Güll „Vom Büblein auf dem Eis“

P1060740Vor ein paar Tagen hielt der Winter nun auch in Hamburg Einzug – und verwandelte den Stadtparksee mit himmlischer Beleuchtungshilfe in einen gigantischen Malgrund im Freien.

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