Sitzen oder Nichtsitzen, das ist an Hamburgs Außenalster selten die Frage. Zwar sind inzwischen die meisten öffentlichen Bänke um den städtischen „Teich“ herum verwaist, aber vom Besuch eines Freiluft-Kaffeeausschanks lässt sich ein echtes Nordlicht auch im Winterhalbjahr allenfalls bei strömendem Regen oder Schneetreiben abhalten. Gegen die heraufziehende Kälte schützen Wolldecken, Heizstrahler und Glühwein, und ein Teebeutel oder Zuckerstreuer lässt sich auch mit Handschuhen prima händeln.
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Zum Davonlaufen
Das Bild ist kürzlich in einem Fotokurs entstanden. Auf einem Streifzug durch die Innenstadt sollten wir dem „Rhythmus der Stadt“ nachspüren, Bewegung und Ruhe im Bild festhalten, mit langen Belichtungszeiten und verwischten Strukturen arbeiten, mal mit Stativ, mal aus der Hand und gern auch „aus der Hüfte“ fotografieren. – Was es zu diesem Bild zu sagen gibt? Mir wurde einmal mehr die Bedeutung des richtigen Moments bewusst. Und dass eine Viertelsekunde verdammt lang sein kann, wenn man sie in der Hand hält… Ich mag das Bild, unperfekt wie es ist. Schon wegen des Turbo. Mit dem kann man dem ollen Grau, das den bisher recht goldenen November abgelöst hat, richtig gut davonlaufen.
Perspektivwechsel
Um es gleich zu sagen: Auf Jahrmärkte zieht mich schon eine Weile nichts mehr. Dabei war der ländliche Herbstmarkt meiner Kindheit richtig toll. Für ein „Prost Jahrmarkt!“ gab es von Mutter und Vater, Oma und Opa und allerlei Tanten und Onkel, mit denen man nicht unbedingt verwandt sein musste, einen Marktgroschen, der anschließend sofort in einen Ritt auf dem Karussellpferd oder eine Fahrt mit der Schiffsschaukel umgesetzt wurde, in Zuckerwatte, rot-gelb-weiße Lutschstangen und Liebesäpfel, die außen schrecklich süß und innen viel zu sauer waren. Oh, wie mich der „billige Jakob“ faszinierte! Und erst die Pferdehändler, deren Hände im Verlauf des Tages immer roter wurden von all dem Abklatschen, das das Feilschen mit den Käufern begleitete…
Den Hamburger Dom, der ja keine Kirche sondern ein „Vergnügungspark“ ist, habe ich nicht mehr besucht, seit mein Patenkind alt genug ist, um mit einem „Marktgroschen“ und ihren Freundinnen allein hinzugehen. Ich mag es einfach nicht (mehr), wenn mir alle paar Meter ein anderer Schlager in den Ohren dröhnt, wenn eine monotone Stimme säuselt „Ja, das ist toll! Ja, das macht Freude!“ und der Geruch von Frittierfett denjenigen von frisch gebrannten Mandeln unter sich begräbt. Die „Karussells“ sind mir zu hoch oder zu schnell, meistens beides. Und so richtig vergnügt sehen auch die wenigsten Besucher aus, finde ich, von den Budenbesitzern und Fahrgeschäftebetreibern ganz zu schweigen.
Vor ein paar Tagen war ich dann doch mal wieder da. Jemand, der die Welt vorzugsweise durch die Objektive seiner vielen Kameras betrachtet, hatte mir empfohlen, auf den Dom zu gehen, wenn noch alles geschlossen ist, am besten an einem richtig sonnigen Tag… Was soll ich sagen: Ein Jahrmarkt-Fan wird aus mir nicht mehr werden, aber ich habe festgestellt, dass es zwischen den verklärten Bildern meiner Kindheit und der pauschalen Laut-grell-und-irgendwie-billig-Ablehnung meines Erwachsenen-Ich vielleicht noch andere Perspektiven gibt. Interessante Verbindungen auf Zeit mit Hamburgs Architektur zum Beispiel: Da reihen sich Schwingschaukeln und Freifalltürme ganz selbstverständlich zu einer Skyline mit dem Fernsehturm. Der Michel verschmilzt mit Riesenrad und Karussells zu einer Szene wie aus dem Modellbaukasten. Und die „Sünde“ ist vor der Kulisse des riesigen alten Luftschutzbunkers an der Feldstraße womöglich doppelt süß…
Schreibtisch im Wald
So ganz hat es mit dem Herbeiwünschen restsommerlicher Temperaturen ja leider nicht geklappt. Aber dafür ließ es der Himmel über Hamburg gestern ordentlich krachen. Dräuende Wolken, Licht- und Schattenspiele und ein Sonnenuntergang vom Feinsten. Ich nehme an, in dem Bürogebäude an der Alster wird zurzeit vor allem in den oberen Etagen gearbeitet. Und ein paar Häuser weiter stehen genau die in Flammen. – Sooo beklagenswert sind auch die Temperaturen übrigens gar nicht: Gerade habe ich bei strahlendem Sonnenschein und Windschatten einen Kaffee auf dem Balkon genossen. Und jetzt wärme ich mich am Schreibtisch wieder auf…
Noch einmal…
Von der Sonne geküsst II
Von der Sonne geküsst
In ihrer Ordnung
Entschädigung
Eigentlich hatte ich ein paar Tage mit Freunden durch Ostdeutschland radeln wollen, mich dann aber an den Schreibtisch „gekettet“, weil der Wetterbericht dauerhaft anthrazitfarbenen Himmel prophezeite. Die Freunde vermeldeten inzwischen die zweite trockene Tagesetappe, und auch ich sah Licht und viele Farben – vom Schreibtisch aus.
























