
Es gab Leute, die erst etwas sagten und dann nachdachten – als gäbe dieses Wort eine zeitliche Abfolge vor. Leute, die während eines ganzen Abends keine einzige Frage stellten, und andere, die unablässig fragten, um das Gespräch von sich fernzuhalten. Es gab Leute, die einen widerlegten, andere, die einen bestätigten, und nur wenige hatten, wie Florentine und Hannes, jene Offenheit, die ohne Urteil auskam.
Eine Nacht im Pfarrhaus hatte gereicht, um Bene zu zeigen: Es gab nichts, was nicht wiederkam, nichts, was verlassen werden konnte. Er konnte die Zeit nicht in Büchern einschließen, alles lebte in ihm fort. Diese Küche hatte es getan, der Brunnen im Garten, und es war nichts Verwerfliches an der Sehnsucht, zu den Orten zurückzugehen, die einen geprägt hatten. Nicht, um einmal gefasste Überzeugungen zu bestätigen, sondern um abzugleichen, wo man unterdessen ein anderer geworden war.
Aus: Iris Wolff „Die Unschärfe der Welt“, Roman, Stuttgart 2020



















