Ich blick in mein Herz und ich blick in die Welt,
Bis vom schwimmenden Auge die Träne mir fällt,
Wohl leuchtet die Ferne mit goldenem Licht,
Doch hält mich der Nord, ich erreiche sie nicht.
O die Schranken so eng und die Welt so weit,
Und so flüchtig die Zeit, so flüchtig die Zeit.
Ich weiß ein Land, wo aus sonnigem Grün
Um versunkene Tempel die Trauben glühn,
Wo die purpurne Woge das Ufer beschäumt
Und von kommenden Sängern der Lorbeer träumt.
Fern lockt es und winkt dem verlangenden Sinn,
Und ich kann nicht hin, ich kann nicht hin.
O hätt‘ ich Flügel durchs Blau der Luft,
Wie wollt ich baden im Sonnenduft!
Doch umsonst! Und Stunde auf Stunde entflieht,
Vertraure die Jugend, begrabe das Lied.
O die Schranken so eng und die Welt so weit,
Und so flüchtig die Zeit, so flüchtig die Zeit.
Emanuel Geibel (1815 – 1884): Ich blick in mein Herz und ich blick in die Welt
Manchmal hab ich so Sehnsucht…
Liebe Maren,
Gedicht und Photo passen bestens zusammen. Von Geibel habe ich zum letzten Mal während meines Germanistik-Studiums gehört und da nur am Rande. Ich musste erst einmal nachschauem, was es mit ihm auf sich hat. Im 19 Jh. hatten die Dichter noch ein Gefühl für den anmutigen Rhythmus der Sprache, der dem ruhigen Rhythmus der Linien in deinem Foto entspricht.
Danke fürs Teilen
The Fab Four of Cley
🙂 🙂 🙂 🙂
Vielen Dank, Klausbernd. Freut mich, dass Text und Bild auch für dich gut zusammen schwingen. Ich kenne nicht allzu viele Gedichte von Emanuel Geibel, dieses finde ich besonders schön. Der Rhythmus nimmt auch mich mit – noch mehr, wenn ich mir die Zeilen laut vorlese. Herzliche Grüße aus dem stürmischen Hamburg!
Ich auch, liebe Maren ❤
Bleiben wir tapfer und geduldig, auch wenn es immer wieder schwer fällt.
Herzensgrüße an dich, Ulli
Danke, liebe Ulli, es tut wohl, sich mit seinen „Befindlichkeiten“ in guter Gesellschaft zu wissen. Und die Welt wird auch wieder weit, ganz sicher. 😉 Herzliche Grüße zurück zu dir!
Ja, „so flüchtig die Zeit“! Wir müssen sehr sorgsam mit ihr umgehen.
Danke für das traumhaft schöne Sehnsuchtsbild und das wunderbare Geibel-Poem!
Lieben Gruss,
Brigitte
Ich danke d i r , Brigitte. Hab eine gute Zeit!
Ein traumhaftes Bild!
LG Bernhard
Vielen Dank, das freut mich sehr.
Nun habe ich diesen Beitrag schon mehrfach aufgerufen und erfreue mich jedes Mal aufs Neue über Bild und Gedicht. Ich werde mir die Zeilen niederschreiben. Sie berühren mich sehr. Vielen Dank!
Oh, du hast gleich ein paar Mal vorbei geschaut, wie nett! Viel Freude mit dem Gedicht – und einen guten Start in die neue Woche!
Vielen Dank! Den wünsche ich dir auch!
Die innere Stimme ruft nach Sehnsucht. Der Blick in dieser weiten Ferne zu erblicken zeigt auf den Foto das hinter dem Horizont es noch lange kein Ende liegt.