Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.
Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.
Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.
In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir als hör‘ ich Kunde wehen,
dass alles Sterben und Vergehen
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.
Nikolaus Lenau (1802 – 1850): Herbst

Ein sehr schönes Gedicht von Nikolaus Lena, das auch perfekt zu diesem so viel Ruhe, durch das zarte Sonnenlicht auch Zuversicht ausstrahlenden Herbstbild passt.
Liebe Grüße von Hanne
Das Licht war wirklich sehr zart. Schön, dass du es gesehen hast!
Schöne Fotos!
Danke, das freut mich.
Bei Lenau rechne ich immer erstmal mit viel Düsternis und Bedrückendem – aber hier gleitet es schön sanft ins Hoffnungsfrohe. Und Deine Fotografie ist sehr stimmungsvoll.
Mit Lenau geht es mir ähnlich wie dir, Anna. Als ich sein Herbst-Gedicht las, rechnete ich mit schwerer Melancholie – und stelle mir nun vor, dass er vor 200 Jahren vielleicht durch einen ganz ähnlichen Zauberwald spazierte wie ich…
Ein wunderbares Herbstgedicht: weder depressiv noch religiös !
Und dann auch noch von einem Österreicher geschrieben! 😉
Das habe ich noch gar nicht berücksichtigt 🙂
Deine Fotos atmen den Geruch des modrig-feucht herbstlichen Waldes – toll!
Genau so roch es. Und ganz still war’s. Danke für dein feines Feedback.
welch schöne Bilder zum Text!
Vielen Dank. Freut mich, dass sie dir gefallen.
mir gefallen auch bild und gedicht. war das ganz früh am morgen, als du das fotografiert hast?
Nein, der Nebel legte sich am Nachmittag ganz sanft auf die Harburger Berge. Frühmorgens schaffe ich es selten raus. 😉
ja, das kenne ich gut, liebe maren. der frühe vogel ist zu schwer um abzuheben in der früh. *gg*
Deine wunderschönen Waldbilder sind ein würdiger Rahmen für das zauberhafte Lenau-Herbstgedicht.
Danke für beides und lieben Gruss,
Brigitte
Es ist mir ein Vergnügen, Brigitte. Danke für dein poetisches Kompliment.
Wenn „Sterben“ und „Sanftheit“ zusammenfinden und man dabei aufathmet, dann muss wohl irgendwo ein Licht durch die Nebel voreingenommener Wörter gefallen sein.
Wunderschönes Gedicht und ein Bild wie dazu gemacht. Danke dir, liebe Maren!
Wie schön, von dir zu lesen, lieber Michael – noch dazu so einfühlsame Worte! Herzliche Grüße in die Nachbarschaft!
Das Gedicht hast Du gut ausgesucht. Es passt hervorragend.
Freut mich, dass dir die Zusammenstellung gefällt.