Böige Winde fegen ums Haus. Im Flur tuscheln die Schirme der Nachbarn. Eine Autostunde später begehen blassblaue Wolken reihenweise Selbstmord zwischen schmutzigbraunen Ackerfurchen.
Schon blicke ich in die Schwarze Kuhle. Moorgewässer tragen die verheißungsvollsten Namen. Grundloser See zum Beispiel. Oder eben: Schwarze Kuhle. „Fest hält die Fibel das zitternde Kind / Und rennt, als ob man es jage; / Hohl über die Fläche sauset der Wind – / Was raschelt drüben am Hage? …“
Die Schwarze Kuhle gehört zum Naturschutzgebiet Salemer Moor im Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein. Der See ist fast vollständig von Wald umgeben. Direkt an das Ufer schließt ein mehrere Meter breiter Schwimmteppich aus Moosen und Gräsern an. Hu! Bloß nicht drauf treten. Es könnte der letzte Schritt sein.
Dann kommt der Wald. Buchen zumeist. Eine scheint sich selbst umarmen zu wollen. Eng presst sie die knotigen Äste an den elefantenhäutigen Stamm. Klamm ist die Luft und die Waldbade-Saison, die auch dem ein oder anderen Baum eine Umarmung eingetragen haben mag, wohl schon vorbei. Kurz raste ich auf einer Bank. Auch ihre Oberfläche ein Teppich aus Moos.
Schwarze Kuhle. Plötscher See. Garrensee. Im Garrensee darf man an drei Stellen baden. Im Sommer ließ ich mir das nicht zweimal sagen. Im Sommer… So lang scheint das her zu sein. Die Sonne brannte vom Himmel und der dunkle See mutete südländisch-licht an. Für ein paar Schritte jedenfalls, bevor sich der Sand unter den Füßen unvermittelt ins Grundlose stürzte und mich mit einem Juchzen in die überraschend kalte Waagerechte.
Um die Ecke ankern riesige neongrüne Baumwurzeln im schlüpfrigen Boden. In liegenden Achten mäandere ich um Seen und Sümpfe, hügelauf und hügelab.
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Nur Bilder im Kopf dieses Mal. Kommt gut in die neue Woche und bleibt gesund!
Allein Deine Worte zaubern wunderbare Bilder. Konnte mir die Schwarze Kuhle gut vorstellen. Wünsche Dir einen guten Start in die Woche. Liebe Grüße, Susanne
Das freut mich, liebe Susanne. Eine gute Woche dir!
Ja zauberhafte Bilder zaubern die Worte, da kann ich mich nur anschließen.
Wie schön, vielen Dank!
Das ist grosses Kino. Und ich lerne eine Landschaft kennen, von der ich noch nicht mal gehört habe…
Lieben Dank und schöne Montagsgrüsse,
Brigitte
In diesen Zeiten müssen wir Cineasten kreativ sein, Brigitte. 😉 Freut mich, dass die Bilder deine innere Leinwand gefunden haben.
Auch mal schön, nur mit den Augen und dem Herzen zu schauen und aus der Erinnerung Bilder entstehen zu lassen. Wir verlernen so etwas sonst!!
Da kann ich nur zustimmen, Ulrike. Und wenn wir immerzu Fotos sprechen lassen, verlernen wir darüber hinaus womöglich auch das anschauliche Schreiben. In diesem Fall habe ich auf Fotos aber auch deshalb verzichtet, weil sich in meinem Kopf Bilder der Landschaft mit Bildern (Visionen) des schlüpfrigen Bodens mischten, auf dem wir uns gerade wieder befinden…
Deine Beschreibung der Landschaft ist gerade so schön wie die lyrische zitierte (Droste?)
Danke schön, Sabine – auch im Namen von Annette Droste-Hülshoff! Ich vermute, du hast den „Knaben im Moor“ in der Schule auch mal auswendig gelernt?
nein, aber ich habe ihn immer mal gehört und gelesen…