Meine fröhliche Liebe hat mich verlassen.
Ich suchte sie wieder in allen Gassen,
Sie aber lag schon weit von mir
In einem hellen Birkenwald
Und freute sich ihrer Wohlgestalt
Und reckte die Glieder lang und zier.
Dort spielt sie nun mit Elf und Nick,
Läßt über ihr schneeweiß Genick
Die langen Ringelhaare fließen,
Pflückt Enzian zum Zeitvertreib
Und läßt sich nachts den blanken Leib
Mit Mondenschein begießen.
Ich aber warte nun in Ruh,
Schließ Tür und Laden sorglich zu
Und leg mich in die kühlen Kissen.
Wenn sie der grünen Tage satt
Den Weg zurück gefunden hat,
Soll sie erst klopfen müssen.
Hermann Hesse: Meine fröhliche Liebe
In meinem vorherigen Beitrag hatte ich bereits ein bisschen mit dem Fotomaterial gespielt, hatte ein hochformatiges Bild einfach mittendurch geteilt – aus eins mach zwei. Ulrike vom Blog watt&meer, die davon nichts wusste, fragte sich und mich, wie die Fotos wohl auf den Kopf gestellt aussehen. Besonders das erste (die obere Bildhälfte also) gefiel mir so verdreht. Und obwohl darauf gar keine Birken zu sehen sind, dachte ich sofort an Hesses fröhliche Liebe.
Wow, ein verwunschener Birkenhain und man sieht den Waldweg sogar. Ein Impressionist hätte es nicht schöner malen können 🙂
Zuviel der Ehre, Ulrike – aber trotzdem danke schön! Ich fühlte mich für einen Moment in die Worpsweder Ecke versetzt. Aber so ist es wohl: Wenn der Körper zu Hause bleiben muss, geht der Geist auf Reisen.