Sagt mir jetzt nicht: „Ich wohn doch in der Stadt,
wo soll ich da um Himmels Willen Schafe kränken?“
Ich gebe zu, dass das was für sich hat,
doch bitte ich euch trotzdem zu bedenken:
Ein gutes Wort ist nie verschenkt,
nicht nur bei Schafen, sondern überall.
Auch trefft ihr Schafe öfter als man denkt.
Nicht nur auf Wiesen. Und nicht nur im Stall.
Aus: Robert Gernhardt „Gesetzt den Fall, ihr habt ein Schaf gekränkt“
Vor Monaten wurde ich zufällig Zeugin, wie zwei Frauen im Hamburger Stadtpark ein Schaf aussetzten. Sie hatten lange und gern mit dem Tier zusammengelebt, erzählten sie mir. Nun aber sei es an der Zeit, es in andere Hände abzugeben. Am liebsten in Kinderhände, auf jeden Fall in aufmerksame. Wohl deshalb setzten sie das Schaf auf einen Ast, auf dass es nicht jedem Dahergelaufenen sogleich ins Auge springe. Seither schaue ich ab und an mal, ob es inzwischen ein neues Zuhause gefunden hat. Bei meinem letzten Besuch wollte das Schaf nicht mal mein Leckerli annehmen, so traurig war es, dass niemand aus der Großfamilie, die direkt unter ihm ein Grillfest feierte, auch nur einmal nach oben gesehen hatte. Wo ihr das Schaf trefft? Gleich neben der uralten Rotbuche in der Nähe vom Rosengarten…
Auf diese Weise ist mein Sohn an einen braun-gescheckten Hengst gekommen. Der fand sich am Eilbekkanal. Hamburg ist schon eine Wildnis…
Ja, die Stadt wird gelegentlich sehr unterschätzt, Sonja. Allerdings gilt inzwischen als gesichert, dass Karl May auch nie durchs wilde Hamburg ritt. Am Ende ist der braun-gescheckte Hengst wohl besser auf einer der Kuhweiden in eurer Nachbarschaft untergebracht…
Ja, er fühlt sich hier auch ganz wohl 😉
Und es ist auszuschließen, dass du vielleicht die Richtige für das Schaf wärst?
So rein menschlich-tierisch könnte das schon passen, Marga. Aber ein Schaf auf dem Balkon…?
Na, so lange, wie das schon im Baum lebt, schließt es einen Balkon für sich bestimmt nicht mehr aus 🙂
Wenn ich wer weiß wie lange da oben festsäße, hätte ich auch einen Durchhänger. 😦
Ich bin mir ziemlich sicher: Das Schaf würde sich über deinen Besuch sehr freuen. 🙂
Der ist schon fest eingeplant.
Wunderbar!
Was für eine schöne Geschichte aus dem Norden!
Danke schön – das freut mich sehr!
Schade, dass Hamburg so weit weg ist. Sonst würde ich glatt mit dem Kleinen Entdecker hingehen. Ein besseres Haustier kann man sich doch nicht wünschen… Lieben Gruß aus Folkestone
Ja, das ist wirklich schade, Peggy. Bei euch hätte das Schaf es bestimmt richtig gut. Liebe Grüße ans Meer!
Wie gut, dass ich die Klausur kurz unterbrach. Sonst hätte ich das gekränkte Schaf verpasst. Es schaut schon ein wenig belämmert .-) Danke, Maren, Du hast ein breites Lächeln hervorgezaubert.
Schön, dass du vorbei geschaut hast, Birgit! Ein breites Lächeln scheint mir eine gute Grundhaltung auch für die Klausur zu sein. 🙂
Mein Sohn hatte eine Zeitlang einen Begleiter der hieß Satza. Was das für ein Wesen war, haben wir nie heraus bekommen. Wir wollten den Kleinen nicht so bedrängen. Der Satza war nie gekränkt, wußte aber vieles, er war eben feinfülig und genau im Beobachten. Ich hatte später mal Schafe. Die sind genau so. In jedem Fall hat das Schaf mich an diese Geschichten erinnert. Das ist schön. LG, mick.
Du verstehst es, Neugier zu wecken, Mick. Und ich verstehe, dass jemand, der mit wenigen Strichen zu zeichnen versteht, nicht um jeden Preis herausfinden musste, wer Satza eigentlich war, der doch so unbestreitbare Qualitäten hatte. Ich hatte noch nie Schafe, aber immer mal wieder intensive Begegnungen mit Schafen, obwohl ich eigentlich Ziegen favorisiere. Danke auch dir fürs Erinnern! 🙂
Verfressen sind sie beide 🙂 Ziegen sind sicher noch interssanter aber eben auch schwieriger. Nomen est omen.
Eine treffliche Zusammenfassung! Ja, Ziegen sind schwieriger, aber auch deutlich beziehungsfähiger als Schafe. Und jetzt behaupte bitte niemand, mit einem Leckerli könne jeder Beziehungen herstellen. 😉