Sie war nicht mehr jung genug
für falsche Entscheidungen.
Ich war immer schon die, die sich jetzt tötet.
Ich habe aufgehört, etwas zu wollen,
krank vom Gekreisch der Kraft.
Du hörst einen Menschen weinen; das bist du.
Du hörst deinem eigenen Weinen bald ohne Tränen zu.
Als die Farben von der Liebe fielen,
war sie zum Berühren viel zu schwer.
Aus: Wolf Wondratschek: „Mein Tod. Requiem in memoriam Jane S.“
Oh, wie traurig. Tolle Bilder, wie immer!
Danke dir! Das komplette Requiem findest du, wenn du magst, in dem tollen Band „Lied von der Liebe“, in dem Liebesgedichte aus allen Lebensphasen Wondratscheks zusammengestellt sind.
Danke für den Tipp. Werde mein Personal anweisen, erst mal das Buch von dieser Jutta Reichelt zu beschaffen. Da hast Du mich sehr neugierig drauf gemacht. LG, Monni
Wunderschöne Bilder! Ich kann mich an solch kahlen Bäumen kaum satt sehen.
Und schöne, traurige Worte, die gut zu der Stimmung auf den Bildern passen. Oder umgekehrt … 😉
Je nachdem.
Vielen Dank! Ich kann mich auch immer wieder für kahle Bäume vor Winterhimmeln begeistern. Dieses Mal waren zuerst die Worte da. Oft ist es umgekehrt.
Sehr hart die conditio humana auch in so wohlgesetzten Worten!
So oft fehlt es einer Lebenssituation „an sich“ an Schönheit und doch kann sich in der Wahrhaftigkeit oder der Tiefe ihrer Beschreibung Schönheit manifestieren. Ich weiß nicht, ob das eine sinnvolle Antwort ist, aber es ist das, was mir zu deinem Kommentar einfällt und was mich im Grunde überhaupt zu diesem Beitrag motiviert hat.
Ja, ich verstehe, was du meinst ….. Authentizität kann Schönheit sichtbar machen ….
Ich hatte eher die Wahrhaftigkeit der literarischen Umsetzung im Sinn, die ja sehr fiktiv sein kann. So, wie z.B. Eugen Ruge seinen Roman „Cabo de Gata“ beginnen lässt: „Die Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war.“
Ein starker Satz ! Bei literarischer Umsetzung würde ich sagen geht es einerseits um Glaubwürdigkeit für die Leser, aber andererseits wahrscheinlich doch um eine Form von Wahrhaftigkeit sich selbst gegenüber. Eine ziemlich vielschichtige Wahrhaftigkeit denke ich mir …
Vielschichtig, fürwahr. 😉
dieser Text rutscht tief in den Bauch und macht es dort mulmig, dazu diese phantastischen Aufnahmen, all die dürren Arme, die sich dem Licht entgegenstrecken und doch noch warten müssen, auf Wärme und Licht, ob sie es wissen? Und warum weiss einer, dass die Sonne immer wiederkommt … immer wieder … und warum eine andere nicht?
liebe Grüsse Ulli
Ach, liebe Ulli, was für eine Freude, deinen Kommentar zu lesen! Der macht es überhaupt erst rund. Danke.
“ … wer möchte leben ohne den Trost der Bäume?“
Das Gedicht von Günter Eich kannte ich noch gar nicht – danke dafür. Ob ihn die Bäume zu trösten vermochten?
Kennst du „Die Wälder schweigen“ von Erich Kästner? Das ist mein liebstes Baum-Trost-Gedicht. Einen Auszug habe ich hier im Blog schon mal veröffentlicht:
https://orteundmenschen.wordpress.com/2014/07/15/unter-baumen/
oh – und ich kenne/kannte den kästner-text noch nicht. danke für hinweis und link!
(ich habe selbst einen trostbaum, eine wirklich riesige buche, deren krone ich von meinem schlafplatz aus zwischen hausdächern sehe. es ist mein erster blick beim aufwachen; und wenn ich mich hinlege, das licht lösche, kann ich meist vor dem einschlafen ihr schwarzes geäst vor dem helleren himmel ausmachen.)
Wie schön! Ich finde auch, dass sich alte Buchen in besonderer Weise als Kraftquelle eignen. Außerdem sehen sie einfach zu jeder Jahreszeit richtig gut aus.