Wer diesem Blog in den vergangenen Wochen gefolgt ist, weiß, dass ich mich neuerdings für Rothirsche interessiere. Ich habe hier und hier davon erzählt. Leider ist das Interesse bisher ganz einseitig. Die Geweihträger röhrten zwar mächtig, hielten sich ansonsten aber bedeckt. Umso größer war meine Freude, als ich jüngst – noch ganz in Gedanken und vollkommen absichtslos (ich vermute, darin besteht das Geheimnis) – das anmutige Reh am Waldrand erblickte. So still stand es, dass ich mich fragte, ob es wohl der Feder von Joachim Ringelnatz entsprungen sei:
Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
Still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
Morgens wieder vorbei
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise – ich atmete kaum –
Gegen den Wind an den Baum,
Und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.
Noch bevor ich schleichen und stipsen konnte, überkam das ganz kleine Reh ein ganz reales Bedürfnis. Doch nicht aus Gips…
Ich vermute, die meisten von euch (Ihnen) kennen die Zeichnung, in der ein Betrachter spontan und ganz sicher eine alte Frau und ein anderer Betrachter ebenso spontan und sicher eine junge Frau erkennt. So erging es mir, kurz nachdem ich das ganz kleine Reh seinen Geschäften überlassen hatte. Ich erblickte ein Schaf-Pferd, mitten im Wald. Ganz sicher. Ich machte ein Foto, betrachtete es später auf dem Computer-Bildschirm – und erkannte, dass man das auch anders sehen kann. Womöglich ist das intensive Hirsche-Spotten doch nicht ohne Auswirkungen geblieben…
Ein Reh fotografiert und auch noch den Ringelnatz gefunden. Herz, was willst Du mehr! 🙂
Mehr? Am liebsten gleich wieder raus in den Frühherbst. 🙂
🙂
Rehe, Ringelnatz und Randunschärfen – eine feine Dreifaltigkeit 😉
Frühmorgendlichvordemerstenteeaufwachende Grüsse vom nördlichen Mainufer
Ich danke schön und sende inzwischen-mittäglich-teeberauschte Grüße aus der Elbmetropole!
Dann will ich nicht säumen und sende in die Elbmetropole abendschlappeneuigkeitenvolle Grüsse aus der schönsten Stadt am Main (Tee gibbets Morgen in der Frühe wieder)
Wunderbar! Ich erkannte im letzten Foto eher einen schwarzen Hund, aber ich hatte mich ja auch vorher nicht mit Rehen beschäftigt…
dazu von mir noch etwas von Morgenstern und liebe Grüße
Drei Hasen
Eine groteske Ballade
Drei Hasen tanzen im Mondenschein
im Wiesenwinkel am See:
Der eine ist ein Löwe,
der andre eine Möwe,
der dritte ist ein Reh.
Wer fragt, der ist gerichtet,
hier wird nicht kommentiert,
hier wird an sich gedichtet;
doch fühlst du dich verpflichtet,
erheb sie ins Geviert,
und füge dazu den Purzel
von einem Purzelbaum,
und zieh aus dem Ganzen die Wurzel
und träum den Extrakt als Traum.
Dann wirst du die Hasen sehen
im Wiesenwinkel am See,
wie sie auf silbernen Zehen
im Mondschein sich wunderlich drehen
als Löwe, Möwe und Reh.
Christian Morgenstern
Oh, ein Hund! Bin gepurzelt zwischen all den Bäumen – jetzt seh ich ihn auch. „…hier wird nicht kommentiert, hier wird an sich gedichtet…“ 😉 Vielen Dank für die großartige Morgenstern-Ballade. Die hatte wirklich gefehlt. Liebe Grüße zurück!
Super…das Schafpferd: Wenn man genau hinsieht, kann man es erkennen.
Etwas weiter abrücken vom Bildschirm kann auch hilfreich sein… 🙂
Liebe Maren,
so startet die Arbeit doch wieder mit einem gaz breiten Grinsen im Gesicht: ein Reh bei der Joga-Übung „aufschauender Hund“, ein Karl May-Gedicht vom Anschleichen und ja, wenn man aus den Augenwinkeln schaut, sieht man es genau: ein ziemlich großer schwarzer Hund (und da sind wir doch schon wieder bei Köhlmeiers „Zwei Herren am Strand“, denn da kämpfen Churchill und Chaplin gegen ihre großen schwarzen Hunde). Und dann noch ein tierisches Morgenstern-Gedicht.
Viele Grüße, Claudia
Ein Reh bei der Yoga-Übung „aufschauender Hund“ – dieses Gute-Laune-Bild wird mich durch den Tag begleiten. Danke, Claudia! Der hier versammelten Hunde-Expertise beuge ich mich neidlos und gern. 😉 Dir wünsche ich, dass die Beschäftigung mit dem, was guten Unterricht ausmacht – wenn sie denn schon nicht das reine Vergnügen ist -, gut vorankommt. Es kommen auch wieder Zeiten mit mehr Lesespaß, ganz sicher!
Pferd oder Hund?
Hund oder Pferd?
Oder Schaf?
Mich tät da eher int’ressieren,
Ob das Reh das was es tut auch daarf??
Aber hallo! Wie schon der Name sagt: Not-durft. 😉
Ein schönes Gedicht und das Foto ist auch toll! 🙂
Vielen Dank! Das freut mich.
Was ist schon „die Wirklichkeit“? So ein wunder – bares Schafpferd! Hier, am untersten Rand der Republik wurde leider noch keins dieser seltensten Exemplare gesichtigt. Liebe Grüsse
Ich habe mich gerade ein bisschen auf deinem Blog umgesehen, liebe Graugans, und bin mir ganz sicher: Wenn es bei euch (wo genau ist denn das?) Schafpferde gibt, wirst du sie finden! Notfalls kannst du ja ein paar von ihnen malen. Oder noch besser: ein Paar und anschließend zum Vermehren freilassen… Liebe Grüße in den Süden der Republik!
Liebe Maren, das freut mich, daß Du bei mir vorbeigeschaut hast! Von Hamburg aus 1000 km nach Süden, am Alpenrand, südöstlichstes Eck der Republik, grad noch 30 km nach Salzburg. Viele liebe Grüsse in den Norden!
Habe inzwischen noch ein bisschen ausführlicher geschaut und hätte auch gern einen Kommentar hinterlassen, aber irgendwie wollte das System nicht. Schade!
Ach ja, schade! Werde nachschauen, ob was nicht stimmt!