
Heute habe ich ein Balkon-in-Balkon-System kennengelernt, das ich so noch nie gesehen hatte. Ob die auf der oberen Ebene Hühner halten? Ich habe erfahren, dass es auch in Barmbek ein Massengrab aus der Franzosenzeit gibt und weiß jetzt, wo ich Faltenbälge und Zahnräder oder Fünfziger-Jahre-Kleider finde, sollte ich jemals welche brauchen.
Ich habe mich von backsteinernen Gebäuden mit Laubengängen und Rundbalkonen bezaubern lassen und auf dem Grünstreifen zwischen Dulsberg-Süd und Dulsberg-Nord deutschen Männern mit Bierbauch beim Biertrinken und türkischen Frauen mit Kopftuch beim Picknicken zugeschaut. Ein Klischee, ich weiß. Aber genauso real wie die lebhafte Kapitalismus-Debatte vor Eddas Eiscafé ein paar Augenblicke zuvor.

Ich habe entdeckt, dass einer sein Haus von Bulldoggen, ein anderer von kleinen Engeln bewachen lässt. Komischerweise waren die Engel angeleint, nicht die Hunde.
Zum Schluss bin ich gleich hinter dem Dulsberger Lesehaus sogar noch auf einen Tierpark gestoßen, dessen exotische Bewohner auf das Fröhlichste den Gesetzen der Schwerkraft trotzen. Und das alles in einer Stunde, in der ich vom Bahnhof Barmbek aus bei jeder sich bietenden Gelegenheit abwechselnd rechts und links abgebogen bin. Was für ein Spaß! Terra incognita hinter (fast) jeder Ecke.
