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In wachsenden Ringen

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang,
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Rainer Maria Rilke

Schon so lange begleitet mich Rilkes Dichtkunst. Wenn ich nur drei Bücher auf die berühmte einsame Insel mitnehmen dürfte, die Dünndruck-Gesamtausgabe seines lyrischen Schaffens aus dem Insel Verlag wäre mit Sicherheit dabei. Einmal in vielen Jahren wurde ich dieser Liebe überdrüssig. Da hatte ich Klaus Modicks klugen Roman Konzert ohne Dichter gelesen, eine Innenansicht der legendären Künstlerkolonie Worpswede, zu der auch Rilke gehörte. Immer hatte ich es vermieden, mich allzu intensiv mit dem Dichter „als Mensch“ zu beschäftigen. Ich wusste ja, dass es da „Defizite“ gab, die sich in seinen Gedichten seltsamerweise nicht spiegelten. Dann las ich den Modick – und mochte nicht mehr lieben, den Dichter nicht mehr lieben. Jetzt begegneten mir zufällig die zitierten Zeilen aus seinem Stunden-Buch und der alte Zauber war wieder da. Es scheint, als könne ich plötzlich trennen zwischen dem Werk und seinem Schöpfer.

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Blauäugig, wetten?

DSC_1935Grüne Augen, Froschnatur,
von der Liebe keine Spur!

Blaue Augen, Himmelssterne,
küssen und posieren gerne.

Braune Augen sind gefährlich,
aber in der Liebe ehrlich.

Graue Augen, Liebesschmerz,
treffen dich sofort ins Herz.

Manchmal ist zuerst der Text da. So wie beim vorigen Beitrag die Zeilen von Ernst Wiechert (1887 – 1950), für die es dann ein Bild zu finden gilt. Dass der Schriftsteller, der in den masurischen Wäldern aufwuchs und am Zürichsee starb, vermutlich nie im Teufelsmoor war – geschenkt. Als ich seine Zeilen las, hatte ich ein bestimmtes Bild vor Augen.

Auf der Suche danach stieß ich auf  die Kokette mit dem roten Hut. Und während ich noch überlegte, was ich zu ihr bloß erzähle, außer dass ich sie ebenfalls in der Künstlerkolonie Worpswede traf, die nun auch schon ihren 125. Geburtstag feiert, fielen mir allerlei Weisheiten aus dem Poesiealbum in die Hände…

Randnotiz: Eigentlich sollte dieser Beitrag Bekenntnisse einer vorzugsweise stromernden Bloggerin heißen. Aber dafür war die Überschriftenzeile zu kurz. Und dann ist da ja auch noch die deutsche Nationalelf, die mit Augen in einer bestimmten Farbe gerade noch einmal davonkam.