Wir gingen in helle Kornfelder hinein. Dort wucherte Mohn rotfleckig am Rain, Fein klingen dort Ähren dem Ohr Melodein Und wiegen die Köpfe leise und träge, Und heiße Dinge liegen am Wege. Nicht Körner allein im Kornfeld gedeihn, Mohnrote Flecken, die lecken am Blut, Die können im Feld ein Brennen anstecken; Wir haben geküsst und nicht ausgeruht.
Die Welt hat kein Gesicht von greifbarer Gestalt. Vor einem Kind malt sie sich stolz und wie ein Held, Vor einem Greise ohne Durst, wie tausendjährig Holz so alt, Den Dummen quält die Welt stets kopfgestellt. Dem Kühlen und dem Stummen ist sie kalt versteint, Die Schwachen fühlen sie als Tränensack, der greint. Dem Trotzigen ist sie voll Mühlen, gegen die er ficht, Dem Gütigen stets wohlgemeint voll Schwergewicht, Dem Richter ist sie ewiges Weltgericht. Ein unwirklich und tief Gedicht ist sie dem Dichter, Verliebten lieblos oder voller Liebe; Der Welt Gesicht sind aller Welt Gesichter.
Max Dauthendey: Der Welt Gesicht sind aller Welt Gesichter
Der Himmel leuchtet aus dem Meer; ich geh und leuchte still wie er.
Und viele Menschen gehn wie ich, sie leuchten alle still für sich.
Zuweilen scheint nur Licht zu gehn und durch die Stille hinzuwehn.
Ein Lüftchen haucht den Strand entlang: o wundervoller Müßiggang.
Richard Dehmel: Klarer Tag
Wir gehen am Meer im tiefen Sand, Die Schritte schwer und Hand in Hand. Das Meer geht ungeheuer mit, Wir werden kleiner mit jedem Schritt. Wir werden endlich winzig klein Und treten in eine Muschel ein. Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn, Und werden stets schöner, wie die Perlen tun.
Max Dauthendey: Wir gehen am Meer im tiefen Sand
So groß ist die Sehnsucht nach Weite, mag einem der unendliche Himmel getrost auf den Kopf fallen.
… und nichts mehr wollen wollen nur Meer
nur Meer
Erich Fried: Meer (Auszug)
Die Fotos habe ich von einem Ausflug an die Nordsee mitgebracht. Über zwölf Kilometer lang und bei Ebbe bis zu zwei Kilometer breit ist der Strand von St. Peter-Ording auf der Halbinsel Eiderstedt. Wer lange genug geht, hat die herrliche Landschaft eine Weile ganz für sich.