
Wolle die Wandlung. O sei für die Flamme begeistert,
drin sich ein Ding dir entzieht, das mit Verwandlungen prunkt;
jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert,
liebt in dem Schwung der Figur nichts wie den wendenden Punkt.
Was sich ins Bleiben verschließt, schon ists das Erstarrte;
wähnt es sich sicher im Schutz des unscheinbaren Grau’s?
Warte, ein Härtestes warnt aus der Ferne das Harte.
Wehe -: abwesender Hammer holt aus!
Wer sich als Quelle ergießt, den erkennt die Erkennung;
und sie führt ihn entzückt durch das heiter Geschaffne,
das mit Anfang oft schließt und mit Ende beginnt.
Jeder glückliche Raum ist Kind oder Enkel von Trennung,
den sie staunend durchgehn. Und die verwandelte Daphne
will, seit sie lorbeern fühlt, daß du dich wandelst in Wind.
Rainer Maria Rilke, aus: Die Sonette an Orpheus, Zweiter Teil
hätte herrn rilke hier erstmal nicht erkannt. als ich es anfing zu lesen, fragte ich mich: wer mag das geschrieben haben? ein bissen ausladend gehalten, schweifend. las dann den namen: rilke. dachte: oh. das hätte ich nicht gedacht. ein gedicht, welches den abschied besingt, so lese ich es. weil es das bleiben nicht erträgt. oder nicht kann. oder beides. jedenfalls: danke fürs teilen. auch für die überraschung, wie ich bislang rilke nicht gelesen hatte. liebe grüße und gute woche dir!
Wie schön, vielen Dank für deine Empfindungen und Gedanken zu Rilkes Zeilen! Zu mir spricht daraus vor allem Vergänglichkeit, weniger Flucht als: nicht anzuhaften, nicht festhalten zu wollen (so wenig wie die Schönheit eines Sonnenuntergangs oder die Form vorüberziehender Wolken). Das beschäftigt mich schon viele Jahre. Auch Rilke begleitet mich schon endlos lange, mal mehr, mal weniger intensiv. Für mich ein Dichter fürs Gefühl, bisweilen auch arg gefühlig (ich vermute, das geht in die Richtung dessen, was du als „ein bisschen ausladend, schweifend“ beschreibst?), weniger für die praktische Umsetzung. 😉 Einen herzlichen Gruß zurück und auch dir eine gute Woche!