Manchmal noch empfind ich völlig jenen
Kinder-Jubel, ihn:
da ein Laufen von den Hügellehnen
schon wie Neigung schien.
Da Geliebt-Sein noch nicht band und mühte,
und beim Nachtlicht-Schein
sich das Aug schloss wie die blaue Blüte
von dem blauen Lein.
Und da Lieben noch ein blindes Breiten
halber Arme war -,
nie so ganz um Einen, um den Zweiten:
offen, arm und klar.
Rainer Maria Rilke: Aus dem Nachlass des Grafen C. W. (Auszug)

Wen er wohl mit dem „Zweiten“ meint?
Die Putte im Laub, entzückend!
Falls du die Frage (auch) an mich gerichtet hast: Ich verstehe den „Zweiten“ als eine(n) Weitere(n), noch Ein(n). Die Arme mögen kurz gewesen sein, aber sie hatten bzw. boten Raum, als die Liebe noch bedingungslos war.
Das steinerne Vögelchen auf dem Granit, das Engelchen im Laub – Kinderjubel umweht sie als leise hauchfeine Erinnerung.
Hast du ihn auch gehört – wie schön!
Da denke ich an einen Jugendlichen, den ich im Sommer begleitet habe, der sich gewünscht hat sein kindliches Glücklichsein mit ins Erwachsensein nehmen zu können. Ja, das hat mich sehr berührt, so wie diese Zeilen und deine Bilder dazu, liebe Maren!
herzliche und bunte Grüße sende ich dir
Ulli
Ein wenig lässt mich deine Assoziation staunen, Ulli, aber wer weiß, vielleicht hatte der Junge ja trotz seines Alters schon ein Gespür dafür, dass es so eine Sache ist mit den Ewigkeiten… Viel Buntes zurück!
Je mehr Patina/Spuren der Zeit an so einem Engelchen, desto weniger kitschig erscheint es mir und desto lieber sehe ich es. Und Rilke, ach, ohne Worte …
Schön …
Liebe Grüße
Christiane
Mir geht es ähnlich wie dir mit den Engeln, Christiane. Dieser hockt wohl schon eine ganze Weile in seinem Sträucherwald und träumt und denkt und erinnert sich so vor sich hin. Er hat mich gleich angesteckt damit. Und ein paar Verse von Rilke verderben wirklich selten den Tag. 😉